Superheldenkino

Brie Larson: Die Frau, die die Comic-Welt retten soll

Brie Larson ist die erste Frau, der Marvel einen eigenen Film widmet: „Captain Marvel“. Danach darf sie all die Herren Helden retten.

Mit ihr legt man sich besser nicht an: Brie Larson als „Captain Marvel“ im gleichnamigen Film.

Mit ihr legt man sich besser nicht an: Brie Larson als „Captain Marvel“ im gleichnamigen Film.

Foto: Walt Disney/Marvel

Im Theater nennt man das Deus ex Machina, wenn plötzlich von irgendwoher unerwartet Hilfe kommt. Man könnte es auch Kai aus der Kiste nennen. Im letzten „Avengers“-Film jedenfalls lösten sich am Ende all die Superhelden, Iron Man, Thor, Captain America & Co., buchstäblich in Luft auf.

Einer konnte gerade noch einen Hilferuf absenden- an Captain Marvel. Was für ein Cliffhanger! Seit April 2018 rätseln die

Fans, wie es weiter geht. Und jetzt kommt, nach zehn Jahren und 20 Filmen der Marvel-Comichelden, plötzlich aus dem Nichts eine zusätzliche Kraft, die alle retten soll.

Scarlett Johansson muss einem leid tun

Diese Figur ist eine Frau. Und bevor es mit ihr in „Avengers: End Game“ im April weitergeht, gibt es ab 7. März, passend einen Tag vor dem Frauentag, mit „Captain Marvel“ den Film, der diese Figur eigentlich ist und wie sie zu ihren Superkräften kam. Es ist der erste Marvel-Blockbuster, in dem eine Frau die Hauptrolle spielt.

Spät genug: Scarlett Johansson spielt ja schon von Anfang an bei den „Avengers“ mit, einen eigenen Film hat man ihr aber nie zugestanden. Im Kräftemessen der Comic-Studios hatte DC, in den letzten Jahren trotz seiner Helden Bat- und Superman nicht ganz so erfolgreich wie Marvel, einmal die Nase vorn: weil es schon 2017 einer Superheldin, Wonder Woman, einen eigenen Film schenkte.

Brie Larson zieht nun nach. Und die Marvel-Filme sind halt noch mal eine Spur größer und populärer. Wie ist das für die zierliche Blondine, die erste Superfrau bei Marvel zu sein? Auf die Frage reagiert sie bei ihrer Stippvisite in Berlin eher kühl. Sie hört sie in letzter Zeit wohl zu oft. In solchen „historischen“ Kategorien denke sie nicht.

Aber auf die Folgefrage, die sie auch dauernd hört, ob es im Kino mehr Actionheldinnen geben sollte, kontert sie ganz klar: „Es sollte überhaupt mehr Frauen geben. In jeder Industrie, in jeder Position. Mehr Frauen und mehr Menschen mit anderer Hautfarbe.“

Die Oscar-Preisträgerin auf Stippvisite in Berlin

Brie Larson wurde vor allem bekannt mit dem klaustrophobischen Thriller „Raum“. Ein größerer Kontrast ist kaum vorstellbar: Hier eine Comic-Megaproduktion mit vielen Stars und noch mehr Effekten, da ein kleines, klaustrophobisches Kammerdrama, wo sie ganz allein mit ihrem Filmsohn in einem engen Raum eingeschlossen ist

Für „Raum“ bekam sie 2016 den Oscar als beste Schauspielerin. Ein Jahr darauf machte sie bei den Oscars gleich wieder von sich reden – weil sie dem besten Schauspieler die Trophäe überreichen sollte. Der war 2017 Casey Affleck, gegen den es Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gab. Wortlos übergab Larson den Preis – und ließ Affleck stehen. Eine Missfallensgeste, die weltweit verfolgt wurde. Und die ihr viel Anerkennung einbrachte. Auch wenn die 29-Jährige darauf nicht mehr angesprochen werden möchte.

Über MeToo und Time’s Up spricht die US-Amerikanerin im SoHo House dagegen umso mehr. In der Branche würde sich gerade viel tun. „Ich wünschte, manche Sachen würden sich schneller ändern“, meint sie zwar. „Aber wir haben jetzt eine tiefgründige Debatte, die es vorher nicht gab. Und das wird sich auch auswirken.“

Ein Comic-Film mit Signalwirkung

Es dauere nur so lange, bis Filme fertiggestellt würden. Im Schnitt drei Jahre vom Drehbuch bis zur letzten Schnittfassung. „Aber“, gibt sie sich ganz optimistisch, „ich sehe, dass sich da was tut. Es braucht nur eine Weile, dann sehen Sie’s auch.“

„Captain Marvel“ ist da sicher eine Produktion mit Signalwirkung. Ein Comic-Film, von fünf Drehbuchautorinnen geschrieben und einer Regisseurin, Anna Boden, inszeniert. Bei beiden war auch ein Mann, Ryan Fleck, dabei. Aber der deutliche Frauenüberhang gibt schon mal eine andere Perspektive im gern testosteron-gesteuerten Actiongenre vor.

Die meisten Drehbücher, die ihr angeboten werden, stammen von Männern, sagt Brie Larson. Frauen spielen da meist nur eine unterstützende Rolle für den männlichen Part. „Es ist aber wichtig, dass wir mehr eigenen Stoffe dagegen halten“, sagt sie. „Dass Frauen und Menschen mit anderer Hautfarbe ihre eigenen Geschichten erzählen.“

Deshalb engagiere sie sich so in der Time’s Up-Bewegung. „Das ist etwas, dass bei mir immer mehr Raum einnimmt. Eine gute Gelegenheit für Frauen, zusammenzukommen und sich auszutauschen.“ Das werde immer mehr der Kern des Ganzen: dass Frauen ein gemeinsames Bewusstsein entwickelt – und ihre Forderungen selbstbewusster stellen können.

Brie Larson will nicht auf ihren Körper reduziert werden

Da hat sogar das superhelden-obligatorische monatelange Körpertraining geholfen. Eigentlich wollte Brie Larson als Schauspielerin nie auf ihren Körper reduziert werden. Sie habe ihr Leben lieber damit verbracht, ihren Verstand zu schärfen, statt über ihr Aussehen nachzudenken.

Es war dann eine große Herausforderung für sie, eine Rolle mal nicht über den Kopf, sondern physisch anzugehen. Und als mit dem Training die Muskeln wuchsen, hat das ihre Sicht revolutioniert: „Ich stand anders, ich hielt mich anders. Ich habe realisiert, dass mein Körper ein Werkzeug ist, um schwere Dinge anzupacken.“ Das hilft wohl auch im übertragenen Sinn.

Bloß kein Rollenmodell sein!

Und glaubt sie, als Superheldin auch ein Rollenmodell zu sein? Ach je, noch so eine Frage, wo sie für die ganze Weiblichkeit sprechen soll. „Mein Hauptziel ist es, mit meiner Arbeit zufrieden, vielleicht sogar glücklich zu sein., weicht sie ein wenig aus. Wenn sie damit andere inspirieren könne, sei das „cool“. Wenn nicht, sei das aber auch okay. „Ich glaube aber zwingend, dass man kein Rollenmodell ist, wenn dir gesagt wird, dass du eins sein sollst. Dann bist du nur falsch und nie authentisch.“