Glückwunsch

Nana Mouskouri wird 85: Für sie soll’s weiße Rosen regnen

Nur die Brille zählt: Sie ist die Stimme Griechenlands – und wurde über Berlin zum Weltstar. Am 13. Oktober wird Nana Mouskouri 85.

Das Alter kann ihr nichts anhaben: Die griechische Sängerin Nana Mouskouri.

Das Alter kann ihr nichts anhaben: Die griechische Sängerin Nana Mouskouri.

Foto: Markus Scholz / dpa

Ihr Outfit ist immer das gleiche. Schwarze Brille, lange schwarze Haare. Dazu in schönem Kontrast ein helles, ebenfalls langes Gewand. Für Stylisten ist Nana Mouskouri ein Graus: weil sie bei ihr nichts zu tun haben.

Schon die Brille: Gefühlt trägt sie immer dasselbe Gestell – auch wenn sie gern erzählt, dass sie davon 100 Modelle hat. Aber das schwarze Horn blieb, allen Moden zum Trotz. Parodisten dürften sie hingegen lieben, weil sie so einfach zu imitieren ist. Schwarze Brille, weiße Rosen – und bei jedem klingelt der Groschen.

Wenn du dreimal pfeifst

Sie hatte viele Hits. Wie „Aber die Liebe bleibt“ oder „Guten Morgen, Sonnenschein“. Aber „Weiße Rosen aus Athen“ ist ihr Evergreen. Den singt sie schon seit 1961. Ein ewiges Sehnsuchtslied, eine ewige Griechenlandwerbung: „Weiße Rosen aus Athen / Sagen dir komm recht bald wieder / Sagen dir auf Wiederseh’n“. ­Dabei hieß das Lied ursprünglich „San Sfyrixis Tris Fores“, eine Volksliedadaption. Das heißt übersetzt „Wenn du dreimal pfeifst“. Und hat rein gar nichts mit weißen Rosen zu tun.

Zur deutschen Version kam es durch Berlin. Auf der Berlinale 1961 lief Wolfgang Müller-Sehns Dokumentarfilm „Traumland der Sehnsucht“ und gewann einen Silbernen Bären. Darin sang sie mehrere Lieder, unter anderem „San Sfyrixis“. Und die findige Plattenfirma Fontana Records ließ sogleich eine deutschsprachige Version produzieren, für die der Autor Hans Bradtke einen komplett anderen Text erfand.

In die Herzen der Deutschen gesungen

Berlin hat der 27-Jährigen Glück gebracht: ein Grund vielleicht, warum sie heute noch Berlin nach Athen und Paris ihre Lieblingsstadt nennt. In Deutschland war die Sängerin damals noch unbekannt. Mit den „Weißen Rosen“ aber hat sie sich in die deutschen Herzen gesungen. Und die bleiben der Schlagersängerin treu. Bis heute.

Dabei ist das alles eigentlich ein Missverständnis. Eigentlich war die 1934 auf Kreta geborene Frau ja Jazzsängerin. Weil sie Jazz sang, ist sie vom Athener Konservatorium geflogen. Ihre Vorbilder waren Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Und als „Weiße Rosen“ in Deutschland zum Hit wurde, nahm sie in den USA mit Quincy Jones ein Jazz-Album auf. Und bald auch eines mit Harry Belafonte.

Im Herzen eine Jazz-Sängerin

Bitter aber: Überall auf der Welt feierte sie Erfolge, nur in den USA, der Heimat des Jazz, konnte sie nie recht reüssierten. Und doch ist Nana Mouskouri nichts weniger als ein Weltstar. Sie hat in zahlreichen Sprachen gesungen, hat über 300 Goldene, Platin- und Diamantene Schallplatten bekommen. Und weltweit, wie der Weltverband der Phonoindustrie vor vier Jahren nachzählte, 300 Millionen Tonträger verkauft.

Womit sie weltweit die erfolgreichste Sängerin ist – nach Madonna. Man möchte sich die beiden einmal zusammen auf einer Bühne vorstellen: die schrille Madonna, die mit jedem Album ihr Outfit, ihre Marke ändert. Und die bescheidene Mouskouri, die sich seit sechs Jahrzehnten treu bleibt. Und einfach sie selbst ist.

Für die Griechen war sie lange (so lautete denn auch der Originaltitel ihrer Memoiren) „Die Tochter der Fledermaus“ – weil ihr Vater sich die Nächte in Spielcasinos um die Ohren schlug. Längst aber ist sie „die Stimme Griechenlands“.

Kurzer Ausflug in die Politik

Und hat damit eine andere große Griechin vom Thron gestoßen: ihre Freundin Melina Mercouri, die ihr einst einen anderen Welthit „Ein Schiff wird kommen“ abgeluchst hat.

Wie die Mercouri hat auch die Mouskouri gegen die griechische Militärdiktatur opponiert. Und auch sie hat sich politisch engagiert. Von 1994 bis 1999 ließ sie sich für die konservative Nea Dimokratia zur Europa-Abgeordneten wählen, zog sich dann aber enttäuscht zurück, weil es dort nur um Parteiinteressen gegangen sei.

Die jüngste Tour hieß „Forever Young“

Von der Musik hat sie dagegen nie gelassen. Sie zog zwar vier Jahre lang bis 2008 mit einer Abschiedstournee durch die ganze Welt. Aber schon drei Jahre später ging sie, zum 50-Jährigen der „Weißen Rosen aus Athen“, wieder auf Tournee. Und zuletzt im vergangenen Jahr mit dem bezeichnenden Programm „Forever Young“.

Heute wird Nana Mouskouri 85 Jahre alt. Für sie soll’s weiße Rosen regnen. Und drei mal drauf gepfiffen!