Lola

„Gundermann“ ist der Favorit beim Deutschen Filmpreis

Am Donnerstag wurden in Berlin die Nominierungen für die Lola-Verleihung bekannt gegeben. „Gundermann“ führt mit 10 Nominierungen.

Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters und Filmakademie-Präsident Ulrich Matthes bei der Verkündung der Nominierungen zum Deutschen Filmpreis.

Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters und Filmakademie-Präsident Ulrich Matthes bei der Verkündung der Nominierungen zum Deutschen Filmpreis.

Foto: Britta Pedersen / dpa

„Gundermann“, Andreas Dresens biografischer Film über den ostdeutschen Liedermacher, geht als großer Favorit ins Rennen um den Deutschen Filmpreis. „Gundermann“ ist unter anderem für den besten Film, für Regie und Drehbuch nominiert.

Als beste Hauptdarstellerinnen gehen Luise Heyer („Das schönste Paar“), Aenne Schwarz („Alles ist gut“) und Susanne Wolf („Styx“) ins Rennen, als bester Hauptdarsteller Rainer Bock („Atlas“), Jonas Dassler („Der goldene Handschuh“) und Alexander Scheer („Gundermann“). Für die Regie sind neben Andreas Dresen Wolfgang Fischer („Styx“) und Caroline Link („Der Junge muss an die frische Luft“) aufgestellt.

Die Nominierungen wurden am Mittwochmittag in der Deutschen Kinemathek Berlin bekanntgegeben: von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und von Ulrich Matthes, dem neuen Präsidenten der Deutschen Filmakademie, die über die Lolas abstimmt.

2018 war ein insgesamt mageres Kinojahr. Und das lag nicht nur an der Fußball-WM und dem langen heißen Sommer. Das lag auch an den eher schwachen Filmproduktionen. Das schlägt sich auch im Votum nieder.

Nur eine Nominierung für Werk ohne Autor“

„Werk ohne Autor“, der noch als deutscher Kandidat ins Oscar-Rennen geschickt worden war, ist nur einmal nominiert – für die beste Nebenrolle (Oliver Masucci). Ein Zeichen, dass das neue Werk von Florian Henckel von Donnersmarck nicht nur bei der Kritik schlecht wegkam.

Aber auch Christian Petzolds „Transit“, der 2018 auf der Berlinale gefeiert wurde, erhielt nur zwei Nominierungen. Und „25 km/h“ ist zwar als bester Film nominiert, geht aber für keine andere Kategorie ins Rennen. Das muss man auch erst mal schaffen.

Nach „Gundermann“ hat das Flüchtlingsdrama „Styx“ die meisten Nominierungen (sechs), gefolgt von den Bestseller-Verfilmungen „Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link und „Der goldene Handschuh“ von Fatih Akin (mit je fünf Nominierungen). Dass der „Handschuh“, der bei seiner Premiere auf der Berlinale einhellig verrissen wurde, so oft nominiert wurde, überrascht.

Bei Links „Junge“ darf man sich dagegen freuen. Sonst gibt es eine große Schere beim deutschen Film zwischen E und U. Der Preis für den publikumsstärksten Film ging bisher meist an Werke, die sonst nicht vorkommen. Diesmal aber geht er an „Der Junge muss an die frische Luft“. Schade nur, dass man nicht den Mut gefunden hat, den erst elfjährigen Julius Weckauf ebenfalls als Hauptdarsteller aufzustellen: Er trägt diesen Film immerhin und war die Entdeckung des Jahres.

Schlechte Quote bei den Nominierungen

Ein zweiter Preis steht auch schon fest: Die Ehren-Lola fürs Lebenswerk geht an die Filmregisseurin Margarethe von Trotta („Rosa Luxemburg“, „Die bleierne Zeit“).

Die derzeit stark geführte Quotendiskussion schlägt sich im Nominierungsvotum nicht nieder. Unter den sechs für den Besten Film nominierten Produktionen ist nur eine, eben Links Film, von einer Frau. Auch in der Kategorie Regie tritt sie gegen zwei Männer an. Beim Drehbuch ist das Verhältnis immerhin 50:50.

Einige Filme haben es nicht in die Endrunde geschafft. Weder Hans Weingärtners wunderbarer Liebesfilm „303“ noch Doris Dörries „Kirschblüten & Dämonen“ wurden nominiert.

Ulrich Köhlers „In My Room“ , der den deutschen Film in Cannes vertrat, oder Jan Bonnys „Wintermärchen“, der das Gleiche in Locarno tat, haben es nicht einmal in die Vorauswahl geschafft. Da hat die rund 2000 Mitglieder zählende Akademie doch einiges übersehen.

Zwei Frauen sind gleich zwei Mal nominiert

Kleines Kuriosum: Judith Kaufmann ist in der Kategorie Beste Kamera gleich zwei Mal nominiert: für „Der Junge muss an die frische Luft“ und „Nur eine Frau“. Und Luise Heyer ist sowohl als beste Nebendarstellerin (die Mutter in „Der Junge“) als auch als beste Hauptdarstellerin („Das schönste Paar“) gelistet. So was schmälert ja eher die Chancen. Laura Tonke ist es allerdings vor drei Jahren (als Erste) gelungen, in beiden Kategorien zu siegen.

Für Ulrich Matthes war die Bekanntgabe der Nominierungen sein erster öffentlicher Auftritt als neuer Akademiepräsident. Er war, wie er zugab, auch noch „sehr aufgeregt“. Bis zur Lola-Verleihung kann er sich noch etwas eingewöhnen: Die findet in sechs Wochen, am 3. Mai, im Palais am Funkturm statt.

DIE WICHTIGSTEN NOMINIERUNGEN AUF EINEN BLICK:

Bester Spielfilm: „Styx» von Wolfgang Fischer; „Transit“ von Christian Petzold, „Das schönste Mädchen der Welt“ von Aron Lehmann, „25 km/h“ von Markus Goller, „Gundermann“ von Andreas Dresen, „Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link.

Beste weibliche Hauptrolle: Susanne Wolff („Styx“), Aenne Schwarz („Alles ist gut“), Luise Heyer („Das schönste Paar“).

Beste männliche Hauptrolle: Jonas Dassler („Der Goldene Handschuh“), Rainer Bock („Atlas“), Alexander Scheer („Gundermann“).

Beste Regie: Wolfgang Fischer („Styx“), Caroline Link („Der Junge muss an die frische Luft“), Andreas Dresen („Gundermann“).

Bestes Drehbuch: Lars Kraume, Aron Lehmann u.a. („Das schönste Mädchen der Welt“), David Narath und Paul Salisbury („Atlas“), Laila Stieler („Gundermann“), Ruth Thoma („Der Junge muss an die frische Luft“).

Beste Kamera: Andreas Höfer („Gundermann“), Judith Kaufmann („Der Junge muss an die frische Luft“), Judith Kaufmann („Nur eine Frau“), Felix Leiberg („Vom Lokführer, der die Liebe suchte...“), Benedict Neuenfels („Styx“).

Bester Dokumentarfilm: „Of Fathers And Sons“ von Talal Derki, „Elternschule“ von Ralf Bücheler und Jörg Adolph, „Hi, A.I.“ von Isa Willinger.

Bester Kinderfilm: „Rocca - Verändert die Welt“ von Katja Benrath, „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Dennis Gansel.