Film-Installation

Stadtbilder von hüben, von drüben und von oben

Zum 30-Jährigen des Mauerfalls ist im Renzo Piano Atrium Tower sechs Wochen lang die Filminstallation „Berlin-Berlin-Passagen“ zu sehen

Die blaue Box verliert sich ein wenig in dem riesigen Atrium. Aber ein Besuch lohnt sich dennoch.

Die blaue Box verliert sich ein wenig in dem riesigen Atrium. Aber ein Besuch lohnt sich dennoch.

Foto: Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Über die Architektur des Renzo Piano Atrium Towers kann man ruhig streiten. Die einen schwärmen von ihm als einem magischen Ort, der Kirchenschiffen nachempfunden ist. Die anderen halten ihn für zu steril, zu leer, zu hoch, so dass Menschen sich darin verlieren. Die meisten aber werden das Gebäude am Potsdamer Platz von innen gar nicht kennen. Es ist ja hauptsächlich ein Bürogebäude.

Aber das soll sich ändern. Das CLB Berlin, ein unabhängiger Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst, Kulturwissenschaft und Urbanismus, der sonst im Aufbau Haus am Moritzplatz zu finden ist, hat sich dafür mit dem Potsdamer Platz zusammen geschlossen, um den urbanen Raum auch als Kultur-Ort zu etablieren. Zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls im November wurde dafür – just an diesem Platz, der zu Mauerzeiten eine einzige öde Brache war – eine Filmbox aufgestellt, in der nun die Filminstallation „Berlin-Berlin-Passagen“ zu sehen ist, eine „filmische Zeitreise zwischen Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart“.

Tilda Swinton radelt die Mauer ab

Tritt man in die riesige Halle, ist man erst einmal enttäuscht. Die Box ist doch arg klein, fast müsste man sie suchen, würde sie einem nicht knallblau ins Auge springen. Und wenn sich nur wenige Zuschauer vor ihr verlieren, ist der Blick schon ein wenig verstellt.

Einen Ort, an dem man Kunst und Kultur entdecken kann, wie CLB-Kurator Sven Sappelt das bei der Vernissage verkündete, stellt man sich doch anders vor. Größer. Beeindruckender. Einladender. Der Blick in die Kantine nebenan lenkt auch ab.

Ein Helikopter fliegt über den Todesstreifen

Aber es lohnt sich doch, vor der schlichten Box zu verweilen. Dort laufen nämlich Filme, die sich von 1981 bis 2009 auf ganz unterschiedliche Art mit der Stadt und ihrer Teilung auseinandergesetzt haben. Da ist etwa Cynthia Beatts Essayfilm „Cycling the frame“, in dem Tilda Swinton 1988 mit dem Fahrrad an der kompletten Berliner Mauer entlangradelt. Ulrike Ottinger hat ihre Berlin-Trilogie aus den 80er-Jahren mit ihren Stadtlandschaften zusammengeschnitten.

Es gibt auch den Blick des Ostens, wenn Thomas Werner in „Guten Tag, Berlin“ (1987) mit einer Stadtführung durch die Hauptstadt der DDR führt. Und es gibt den Blick nach der Vereinigung, wenn Burkhard von Harder in „Die Narbe“ (2009) den ehemaligen Todesstreifen zwischen den beiden Deutschlanden mit einem Helikopter abfliegt und abfilmt. Sechs Wochen lang laufen diese Werke nun bei freiem Eintritt in einem Dauer-Loop in der Box.

Auch die neue Berlinale-Chefin schaut vorbei

Zur Eröffnung kam auch Mariette Rissenbeek, neben Carlo Chatrian die neue Chefin der Berlinale, deren Büros ja auch am Potsdamer Platz liegen. Während des Festivals dient der Atrium Tower sogar auch als Anlaufstelle für Akkreditierten. Also schaute die Nachbarin mal kurz vorbei.

Wie die künftige Berlinale aussehen wird, darüber hielt sie sich bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt indes so vage wie sonst. An den Mauerfall kann sie sich dagegen genau erinnern. Sie lebte schon damals in Berlin, erlebte diese bewegenden Tage aber als Niederländerin mit dem Blick von außen.

Renzo Piano Atrium Tower, Eichhornstr. 3, Mitte. Tägl. 12 bis 20 Uhr. Bis 15. September. Eintritt frei