Pop

Céline Dion: „Ich spüre meine innere Stärke“

Die Sängerin Céline Dion hat ihren Mann durch Krebs verloren. Über den Schmerz, aber auch ihre Lebenslust singt sie jetzt.

Die letzten Jahre haben bei Céline Dion Spuren hinterlassen. Das prägt nun ihre neuen Songs.

Die letzten Jahre haben bei Céline Dion Spuren hinterlassen. Das prägt nun ihre neuen Songs.

Foto: Jan Woitas / dpa

200 Millionen verkaufte Alben, geschätzte 700 Millionen Euro Vermögen – Céline Dion ist ein Weltstar. „Courage“ heißt nun das neue Album der 51-Jährigen, ihre Stimme ist darauf wie immer in Bestform. Die Songs selbst fallen sehr unterschiedlich aus, von House-Pop bis zu sehr berührenden Liedern über ihre neue Lebenssituation ist alles dabei. Es ist das erste englischsprachige Album seit sechs Jahren, und die lange Pause hat einen traurigen Grund. René Angélil, Célines Entdecker, Manager und fast 30 Jahre lang ihr Lebenspartner, starb 2016 mit 73 Jahren an Krebs. Ein Gespräch über künstlerischen Aufbruch und Neuanfang.

Céline, Sie sehen super aus. Wie geht es Ihnen?

Céline Dion Vielen Dank. Ich fühle mich wirklich fantastisch. Ich bin sehr stolz auf mein neues Album, es hat eine Weile gedauert. Zeitweise hatte ich große Freude daran, Songs auszusuchen und zu singen, andere Momente waren sehr hart und emotional.

Ihr Ehemann René Angélil starb im Januar 2016…

Ja. „Courage“ ist mein erstes englischsprachiges Album ohne René. Ich habe bei der Arbeit immer an ihn gedacht, ach, ich denke sowieso immer an ihn. Bei jedem Song, den ich aufnahm, schaute ich nach oben und sagte: „Du wirst diesen Song lieben“. Ich war also, auch, wenn er nicht mehr da war, im engen Austausch mit ihm. Und ich wusste irgendwann, dass ich es alleine schaffen kann, alleine schaffen werde. René hat so viel für mich getan, ich habe meinen Manager, meinen besten Freund, meinen Geliebten, meinen Ehemann, den Vater meiner drei Kinder verloren – das war ein unbeschreiblicher Verlust. Auf diesem neuen Album, das für mich sehr wichtig ist, wollte ich mir, aber auch René etwas beweisen. Ich wollte ihm zeigen, dass ich auch ohne ihn weitermachen kann. Er war immer da für mich, seit meiner Jugend, und ich wollte ihm sein Vertrauen zurückgeben.

Was genau wollten Sie mit „Courage“ beweisen?

Dass ich, bei aller Trauer, das Leben nicht aus den Augen verliere. Wir alle verlieren geliebte Menschen, das gehört zum Leben dazu. Jeder Mensch macht niederschmetternde und traurige Erfahrungen, so ist es nun einmal, Dinge passieren. Aber was dann? Fallen wir hin, geben wir auf? Nein. Ich werde immer trauern, ich werde René immer vermissen und immer lieben, aber ich habe mich dazu entschlossen, mich aufzurappeln, mein Leben fortzusetzen.

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Ihr Album heißt „Courage“, also Mut. Ist es ein mutiger Schritt, so ein ehrliches Album zu veröffentlichen?

Im Nachhinein ja. Ich selbst habe lange nicht gewusst, dass ich diese Courage in mir habe. Auf eine Art hat Renés Tod dafür gesorgt, dass die innere Stärke, die immer schon in mir war, deutlicher hervorgetreten ist. Ich war gezwungen, plötzlich Entscheidungen zu treffen, die René mir immer abgenommen hatte.

René war immer auch Ihr Manager. Mussten Sie sich geschäftlich neu orientieren?

