Filmfestival

August Diehl muss in Cannes für Terrence Malick herhalten

Auf dem Filmfestival präsentierte der Berliner Schauspieler das neue Werk des Kultregisseurs. Wahrend der mal wieder unsichtbar blieb.

Valerie Pachner und August Diehl bei der Präsentation von „A Hidden Life“ am Montag auf dem Filmfestival

Valerie Pachner und August Diehl bei der Präsentation von „A Hidden Life“ am Montag auf dem Filmfestival

Foto: Zhang Cheng / dpa

Auf die erstaunte Frage, warum Terrence Malick denn eigentlich nicht anwesend sei, folgte in der Cannes-Pressekonferenz kurzes Gelächter. Der US-Filmemacher ist für die Öffentlichkeit schließlich immer ein Unsichtbarer. Erwartungsgemäß blieb er auf den Filmfestspielen nicht nur der umjubelten Weltpremiere seines lange erwarteten Werks „A Hidden Life“ fern – seinem ersten Film im Wettbewerb, seit er 2011 für „The Tree of Life“ die Goldene Palme gewann.

Auch in der Pressekonferenz schickte er sein Hauptdarstellerpaar ins Rampenlicht: den deutschen Schauspieler August Diehl und die Österreicherin Valerie Pachner.

Ein Ensemble, das überwiegend aus Deutschen besteht

Sie gehören zu einem Ensemble, das zu großen Teilen aus deutschsprachigen Darstellern besteht, obwohl doch überwiegend auf Englisch gedreht wurde: Tobias Moretti, Alexander Fehling, Ulrich Mathes und Franz Rogowski sind dabei – und Bruno Ganz in einer seiner letzten kleinen Rollen.

Im Zentrum aber steht Diehl als Franz Jägerstätter, ein Bauer aus dem österreichischen Bergdorf Radegund, der mit seiner Frau Franziska (Pachner) und seinen Kindern in den 30er-Jahren einen Hof führt. Als er von den Nationalsozialisten zum Militär eingezogen wird, weigert er sich aus Überzeugung, den Dienst anzutreten. Er sagt beharrlich „Nein“ – mit entsprechend verheerenden Konsequenzen.

Ein spiritueller, sehr persönlicher Film

Die Frau bleibt mit der harten Arbeit auf dem Hof sich selbst überlassen und wird von der Dorfgemeinschaft gemieden. Derweil muss Jägerstätter in Berlin ins Gefängnis, wo er letztlich wegen „Wehrkraftzersetzung“ zu Tode verurteilt und hingerichtet wird. „Es ist ein Film über eine private und stille Entscheidung, sehr persönlich und spirituell – er ist nicht so sichtbar wie ein Held“, erklärte Diehl in Cannes.

Mehr zum Thema: Das Programm im Überblick

In „A Hidden Life“ arbeitet Malick die wahre Geschichte auf unverkennbare Weise auf. Der Film ist eine bildstarke, sinnliche Komposition aus naturromantischen Panoramen, intimen Nahaufnahmen und verzerrten Weitwinkelbildern, in die Voiceover-Gedanken hineinströmen wie auch wieder und wieder das Licht der Sonne.

Die Dreharbeiten dazu verliefen – bereits vor drei Jahren – anders als sonst auf Filmsets üblich. „Wir haben nicht eine Szene nach der anderen gedreht, sondern auch mit langen Takes viel improvisiert“, erzählte Pachner auf der Pressekonferenz. Meist ging es darum, den richtigen Moment einzufangen.

Diesmal ohne Manierismus

Sicherlich ist der dreistündige Film nicht nur eine gute halbe Stunde zu lang. Und man kann mit der Glaubensgetragenheit fremdeln. Doch nachdem Terrence Malicks assoziative Filmgedankenströme wie „Knight of Cups“ oder „To the Wonder“ mitunter ins Prätentiöse glitten und sein markanter Stil in den Manierismus, hat er seine Inszenierung diesmal mit einer klaren Erzählung gezähmt.

Das ist zugänglicher als zuvor und nimmt einen über weite Strecken intensiv für sich ein: ein wuchtiges Meisterwerk mit erhöhter Palmen-Chance, das mit unverkennbarer lyrischer Sensibilität das Grauen dem Grundguten, die Tragik der Liebe und Naturerhabenheit gegenüberstellt. „Er (Malick) lud uns auf eine Suche ein, aber nicht nach Antworten, sondern zu Fragen“, erklärte Diehl.

Und diese Fragen sind einmal mehr bei Malick die großen Fragen der menschlichen Existenz, wobei die Geschehnisse ihren klaren Widerhall im Hier und Jetzt finden, wo der Rechtspopulismus weltweit mehr Zulauf findet.