Dass im Krieg Beute gemacht wird, war lange völlig normal. Dass man geraubte Kulturgüter zurückgibt, wenn sich die Verhältnisse geändert haben, ist zumindest für den Zweiten Weltkrieg im Grunde unbestritten. Für die Kolonialzeit, diese Epoche gewaltsamer Inbesitznahme überseeischer Territorien, die in Deutschland viel kürzer währte als in Frankreich oder Großbritannien, sieht die Lage komplizierter aus. Gerade deswegen ist es richtig, über den Umgang mit Kunstgegenständen nachzudenken, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihren Weg auch in Berliner Museen und Sammlungen fanden.

Natürlich wurden viele Objekte überhaupt erst gefunden und erhalten, weil deutsche Archäologen und Beamte sich für sie interessiert haben. Wer jemals Museen in Afrika oder dem Nahen Osten besuchten konnte, ahnt, dass viele Stücke dort die Jahrzehnte wohl kaum in so gutem Zustand überstanden hätten wie in den wohlklimatisierten Vitrinen hierzulande.

Dennoch sollte eine weltoffene Hauptstadt wie Berlin auch aktiv den Dialog suchen mit den Menschen, die heute in den früheren Kolonial- oder Einflussgebieten leben. Wir reden über deren kulturelles Erbe, auch wenn ein Monument wie der Pergamon-Altar wohl kaum alleine von der heutigen Türkei reklamiert werden kann.

Geboten sind Fairness und Umgang auf Augenhöhe, die es in der Kolonialzeit eben nicht gab. Es geht um Austausch von Kunstschätzen, um Hilfe für Museen und Konservatoren in meist von Europäern geschaffenen Staaten, die Jahrzehnte nach ihrer Gründung vielfach noch nach einer Identität und gemeinsamen Wurzeln suchen. Zum kritischen Umgang mit unserem kolonialen Erbe gehört aber auch, aggressive Kolonialisten nicht länger mit Berliner Straßennamen zu ehren, auch wenn das für Anwohner unbequem sein mag.

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