Wilhelm und Alexander

Die Brüder Humboldt auf einen Blick

Französische Revolution und Wiener Kongress: Das waren die wichtigsten Stationen im Leben von Alexander und Wilhelm von Humboldt.

Die Brüder Humboldt:  Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt  (1767–1835, l.) und  Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769–1859, r.)

Die Brüder Humboldt: Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt (1767–1835, l.) und Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769–1859, r.)

Foto: dpa

Berlin. Alexander von Humboldt wurde vor 250 Jahren, am 14. September 1769, in Berlin geboren. Wie sein älterer Bruder Wilhelm war er das Kind des preußischen Offiziers Alexander Georg von Humboldt, Kammerherr der Prinzessin von Preußen, und Marie-Elisabeth von Humboldt (geborene Colomb, verwitwete von Holwede), die aus einer wohlhabenden Familie mit zum Teil hugenottischen Wurzeln stammte. Sie war es, die das Schloss Tegel und das Berliner Stadthaus in die Ehe einbrachte.

Aus den Verbindungen des Vaters ergab sich eine Nähe zum preußischen Königshaus. Der seinerzeitige Kronprinz der Hohenzollern, der spätere König Friedrich Wilhelm II., war der Taufpate Alexanders, der zusammen mit seinem Bruder auf Schloss Tegel von Hauslehrern wie Joachim Heinrich Campe und Gottlob Johann Christian Kunth erzogen und ausgebildet wurde. Wegen seines besonderen Interesses an an Tieren, Steinen und Pflanzen nannte man Alexander bald den „kleinen Apotheker“. Der Vater starb 1779.

Nach dem Studium der Kameralwissenschaften (kombiniert mit vielen weiteren Disziplinen) wandte sich Alexander zunächst im Staatsdienst dem Bergbau zu und modernisierte die Abbauverfahren. Er war dabei auch mit chemischen und botanischen Untersuchungen beschäftigt. Zugleich bereitete er seine große Forschungsreise nach Amerika vor, die er zwischen 1799 und 1804 absolvierte. Nach Europa zurückgekehrt, lebte Alexander von Humboldt zunächst in Paris und kehrte dann nach Berlin zurück. Er verfasste ein mehr als 30-bändiges Werk über seine Forschungsreise. Im Jahr 1829 brach er nach Russland auf, um für das russische Finanzministeriums die Silberminen zu untersuchen. 1830 kehrte er wieder nach Berlin zurück, publizierte weiter unablässig und pflegte sein weit ausgedehntes Beziehungsnetz. Er starb am 6. Mai 1859 in Berlin.

Literatur: Rüdiger Schaper „Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten“, Siedler, 288 Seiten, 20 Euro.

Der am 22. Juni 1767 in Potsdam geborene Wilhelm von Humboldt steht in der öffentlichen Wahrnehmung oft im Schatten seines jüngeren Bruders Alexander – was umso mehr irritiert, je näher man sich mit ihm beschäftigt. Für sein Studium der Rechtswissenschaften war er zunächst an der Brandenburgischen Universität Frankfurt eingeschrieben, die er aber bereits nach einem Semester wieder verließ, um es in Göttingen fortzusetzen – ergänzt um Studien in Geschichte, Philosophie und Alten Sprachen. Er unternahm Studienreisen unter anderem ins revolutionäre Paris und in die Schweiz, begegnete in Weimar Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe und vertiefte seine Kenntnisse der Antike und der hellenistischen Kultur.

Im Jahr 1791 heiratete Caroline von Dacheröden, die er drei Jahre zuvor kennengelernt hatte und mit der er mehrere Kinder hatte. In den Jahren zwischen 1797 und 1808 hielt er sich viel in Paris auf, bevor sich für ihn und seine Familie im Frühjahr 1802 die Chance eröffnete, den Posten des preußischen Gesandten beim Heiligen Stuhl in Rom anzunehmen. Sein Anwesen unweit der Spanischen Treppe entwickelte sich zum gefragten Treffpunkt der bürgerlichen Gesellschaft Roms.

Der Staatsmann Humboldt wirkte 1815 auf dem Wiener Kongress an der Neuordnung Europas mit. Für seine umfangreichen preußischen Reformen übergab der Freiherr vom Stein Wilhelm von Humboldt die „Sektion des Kultus und des öffentlichen Unterrichts“. Humboldt nutzte die Rolle, um ein dreistufiges Unterrichtssystem einzuführen, bestehend aus Elementar-, Schul- und Universitätsunterricht, deren jeweilige Aufgaben er genau beschrieb. Die Gründung der Berliner Universität, die im die am 10. Oktober 1810 ihren Lehrbetrieb aufnahm, ging maßgeblich auf den großen Bildungsreformer zurück. Er starb am 8. April 1835 in Tegel.

Literatur: Michael Maurer „Wilhelm von Humboldt. Ein Leben als Werk“, Böhlau, 280 Seiten, 25 Euro.