Jahresvorschau

Deutsche Oper: Frank Castorf inszeniert Verdi

Eine spannende Spielzeit steht bevor: Die Deutsche Oper plant sechs Premieren, darunter den Neustart des Wagner-„Rings“ von Stefan Herheim.

Bei der Jahres-Pressekonferenz in der Deutschen Oper: Intendant Dietmar Schwarz (v.l.), Generalmusikdirektor Donald Runnicles und Regisseur Stefan Herheim

Bei der Jahres-Pressekonferenz in der Deutschen Oper: Intendant Dietmar Schwarz (v.l.), Generalmusikdirektor Donald Runnicles und Regisseur Stefan Herheim

Foto: Sergej Glanze

In der Deutschen Oper ist gerade alles auf Premiere eingestellt: Am Sonntag geht Alexander von Zemlinskys „Der Zwerg“ in der Regie von Tobias Kratzer erstmals über die Bühne. Am Pult steht Donald Runnicles. Der Generalmusikdirektor des Opernhauses saß jenseits der Proben am Donnerstag bei der Spielplan-Pressekonferenz im Parkettfoyer an der Seite von Intendant Dietmar Schwarz und dem Leitungsteam. Pressekonferenzen an der Deutschen Oper finden immer in ziemlich großer Runde statt, auch um zu dokumentieren, dass man sich als harmonisches Opernteam versteht. Diesmal wurde noch Regisseur Stefan Herheim hinzugerufen.

Der in Berlin lebende, aus Norwegen stammende Opernregisseur Herheim (49) wird in der kommenden Spielzeit mit dem „Rheingold“ den neuen Zyklus von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ eröffnen. Die Premiere soll am 12. Juni 2020 sein. Herheim ist an diesem Donnerstag zwar dabei, verrät aber ziemlich wenig über seine Inszenierungsidee. Er darf es vertraglich noch gar nicht. Intendant Dietmar Schwarz fragt ihn also nach den Impulsen des 21. Jahrhunderts. Herheim beschreibt wortreich den großpolitschen Alltag von Trump, über Brexit oder populistischen Kampfbegriffen. Wer Herheims mächtige Bilderfluten in seinen Inszenierungen kennt, ahnt, dass all das irgendwie eine Rolle spielen wird. Darüber hinaus ist er als Bühnenbildner geführt. Zumindest die Hälfte stamme von ihm, sagt Herheim. „Ich denke zu konkret den Menschen im Raum.“ Außerdem arbeite er gerne in Teams, „wo wir die Hierarchien aufheben“.

Donald Runnicles erklärt seine Nähe zum Göttervater Wotan

„Der Ring des Nibelungen“ ist an großen Opernhäusern Chefsache. Als Gastdirigent war Donald Runnicles vor zwölf Jahren nach Aufführungen von Götz Friedrichs Inszenierung vom Orchester der Deutschen Oper zum Chef erkoren worden. Der

„Ring“ war Runnicles Visitenkarte für Berlin, er dirigiert die Wagner-Tetralogie seit 30 Jahren. „Man braucht ein Leben, um alles in diesem Mythos zu verstehen“, sagt der gebürtige Schotte. Als Beispiel nimmt der 64-Jährige den Göttervater. Runnicles beschreibt das Heranreifen von Wotan im Zyklus und meint, er hätte in jeder seiner Lebensphasen etwas von sich darin entdeckt. Der „Ring“ soll November 2021 erstmals vollständig gezeigt werden.

Der zweite namhafte Regisseur der kommenden Spielzeit wird die Saison eröffnen: Volksbühnen-Legende Frank Castorf zeigt Verdis „La Forza del Destino“ (Die Macht des Schicksals), es wird sein Berliner Operndebüt sein. Dietmar Schwarz erinnert sich daran, wie er 1992 den gerade aufsteigenden Schauspielregisseur für die Oper gewinnen wollte und zu sich nach Nürnberg einlud. Aber Castorf sei die Oper damals zu spießig gewesen, so Schwarz. 1998 inszenierte er dann bei ihm am Theater Basel Verdis „Otello“. Im Programmbuch beschreibt jetzt Castorf das Kunstwerk Oper als „das letzte Refugium der Humanität“. Der Gesang vermittelt diese Kraft, so Castorf: „Ein Mensch, der singt, ist schon auf dem Weg in den Himmel.“ Aber auch Schuld und Rache hätten Rauschhaftes. Es sind also im besten Sinne haarsträubende Dinge zu erwarten.

Die Deutsche Oper führt 40 Stücke im Repertoire mit

Sechs große Premieren sind angekündigt und insgesamt führt die Deutsche Oper 40 Stücke im Spielplan vor. Es ist ein gewaltiges Angebot, überhaupt steht eine große Spielzeit bevor. Zum Auftakt am 4. und 7. September gibt es konzertante Aufführungen von Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ mit Anna Netrebko und ihrem Ehemann Yusif Eyvazov in den Paraderollen.

Weitere konzertante Aufführungen folgen mit Meyerbeers „Dinorah ou le pardon de ploermel“ (4. März 2020) und Massenets „Thais“ (8. April). Die Uraufführung von Chaya Czernowins „Heart Chamber“ in der Regie von Klaus Guth ist für den 15. November angekündigt. Am Pult steht Johannes Kalitzke. GMD Donald Runnicles lebt seine alte Benjamin-Britten-Leidenschaft am 26. Januar mit der Premiere von „A Midsummer Night’s Dream“ aus. Ted Huffman setzt den Sommernachtstraum für ihn in Szene.

Regisseur Ersan Mondtag debütiert mit dem „Antikrist“

Ein weiteres bemerkenswertes Berliner Operndebüt ist mit Ersan Mondtag für den 21. März angekündigt. Der 1987 in Berlin geborene Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner hat sich am Maxim Gorki Theater, dem Hamburger Thalia Theater und den Münchner Kammerspielen oder beim Theatertreffen einen Namen gemacht. An der Deutschen Oper inszeniert der Debütant Rued Langgaards Endzeit-Mysterium „Antikrist“, eine fast vergessene, merkwürdige Oper des dänischen Komponisten. Einen Klassiker wird hingegen Dirigent Sebastian Weigle am 9. Mai vorführen: Tschaikowskis „Pique Dame“. Die Inszenierung stammt von Graham Wick.