Zum Glück haben wir ein Team aufgebaut, das aus Menschen besteht, die wir teilweise schon seit Jahrzehnten kannten. Ich fiel also nicht plötzlich in ein Loch, was meinen Beruf angeht. Aber natürlich habe ich mir auch Sorgen gemacht und musste meine eigene Kraft, auch mithilfe all des Wissens, dass ich mit der Zeit von René bekommen habe, erst finden.

Im Song „Lying Down“, der von Sia und David Guetta geschrieben wurde, sagen Sie, dass Sie Vertrauen und Glauben in sich selbst gefunden haben.

Ja. (singt den Refrain des Songs) Wenn du so einen Schlag abbekommst wie ich, dann ist erstmal nichts mehr so wie es war. Es ist wahr, wir wussten, dass dieser Tag kommen würde. Wir waren auf Renés Tod vorbereitet, es gab auch nichts, was zwischen uns beiden und den Kindern unausgesprochen geblieben wäre. Und trotzdem, wenn es dann passiert, haut es dich um. Du bist nie bereit für den Abschied. Es war hart, und jetzt muss ich alleine fliegen, und mir und allen beweisen, dass ich es kann. Und ich kann es! Ich dachte eigentlich immer, dass ich eine starke Person bin. Aber jetzt weiß ich, dass ich stärker bin als ich glaubte.

Sie sind nach einem Jahr Pause, in der Sie Ihren Mann pflegten, ab August 2015 wieder regelmäßig in Las Vegas aufgetreten. Brauchten Sie die Musik als Therapie?

Nein, das war definitiv keine Therapie für mich, sondern eine Therapie für René.

Wie meinen Sie das?

Bevor mein Mann starb, wollte er, dass ich zurück auf die Bühne gehe. Er wollte mich sehen, wie ich singe. Meine Techniker organisieren dann etwas Großartiges. René war im Sommer 2015 bereits sehr schwach, er lag im Bett, und vor sich hatte er einen großen Bildschirm. Dort konnte er dann jeden Abend meine Show anschauen, wenn er wollte. René war immer dabei, wenn ich auftrat – und ich war immer zuhause, bei ihm. Wir waren also nie getrennt. Für ihn war das sehr wichtig. Er bat mich, weiterzumachen, nachdem ich ein Jahr zuhause war, er wollte mich nochmal auf der Bühne singen sehen, das hat ihm unglaublich viel bedeutet. Für mich war das hart, sehr, sehr hart. Glauben Sie, ich war in der Verfassung, kurze Kleider und Federn zu tragen und jeden Abend die Menschen zu unterhalten? Es war heftig, ich fühlte mich kein bisschen nach Party. Aber die Leute kamen natürlich, um die Show zu sehen. Die Fans wussten, dass René schwer krank war, aber die Einzelheiten kannten sie natürlich nicht, wir haben das niemandem wirklich erzählt. Aber was mich angetrieben hat, war der Gedanke an René. Ich habe es für ihn gemacht.

Wie war es, nach den Konzerten heimzukommen?

René war so glücklich, wenn er mich sah. Ihn strahlen zu sehen, hat es für mich unendlich einfacher gemacht, die Auftritte durchzuziehen.

Sie singen auf Ihrem Album das Lied „Falling In Love Again“. Wären Sie bereit für einen neuen Mann in Ihrem Leben?

Im Moment habe ich keinen Freund. Ich suche auch nicht nach einem neuen Freund. Auch in der näheren Zukunft kann ich es mir nicht vorstellen, wieder mit jemandem zusammen zu sein. Doch vielleicht trifft mich eines Tages der Blitz. Und wenn es wahre Liebe ist, dann kannst du sowieso nicht auf die Suche gehen. Wahre Liebe muss dich finden. Jemanden kennenzulernen, ist nicht so wie shoppen zu gehen, auch wenn manche Leute das anders sehen. Das ist überhaupt nichts für mich. Wer weiß? Vielleicht verliebe ich mich nie wieder. Doch vielleicht finde ich irgendwann wieder einen Partner.

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