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Kultursenator Klaus Lederer: Kolonialgeschichte aufarbeiten

Die Kolonialgeschichte der Stadt soll aufgearbeitet werden. Die Museen sollen in den Sammlungen nach geraubten Stücken suchen.

Kultursenator Klaus Lederer

Kultursenator Klaus Lederer

Foto: pa

Berlin. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hat eine umfassende Aufarbeitung der Kolonialzeit angemahnt. „Die Verantwortung nur auf die ethnologischen Museen abzuschieben, würde viel zu kurz greifen“, sagte der Linken-Politiker. „Koloniale Abhängigkeiten und Machtverhältnisse wirken bis heute fort. Und diesem Thema müssen wir uns mit aller Ernsthaftigkeit und Beherztheit widmen.“

Dazu gehört nach Ansicht von Lederer nicht nur das Eingeständnis von Schuld und die Übernahme von Verantwortung gegenüber den Ländern des Südens. Es gehe auch um „anhaltende koloniale Denkweisen bei uns“.

„Der Kolonialismus ist in der Gesellschaft immer noch präsent. Auch im Berliner Stadtbild gibt es noch eine ganze Menge – angefangen von der Diskussion um die Mohrenstraße bis zu Bildern an Häuserfassaden, in denen sich die Ideologie von Über- und Unterordnung ausdrückt.“

In den kommenden Jahren soll die Kolonialgeschichte der Stadt möglichst gründlich aufgearbeitet werden. Dabei seien alle Museen gefordert, ihre Sammlungen auf koloniales Unrecht hin zu durchforsten. Ein erster dringender Schritt sei die Digitalisierung der Bestände, sagte der Kultursenator. In einem zweiten Schritt müssten Rückgabeforderungen der Herkunftsländer ernst genommen werden. „Wir können die Ansprüche nicht immer nur mit der schwierigen Rechtslage kontern.“

Grütters für Erinnerungsort an koloniales Unrecht

Berlins Kultursenator steuert somit den gleichen Kurs wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Berlins CDU-Landesvorsitzende hatte kurz vor Weihnachten in einem Zeitungsbeitrag gemeinsam mit der Staatsministerin im Auswärtigen Amt Michelle Müntefering gefordert, Museen sollten sich offen mit Forderungen nach Rückgabe von Kulturgütern auseinandersetzen und maximale Transparenz über die Herkunft ihrer Exponate erzeugen. Der europäische Kolonialismus habe den betroffenen Gesellschaften „einen Teil ihrer Identität geraubt, der unersetzlich“ sei. Grütters und Müntefering plädierten für einen „Erinnerungsort an koloniales Unrecht in Deutschland.“ Der Bundestag solle darüber beraten.

Die Debatte über den Umgang mit der Kolonialgeschichte wird in Deutschland zuletzt verstärkt geführt, auch weil im Humboldt Forum im wieder aufgebauten Berliner Schloss in gut einem Jahr besonders außereuropäische Kulturen präsentiert werden sollen.

Aber auch in anderen europäischen Staaten mit einer sehr viel längeren Kolonialgeschichte wie Frankreich und Großbritannien wird diskutiert. Dabei wird in Frankreich gefordert, sämtliche aus der Kolonialzeit stammenden Kunstwerke zurückzugeben.

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