Film

Schwacher Geschwisterkrieg: der Film „Trouble“

Eine Erfolgsautorin, die ihr eigenes Stück verfilmt, lauter Stars – und doch eine Komödie, die nicht zu zünden vermag: „Trouble“.

Foto: Kinostar

Peter E. Müller

Sattgrüne Täler, weite Wälder, eine rustikale Farm. Alles könnte so schön sein in diesem idyllischen Fleckchen irgendwo im US-Bundesstaat Vermont. Doch als Endsechzigerin Maggie (Anjelica Huston) einen Bagger auf ihrem Gelände rumoren hört, ist es mit der Ruhe vorbei. Denn ihr nichtsnutziger Bruder Ben (Bill Pullman), mit dem sie seit Jahrzehnten zerstritten ist, kehrt zurück aufs familiäre Anwesen und macht der Witwe das Leben zur Hölle.

Die US-Autorin Theresa Rebeck, deren Stücke am Broadway gefeiert werden, hat sich viel vorgenommen für ihre überdrehte Komödie „Trouble“. Sie hat nicht nur das Drehbuch verfasst und die Produktion übernommen, sie führt auch Regie. Sie zeichnet das skurrile Bild einer zutiefst gestörten Geschwisterbeziehung und einer Dorfgemeinschaft, die nie wirklich weiß, auf welche Seite sie sich schlagen soll.

„Trouble“ wirkt wie eine Theateraufführung in freier Natur. Allerdings sind die Charaktere entweder erschreckend blass oder hemmungslos überzeichnet. Dabei hat Rebeck sich ­eines honorigen Ensembles versichert. Doch die Komödie, die immer mehr Familiendrama sein will, ist in den seltensten Momenten komisch. Die Dialoge sind erschreckend schlicht und das Happyend nimmt dem Film endgültig den Wind aus den Segeln.

Als Ben mit dem Bagger auf der Wiese der Schwester ein gewaltiges Loch buddelt, stellt sich Maggie ihm mit übergroßem Cowboyhut und gestreiftem Pyjama entgegen. Ben behauptet, er hole sich sein Land zurück, obwohl er wegen ständiger Finanzprobleme seinen Anteil an seine Schwester verkauft hat. Auch Sheriff Logan (Brian d’Arcy James), der die zerstrittenen Geschwister nur zu gut kennt, kann wenig ausrichten. Im Gegenteil: Ben zerstört in seiner Wut auch noch das Blumenbeet im Vorgarten. Und was macht Maggie? Sie holt die Flinte und drückt ab. Ben landet blutend im Krankenhaus.

Dann taucht auch noch Bens Jugendfreund Jerry (David Morse) auf, der schon früher ein Auge auf Maggie geworfen hat. Nachdem ihr Mann gestorben ist, hofft er nun auf eine zweite Chance, steht aber hoffnungslos zwischen den Geschwistern. Bob haust derweil in einem Wohnwagen im Wald und grübelt, wie er seiner Schwester das Land abluchsen kann.

Dabei hat er Verbündete wie den trinkenden Kiffer Curt (Jim Parrack) und dessen Freundin Rachel (Julia Stiles). Es geht auf einmal um so ermüdende Themen wie unbezahlte Steuern, Immobiliengeplänkel oder illegal erschlichene Abholzungsrechte. Da hat sich dieser Film längst in die Langeweile verabschiedet.

Schade um die Darsteller, die zumindest einige große Momente haben. Bill Pullman etwa gibt einen verstörten Charakter, der in seiner hektischen Hilflosigkeit schon fast wieder liebenswert ist. Angelica Houston ist die abgeklärte Witwe, deren harter Kern mehr und mehr aufweicht.Doch das alles rettet diesen unaufgeräumten Film nicht mehr, der den dramaturgischen Pfad schon nach dem ersten Drittel verlassen hat. Enttäuschend.

Drama USA 2018 100 min., von Theresa Rebeck, mit Anjelica Huston, Bill Pullman, David Morse, Julia Stiles