Peter Zander

Dritte Staffel Babylon Berlin: Feiern, bis die Blase platzt

Am 24. Januar startet die neue Staffel von „Babylon Berlin“. Erst mal nur auf Sky. Wer sie in der ARD schauen will, muss noch warten.

Die dritte Staffel beginnt mit einem Paukenschlag: Kommissar Rath  (Volker Bruch) beim Börsencrash in der Berliner Börse.

Die dritte Staffel beginnt mit einem Paukenschlag: Kommissar Rath (Volker Bruch) beim Börsencrash in der Berliner Börse.

Foto: Frédéric Batier, X Filme Creative Pool, ARD Degeto, WDR, SKY, Beta Film 2019

Es beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Zu Beginn der dritten Staffel „Babylon Berlin“ taumelt ein verstörter Kommissar Rath (Volker Blech) durch ein Gebäude im Chaos. Papiere segeln durch die Luft, Menschen laufen panisch umher oder setzen sich eine Pistole an den Kopf. Ein Mann erhängt sich sogar direkt vor Rath.

Man braucht eine Weile, bis man ahnt, was sich hier abspielt: Es ist der Börsencrash vom Oktober 1929. Rath ist mittendrin. Und wird beim Versuch, aus der Berliner Börse zu kommen, von weiteren ruinierten Anlegern überrannt. Es sind Bilder einer Apokalypse, mit denen die Staffel startet. Sofort ist man wieder im Sog dieser Serie. Auch wenn die Handlung dann um Wochen zurückspringt und man lange nicht weiß, wie es zu dem Alptraum kam.

Ein Sittenbild der wilden 20er-Jahre

Ein Cliffhanger nicht erst am Ende, sondern schon zu Beginn: So begann schon die erste Staffel dieser Serie, die locker auf den Kriminalromanen von Volker Kutscher beruht und im Herbst 2017 auf Sky und ein Jahr später in der ARD für Furore sorgte. Die bislang teuerste deutsche Serie, die internationalen Standards gerecht wird: ein Hit, in über 100 Länder verkauft.

Mehr zum Thema: Die „Babylon Berlin“-Macher über ihre Serie

Die ersten zwei Staffeln gaben einen wilden, hektischen Rhythmus vor, der in das vibrierende, ausschweifende, aber auch unruhig brodelnde Berlin der 20er-Jahre entführte. Staffel Drei – die am 24. Januar auf Sky startet, aber erst im Herbst in der ARD läuft – beginnt etwas gemächlicher, spielt auch nicht mehr an so vielen spektakulären Ecken von Berlin, verschanzt sich eher in klaustrophobischen Räumen.

Der Börsencrash, mutwillig geplant

Aber ihren Anspruch, ein ganzes Sittenbild der Stadt und der 20er-Jahre-Gesellschaft zu entwerfen, verfolgen die Serienmacher Tom Tykwer, Hendrik Handloegten und Achim von Borries auch in dieser Staffel. Die Lasterhöhle Moka Efti ist zwar geschlossen. Lasziv gefeiert wird aber auch anderswo.

Und Kriminalassistentin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) kommt auch diesmal nicht, wie im Buch, mit Rath zusammen, sondern bändelt mit einer Tänzerin an. Außerdem eröffnet die Serie ganze Seitenschauplätze, auf die Kutscher gar nicht verfiel: okkulte Séancen, die Journalistenszene um das Romanische Café und der Ullstein-Verlag, der einen modernen Bilder-Journalismus kreiert.

Weiter treiben rechtsnationale Kräfte in der Weimarer Republik ihr mörderisches Ränkespiel. Andere böse Kräfte sind dagegen fiktiv: Ein finsterer Seelendoktor (Jens Harzer) manipuliert wie Fritz Langs Dr. Mabuse die Massen. Und der Großindustrielle Nyssen (Lars Eidinger) forciert vereint mit Wirtschaftskräften und Nationalisten das Platzen der Börsenblase, um die Demokratie auszuhebeln. Eine historisch kühne Idee.

Kutschers zweiter Roman „Der stumme Tod“, auf dem die neue Staffel basiert, handelt von einem Mord bei Dreharbeiten im Studio Babelsberg. Spielt mithin genau in dem Metier der Filmemacher – und da, wo viele Straßenszenen der Serie gedreht wurden.

Der Film muss nicht das Sprechen lernen

Gerade hier aber leisten sich die Filmemacher die größten Abweichungen. Der Roman handelte auch hier von einem Umbruch: dem vom Stumm- zum Tonfilm. Im babylonischen Berlin der Serie dagegen wird zwar wie im expressionistischen Stummfilm gemimt, der Ton aber ist längst dabei.

Der Grund: Das Buch spielte 1930, als der Tonfilm die Kinos eroberte. Die Serie spielt aber weiterhin 1929, nur wenige Wochen nach den Geschehnissen der ersten Staffeln. Kutscher zielte von Anfang an, Teil Eins war nur ein Prolog, auf die 30er-Jahre. Er erzählt, neben der Krimihandlung, immer auch davon, wie die Nazis immer mächtiger werden und die Gesinnung der Menschen verändern.

Die Serienmacher dagegen kreieren ein Zeitbild der 20er-Jahre. Und klammern die Nazis, so weit es möglich ist, aus. Ein grundlegender Unterschied, der die Serie denn auch zu etwas ganz Anderem, ganz Eigenen macht.

„Babylon Berlin: Staffel 3“: ab 24. Januar eine Folge pro Woche auf Sky. In der ARD ab Herbst 2020.