Porträt

Elina Garanca: „Ich brauche immer etwas Neues“

Singen an der körperlichen Grenze: Mezzostar Elina Garanca kehrt an die Staatsoper zurück und singt die Titelrolle in „Samson und Dalila“.

Singt an der Berliner Staatsoper: Mezzosopranistin Elina Garanca.

Singt an der Berliner Staatsoper: Mezzosopranistin Elina Garanca.

Foto: Gregor Hohenberg

Elina Garanca ist eine echte Operndiva. Sie singt weltweit an den großen Opernhäusern und lebt mit ihrer Familie abwechselnd in ihrer Geburtsstadt Riga, in Spanien und Wien. In Berlin probt sie gerade Camille Saint-Saëns’ französischsprachige Oper „Samson et Dalila“ an der Staatsoper.

„Maestro Barenboim ist ein Traum“, sagt die Sängerin, und beiläufig stellt sich heraus, dass der Dirigent und seine Dalila bei den Proben Englisch miteinander sprechen. Was aber Zufall sei, wie sie sagt. „Das haben wir bei unserer ersten Begegnung getan, und dann behält man es einfach bei. Wir könnten auch Deutsch, Russisch oder Spanisch miteinander sprechen.“

Elina Garanca in Berlin: Kino, Shoppen, Fernsehen

Die Oper ist schon ein polyglotte Kunstform. Wer sich mal gefragt hat, was Upperclass-Sängerinnen am Rande der Proben in Berlin so machen, der kann von der Garanca eine bodenständige Antwort bekommen. „Ich habe mir im Kino den ,Joker’ angeschaut, einmal bin ich shoppen gegangen und habe mich mit Konzertkleidern eingedeckt. Und manchmal sitzt man einfach zu Hause und schaut fern“, sagt die 43-Jährige, um dann fast stolz hinzuzufügen: „Wenn ich etwas auswendig lerne, sticke ich gern parallel dazu Kissen oder Tischdecken. Jetzt bin ich gerade an einer mit Elfenfiguren, eine Decke, die auch zu Weihnachten aufgedeckt wird.“

Der Name Elina Garanca wurde eine Zeit lang in einem Atemzug mit dem von Anna Netrebko genannt. Ein Mezzo und ein Sopran, die Opernwelt überschlug sich mit Superlativen. Begonnen hatte die 1976 in Lettland geborene und von ihrer eigenen Mutter ausgebildete Garanca ihre Laufbahn in Meiningen, in der thüringischen Provinz, dort, wo übrigens auch Philharmoniker-Chefdirigent Kirill Petrenko seine ersten Erfahrungen sammelte. Die Mezzosopranistin hatte mit 27 Jahren ihren internationalen Durchbruch bei den Salzburger Festspielen in „La clemenza di Tito“.

Elina Garanca setzte nach der Geburt der Kinder eine Weile aus

Mit der Mozart-Rolle war sie 2007 auch an der Staatsoper in Berlin zu erleben, später sang sie vor allem in der Deutschen Oper. „Dann kamen die beiden Kinder, und ich habe eine Weile ausgesetzt“, sagt sie: „Es dauert einige Zeit, bis man sich sicher ist, dass die Stimme wieder auf dem Niveau ist. Man muss sich fit machen. Parallel habe ich an meinem neuen Repertoire gearbeitet. Jetzt bin ich wieder in der Staatsoper.“ Die von Daniel Barenboim geleitete Premiere von „Samson et Dalila“ am Sonntag ist ihre Rückkehr ans Haus.

Aus Barenboims Geburtsstadt Buenos Aires stammt auch der Regisseur Damián Szifron. Der Operndebütant erzählt die alttestamentarische Geschichte vom Freiheitskampf der Hebräer gegen die Philister, vom unbesiegbaren Samson, der durch die schöne Dalila verwundbar wird. „Ich mag den Regisseur sehr gern“, sagt Elina Garanca. „Er kommt aus der Kinowelt, und sein Zugang zur Personenführung ist bei der Oper anders, als man es traditionell machen würde. Er findet, dass eine wahre Liebesgeschichte drinsteckt. Es macht einfach Spaß, das zu spielen.“

Körperliche Grenzen bei den Proben für „Samson und Dalila“ an der Staatsoper

Wenn Dalila nur das Ziel hätte, fügt sie hinzu, Samson zu vernichten, dann wäre es doch ein langweiliger Charakter. An der Probenarbeit schätzt die Sängerin das Feilen an vielen Details. „Ich mag dieses Multitasking. Obwohl ich dabei manchmal an meine körperlichen Grenzen stoße. Ich finde es cool, sonst ist es immer das Gleiche.“

Mezzosoprane singen traditionell auch die Hosenrollen. Elina Garanca war berühmt für ihren Octavian in Richard Strauss‘ „Rosenkavalier“. „Ich habe diese ganzen Partien abgelegt, weil ich mich dafür nicht mehr jungenhaft genug fühle.“ Den Octavian habe sie nach 17 Jahren und zwei Monaten – das ist genau das Alter von Octavian im Stück – aufgegeben und ihn keinen Tag lang vermisst. „Ich will auch keinen Busenquetscher mehr anhaben oder auf einem Bett hüpfen müssen.“ Jeder Mezzo wird irgendwann erwachsen.

Elina Garanca: Amneris in Verdis „Aida“ als künftiger Mount Everest

„Ich brauche immer etwas Neues“, sagt sie. „Bei der Carmen hatte ich meinen Höhepunkt in der Rolle an der New Yorker Met erreicht. Alles, was darauf folgte, selbst wenn es anders angelegt war, habe ich mir selber nachgemacht. Ab und zu singe ich sie noch, aber ich frage mich selbst, womit kann ich die Leute in dieser Partie noch überraschen.“

Als ihren künftigen Mount Everest bezeichnet die Sängerin die Amneris in Verdis „Aida“. Damit debütiert sie im nächsten April auf Gran Canaria, wo ihr Ehemann Karel Mark Chichon Chefdirigent ist. Ein Jahr später folgt eine Produktion in Paris. „Und mir steht die Kundry bevor, mein Wagner-Debüt ist 2021 in Wien geplant.“

Firma managt Instagram und Facebook von Elina Garanca

Jenseits der Hochleistungsrollen im Opernbetrieb ist Elina Garanca eine der populärsten Sängerinnen. Sie selbst wischt das beiseite. „Weil ich kein Instagram- oder Facebook-Typ bin, finde ich es oft mühsam. Mein Instagram und Facebook wird von einer Firma gestaltet. Wenn sie nachfragt, schicke ich mal ein Foto hin, und sie stellen das rein. Es täglich selber zu machen, ist mir lästig.“