Sophie Turner: Auf dem Sprung zum Superstar

Gerade noch spielte sie in „Game of Thrones“ mit. Jetzt bringt Sophie Turner die Comic-Welt in „X Men: Dark Phoenix“ durcheinander

Für sie läuft es derzeit richtig rund: Die britische Schauspielerin Sophie Turner bei ihrer Stippvisite in Berlin.

Für sie läuft es derzeit richtig rund: Die britische Schauspielerin Sophie Turner bei ihrer Stippvisite in Berlin.

Foto: Foto: 20th Century Fox

Verrückte Welt. Als am Montag vergangener Woche die allerletzte Folge von „Game of Thrones“ herauskam, wollte die ganze Welt wissen, wie die Kultserie zu Ende ging. Sophie Turner, die dort die Sansa Stark spielte, eine der wenigen Figuren, die auch die letzte Folge überlebte, war da gerade in Berlin. Aber nicht etwa, um bei einem Public Viewing dem Finale beizuwohnen. Sie war hier, um schon ihr nächstes Werk zu promoten: den neuen „X Men“-Film „Dark Phoenix“, der am 6. Juni in die Kinos kommt.

Das war vielleicht ganz heilsam. The Show must go on, ist das Motto ihrer Branche. Dass sich die 23-Jährige indes jegliche Frage über die Serie verbittet – was doch, gerade an diesem Tage, schon berechtigt wäre – , lässt vermuten, dass die Britin den Rummel um die Serie ein bisschen leid ist. Am Ende gab es ja sogar ein paar Misstöne.

Weil Sophie Turner ihrem Verlobten, dem US-Sänger Joe Jonas, und ein paar Freunden das Ende der Serie verraten hatte, was doch eigentlich streng geheim bleiben sollte. Dass sie sich verplappert hatte, hätte sogar gerichtliche Folgen haben können. Jonas musste vertraglich Stillschweigen zusichern.

Erst die dritte Power-Frau im Superhelden-Kino

Obendrein schwante nicht nur Sophie Turner, sondern auch anderen „GoT“-Beteiligten, dass nicht jedem Fan das Ende gefallen würde. Wiewohl die weltweit riesige Enttäuschung darüber so nicht absehbar war.

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Da ist es jedenfalls gut, wenn man schon seine nächste Produktion am Start hat. Und „X Men: Dark Phoenix“ ist ja auch nicht irgendwas. In der Superhelden-Saga um die Menschen mit den besonderen Fähigkeiten, in der sie zum zweiten Mal mitwirkt, dreht sich diesmal alles um ihre Figur Jean Grey alias Phoenix.

Von der nimmt eine fremde Macht aus dem All Besitz, so dass Phoenix zu einer dunklen Version ihrer selbst mutiert und die ganzen X-Men gegen sich aufbringt. Während die Reihe sonst ein betontes Teamplay ist, wirken alle anderen Topstars plötzlich wie Nebendarsteller. Alles dreht sich um Sophie Turner.

Ein Plüschteddy als Talisman

Was im Superhelden-Kino auch nicht eben die Regel ist. „Dark Phoenix“ ist nach „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“ erst der dritte Comic-Film mit einer Frau im Mittelpunkt. Einmal wird da sogar die Frage gestellt, warum das Ganze überhaupt noch „X Men“ heißt und nicht „X Women“.

Zum Gespräch im SoHo House bringt Sophie Turner einen kleinen Plüschteddy mit, mit Herzchen drauf. „Ein bisschen emotionales Unterstützungsspielzeug“, meint sie und lacht: „Ich bin ein Kind.“ Eben nicht. Bei „Game of Thrones“ konnte man ihr über acht Staffeln beim Erwachsenwerden zuschauen. Und wie sie einem nun gegenüber sitzt, wirkt sie weit reifer als 23. Der Glücksteddy ist wirklich nicht nötig. Es ist ihr Jahr. Erst die letzte Staffel „GoT“, dann hat sie gerade erst geheiratet. Und nun gleich ein Blockbuster im Kino.

Sophie Turner ist sichtlich stolz darauf. Nicht nur, in „Dark Phoenix“ mitzuwirken, sondern an diesem ganzen Wandel in der Branche teilzuhaben. „Als ich groß wurde“, erinnert sie sich, „gab es im Superheldenkino nur weiße Männer“. Mädchen oder Heranwachsende anderer Ethnien hatten überhaupt keine Identifikationsfiguren. Jetzt dagegen ist eine ungeahnte Diversität zu erleben. Darum beneidet sie das junge Publikum von heute.

Sie hat sich alles bei großen Kollegen abgeguckt

„Bei dieser Evolution auch nur ein winziger Teil sein zu dürfen, ist einfach großartig“, sagt sie mit typisch britischer Bescheidenheit. Statistisch war ja längt belegt, dass das Publikum mehr Frauen in Hauptrollen sehen wolle. Aber nun hätten das auch die Entscheider in den Studios verstanden.

Als sie 2016 ihren ersten „X Men“-Film „Apocalypse“ drehte, meinte sie noch, das große Los gezogen zu haben. Sie musste sich manchmal zwicken, weil sie kaum glauben konnte, dass sie mit all den Stars spielen durfte, obwohl sie bis dahin kaum mehr als „diese Serie“ gemacht hatte.

An dieser Stelle verrät sie nun doch selbst etwas über „Game of Thrones“: Als dort 2010 die erste Staffel gedreht wurde, war sie noch sehr jung. „Und eine wirklich, wirklich schlechte Schauspielerin“, wie sie betont. Die beste Art, wie man ihren Beruf lerne, sei, den Kollegen zuzuschauen. Und das hat sie getan. Alles, was sie kann, gesteht sie, habe sie sich abgeguckt.

„Game of Thrones“ war Fantasy, „X Men“ ist Science-Fiction. Bei der Frage, wo sie selbst die Zukunft sehe, in den Serien, die derzeit alle zuhause streamen, oder bei Filmen im Kino, macht sie sich indes keine Illusion. „Es ist traurig, aber ich fürchte, das Streamen wird an erster Stelle stehen. Kinos werden nicht mehr lange existieren.“

Dort werde man bald nur noch Blockbuster zeigen wie eben die Comicfilme. Aber kleinere Produktionen werden wohl nur noch über Netflix oder ähnliche Kanäle funktionieren. Was die Schauspielerin natürlich bedauert: „Denn es ist Magie, Filme auf der großen Leinwand zu sehen. Dafür werden sie gemacht.“

Die größte Heldin: eine allein erziehende Mutter

Zum Schluss kommt noch eine Frage, die sie natürlich oft hört in letzter Zeit. Wenn sie selbst telekinetische Superkräfte hätte wie ihre Phoenix im Film, was würde sie damit tun? Es gäbe vieles, was sie wütend macht, antwortet sie. Donald Trump etwa. Der Brexit. Oder der Klimawandel und all die Regierenden, die nichts daran ändern würden. Wenn sie selbst solche Kräfte hätte, „dann würde ich jedem die Macht zu Empathie und Mitgefühl verleihen.“ Damit sich endlich was ändere.

Superhelden sind für sie sowieso keine Übermenschen in hautengen Anzügen. Die größte Heldin ist für sie die Mutter ihrer besten Freundin, die nach dem Tod ihres Mannes ihre Tochter ganz allein großgezogen hat. Sophie Turner, so zeigt es sich, hat nicht nur bei Dreharbeiten viel gelernt. Sie ist auch sonst wesentlich weiter als so manche(r) Gleichaltrige.