Neu im Kino

Raus aus der Allianz: „X-Men: Dark Phoenix“

Bisher traten die X-Men als Team auf. Das droht nun zu zersplittern. Dabei wird „Dark Phoenix“ auch zur Reflexion über den Brexit.

Eine außerirdische Mutantin (Jessica Chastain, r.) ist hinter Jean Grey (Sophie Turner) her.

Eine außerirdische Mutantin (Jessica Chastain, r.) ist hinter Jean Grey (Sophie Turner) her.

Foto: 20th Century Fox

Über das Duell, wer die zugkräftigeren Superhelden sind, die „Avengers“ aus dem Hause Marvel oder die Bat-, Super- und Aqua-Men aus dem Hause DC, sind die „X-Men“ ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei haben sie – die ebenfalls aus dem Hause Marvel stammen, aber noch von der 20th Century Fox verfilmt worden, bevor Marvel selbst ein Filmstudio gründeten – die Comic-Filmwelle doch eigentlich erst begründet.

Und sie haben schon das hinter sich, was die Avengers vermutlich bald vor sich haben: ein kompletter Austausch durch jüngere Schauspieler. Merke: Auch vor Superhelden macht das Alter nicht Halt.

Hier geht es zum Trailer zum Film

„X-Men: Dark Phoenix“ ist bereits der vierte Film der jüngeren Garde (und der zwölfte insgesamt). Und man muss, wie so oft in der Comic-Welt, die früheren Teile auch wieder vergessen können. Weil Hugh Jackman als Wolverine der Einzige war, der sowohl bei den älteren als auch bei den jüngeren Filmen mitwirkte, jetzt aber ausgestiegen ist und nun einfach fehlt. Ohne dass das erklärt würde.

Und dann erfährt die mit telekinetischen Kräften bestückte die Figur von Jean Grey alias Phoenix, die einst von Famke Janssen gespielt wurde und nun von „Game of Thrones“-Star Sophie Turner, eine Schicksalswendung, die „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2003) krass widerspricht.

In „Dark Phoenix“ brechen die X Men gar ins All auf, um Astronauten in Not zu retten. Dabei wird Phoenix von einer komischen Materie befallen. Plötzlich hat sie Wutanfälle und Superkräfte, die sie nicht mehr kontrollieren kann und sie zu einem dunkleren Ich verwandeln, der titelgebenden Dark Phoenix.

Eine Mutantin, die wie Boris Johnson aussieht

Als solche wird sie zur Gefahr für das gesamte Team und tötet versehentlich auch einen der großen Stars der Reihe (wer, soll nicht verraten werden). Die X Men sind aus dem Häuschen, die einen wollen sie besänftigen, die anderen wollen den Tod retten. Und da ist dann noch eine anämische Dame mit schlohweißem Haar (Jessica Chastain), eine außerirdische Mutantin, die ebenfalls hinter Greys extraterrestrischen Supermächten her ist.

Bislang traten die X Men immer als Team auf. Der neue Film dagegen gehört ganz Jean Grey. Weshalb auch schon mal der Satz fällt, warum die Truppe eigentlich noch „X Men“ heißt und nicht „X Women“. „Dark Phoenix“ ist, nach „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“, in der Tat erst der dritte Comic-Film, in der eine Superheldin die Hauptrolle spielt.

Mehr zum Thema: ein Porträt von Sophie Turner

Neben den üblichen Action-Spektakeln und Showdowns werden hier aber ganz essenzielle Konflikte verhandelt: wie man damit umgeht, wenn jemand aus dem Team ausschert und seine Persönlichkeit ändert.

Demnächst ein Team mit den Avengers?

Die Filmemacher haben dabei an Menschen gedacht, die an einer Identitätsstörung oder Geisteskrankheit leiden. Man kann freilich auch eine ganz andere Parallele ziehen: der divergente X-Men-Verein als EU und Dark Phoenix als Fleisch gewordener Brexit. Wozu dann ja auch die Boris-Johnsohn-hafte Erscheinung von Jessica Chastain bestens passen würde.

Die 20th Century Fox ist bekanntlich von Disney aufgekauft worden, ebenso wie das Marvel-Studio. Einer anderen Vereinigung stünde damit eigentlich nichts im Wege: die X Men als Teil der Avengers. Aber das ist eine andere Geschichte.

Science-Fiction USA 2019 114 min., von Simon Kinberg, mit Sophie Turner, James McAvoy, Michael Fassbender, Jessica Chastain, Jennifer Lawrence