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„Game of Thrones“: Ein Finale, das viele unzufrieden lässt

Am 20. Mai um drei Uhr in der Früh startete die definitiv letzte Folge der Kultserie „Game of Thrones“. Und entzweite die Fangemeinde.

Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in der letzten Folge der Serie.

Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in der letzten Folge der Serie.

Foto: dpa

Verkehrte Welt: Am gestrigen Montag war Sophie Turner aus „Game of Thrones“, in Berlin - just an dem Tag, ab dem weltweit die 73. und definitiv letzte Folge der Kultserie gestreamt werden konnte. Aber sie war nicht etwa hier, um ein Special Screening des Finales zu besuchen. Sondern um ihren nächsten Kinofilm „X Men: Dark Phoenix“ zu promoten, in dem sie die Hauptrolle spielt. Das Leben geht weiter nach dem Thronspiel. Das lebt uns einer der Serienstars schon mal vor.

Der Rest der Welt indes ist aus dem Häuschen. Viel ist auf Fansites und in sozialen Medien spekuliert worden, wie das Fantasy-Epos aus dem Hause HBO wohl enden würde. Und die Serien-Macher haben die hohen Erwartungen insofern erfüllt, als sie, wie schon so oft, alles anders gemacht haben, als gedacht.

Ein Kräftemessen zwei Frauen

Wer müssen hier ein wenig spoilern. Und wer die finale Folge mit dem erwartbaren Titel „Der Eiserne Thron“ noch nicht, wie die Hardcorefans, schon zu nachtschlafender Zeit um drei Uhr in der Früh gesehen hat, sollte diesen Absatz besser überspringen. Dass ein paar Lieblingsfiguren auf der Strecke bleiben würden, war abzusehen, das war ja sogar ein Markenzeichen der Serie von Anfang an.

Doch die achte Staffel war vor allem ein Kräftemessen zweier Frauen um die sieben Königslande. Dass am Ende gar nicht alle sieben Lande vereint werden, mag man noch hinnehmen. Dass aber keine der Damen auf dem Thron sitzt, das schmerzt schon. Immerhin war auch das ein Gütesiegel der Serie, die so schnell zum Kult avancierte: dass sie trotz der zahllosen Schlachten und Kriegerheere vor allem von starken Frauenfiguren lebte. Und das schon vor der MeToo-Debatte. Dass zuletzt aber ein Mann, fast möchte man sagen: ein Jungchen, zur Macht kommt, wirkt wie ein Bruch und spaltet die Fans grundlegend. So viel Feminismus darf dann doch nicht sein.

Serie musste eigenes Ende finden

Dass nicht jeder mit dem Ende zufrieden sein konnte, war den Machern indes von Anfang an klar. Und das ist ja überhaupt die Krux einer Serie, die über acht Jahre lief und die Fantasie der Fans beflügelte: Wie kann man so ein Epos überhaupt zu Ende bringen? Noch dazu, wo es zwar anfangs noch die Buchvorlagen von George R.R. Martin gab, dieser aber mit dem Schreiben seiner „Feuer und Eis“-Saga nicht mehr hinterherkam.

Die Serien-Schreiber mussten also ihr eigenes Ende finden. Und vielleicht ist es ja kein Zufall, dass Martin, immerhin schon 70 Jahre alt, 2011 das vorerst letzte Buch der Reihe veröffentlichte, die beiden noch ausstehenden Bände aber schuldig bleibt und lieber Vorgeschichten verfasst. Weil ihm selber schwant: Wie immer man die Sache zu Ende bringt, man wird immer einen Teil seiner Fangemeinde verprellen.

Erfolgreichste Serienproduktion aller Zeiten

Das geteilte Echo auf das Finale aber entzaubert auch ein Stück weit den grassierenden Hype um Serien. „Game of Thrones“ – liebevoll „GoT“ gekürzelt, was zumindest im Deutschen ein wenig blasphemisch klingt – ist schon jetzt die erfolgreichste Serienproduktion aller Zeiten, und mit ihr und nicht erst mit Netflix begann das globale Serienfieber und Bingewatching.

Der Erfolg der immens aufwändigen Produktion hat einen neuen Typus von Serien ermutigt, der sich von billigen Fernsehsoaps klar abhebt. Aber „GoT“ hat sich in in allzu viele Nebenhandlungen verloren, auch geflüchtet, wurde dafür zu Recht gescholten und findet nun nicht zu einem großen, überzeugenden Ende.

Das ist halt das Problem bei Serien: dass man nur von Staffel zu Staffel, also an Fortsetzung denkt. Die Hohe Kunst, ein Ende zu finden, widerspricht dem Format im Grundsatz. Vielleicht ist es deshalb irgendwann ja vorbei mit dem Serienhype: weil die Zuschauer wieder Gefallen finden könnten an Geschichten, die auch mal zu einem Ende finden.