Was hast Du am Wochenende gelesen? Diese Frage war der Ausgangspunkt für die Idee des Literaturhauses Berlin und der Berliner Morgenpost, gemeinsam einen regelmäßigen Podcast auf die Beine zu stellen. Drei Menschen, die sich für Literatur begeistern, treffen sich nun alle zwei Wochen, um sich darüber zu unterhalten, was sie derzeit im weiten Feld der Texte und Bücher bewegt. Janika Gelinek hat Neuere deutsche Literatur, Italienisch und Philosophie studiert, bevor sie nach Tätigkeiten als Lektorin, Rezensentin und Gutachterin 2018 die Leitung des Literaturhauses Berlin (Li-Be) übernahm – zusammen mit Sonja Longolius, die nach einem Studium der Kunstgeschichte und Amerikanistik zunächst als Ausstellungsmacherin unter anderem in New York und Berlin aktiv war. Felix Müller studierte Neuere deutsche Literatur und Geschichte und leitet seit 2017 das Kulturressort der Berliner Morgenpost. In diesem Gespräch sprechen sie darüber, wie, was und wo sie lesen – denn auch das wird immer wieder Thema des Podcasts sein. Er ist auf der Website der Berliner Morgenpost, auf literaturkanal.tv, auf Spotify und auf der Youtube-Seite des Literaturhauses Berlin abrufbar. Zum Kennenlernen: ein Gespräch über Lesegewohnheiten und gute Vorsätze.
Wie lesen Sie?
Janika Gelinek Am liebsten frühmorgens mit Kaffee im Bett. Am liebsten echte Bücher, aber auch viel auf dem Lesegerät: Da habe ich in den Markierungen und Notizen mittlerweile eine Art Geheimsprache entwickelt, die meine jeweiligen Eindrücke zusammenfassen.
Felix Müller Am besten liegend, im Schlafzimmer, mit einem großen Kissen im Rücken und einer Lampe, die direkt aufs Buch scheint. In der Badewanne geht es leider überhaupt nicht.
Sonja Longolius Ich lese auch am liebsten frühmorgens mit einem Becher Kaffee auf dem Sofa, bevor meine Familie aufgestanden ist. Und abends vor dem Schlafen lese ich mindestens ein paar Seiten. Ich lese digital und analog; im Urlaub nehme ich mein Lesegerät mit und freue mich, eine ganze Bibliothek dabei haben zu können.
Was kommt auf den Lesestapel und was nicht?
Janika Gelinek Auf den Stapel kommt alles. Manches kann sich da monatelang halten, anderes stelle ich dann ziemlich schnell in unser “Zu Verschenken”- Regal im Li-Be.
Felix Müller Eine Mischung aus aktuellen Titeln und Büchern, die ich schon immer mal lesen wollte. Der Stapel verändert sich ständig.
Sonja Longolius Alles, was ich fürs Li-Be Programm lesen muss und möchte, gerne auch schon die Fahnen von neuen Büchern zum Reinschnuppern und Orientieren.

Welche Bücher/Texte haben Sie verpasst, wollen Sie dringend nachholen?
Janika Gelinek Die ganze lange Liste wäre zu schmerzhaft, aber: Don Quichotte! Und, und, und…..und.
Felix Müller Ich habe Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ noch nicht geschafft. Ich bräuchte dafür bitte mal ein paar Wochen Urlaub!
Sonja Longolius Bedauerlicherweise ist fast die gesamte russische Literatur eine Terra incognita für mich. Auch viele der klassischen Franzosen und Französinnen liegen noch auf meinen to be read-Stapel.
Welchen Text werden Sie als nächstes lesen und warum?
Janika Gelinek Katharina Hacker, „Die Gäste“ zu Ende lesen: Sie feiert am Mittwoch ihre Buchpremiere im Li-Be! Eine Graphik Novel über Arvo Pärt, um sie für das Maiprogramm zu prüfen. Michele Mari, auf den bin ich schon lange neugierig. Und „Erebos“, ein Computerspiel-Thriller, den mein Sohn so toll findet, dass er ihn mir auf den Nachtschrank gelegt hat.
Felix Müller Gestern habe ich mit Lucy Frickes „Die Diplomatin“ begonnen, weil ich die Autorin sehr schätze. Es fängt schon mal gut an. Ich freue mich auf „Zukunftsmusik“ von Katerina Poladjan, das Buch ist auch gerade für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. Und danach möchte ich endlich Klaus Nüchterns Buch über Heimito von Doderer lesen: „Kontinent Doderer“. Ich vermute, das ist fantastisch.
Sonja Longolius Nino Haratischwilis „Das mangelnde Licht“. Am 10. März kommt sie zu uns ins Li-Be, um ihre Berliner Buchpremiere zu feiern und mit Shelly Kupferberg über ihr neuestes, mal wieder sehr dickes Buch, zu sprechen. Ich bin äußerst gespannt, denn ich schätze ihre Romane sehr.
Was ist der ideale Ort zum Lesen?
Janika Gelinek Mein Bett. Aber auch sonst überall, wo es eine ordentliche Kopfstütze (das Alter..) und eine Möglichkeit gibt, die Kaffeetasse abzustellen. Richtig gute Bücher werden aber auch problemlos mit der S-Bahn fertig.
Felix Müller Ich bin leider zu selten in Hotelzimmern, aber sie sind die idealen Leseorte für mich. Hier lenkt nichts ab, muss aufgeräumt oder schnell mal erledigt werden. Und außerdem ist man dann meistens in Urlaubsstimmung.
Sonja Longolius Auf dem Sofa, im Bett, oder – wenn das Wetter es zulässt – auf dem Balkon.
Was können Sie beim Lesen überhaupt nicht ausstehen?
Janika Gelinek Wenn mir wer dazwischen quatscht. Musik.
Felix Müller Innere Unruhe und diverse Geräuschkulissen. Manchmal knabbert unser kleiner Hund an meiner Hand, aber das ist eigentlich ganz in Ordnung.
Sonja Longolius Wenn es an der Tür klingelt oder das Telefon läutet. Ansonsten kann ich ziemlich viele Hintergrundgeräusche ausblenden.
In dieser Woche werden in „Berlins schönste Seiten“ besprochen: Yasmina Reza, Serge; Carol Dunlop und Julio Cortázar: Die Autonauten auf der Kosmobahn und Art Spiegelman, Maus.



