Er kommt mit Hut. Und den zieht er auch nicht ab. Das ist der private Axel Prahl, wie der Schauspieler erklärt. Beruflich befinde er sich immer in „Frisurübergangsphasen“, das nerve. Deshalb „platsche ich den Hut drauf und muss mir keine Gedanken darüber machen“. Gerade hat der 58-Jährige mit seiner Band ein neues Album herausgebracht mit dem schlichten Titel „Mehr“. Am Montag (20.15 Uhr) ist Prahl überdies im ZDF-Film „Extraklasse“ zu sehen, als arbeitsloser Journalist, der noch mal zur Schule muss: als Hilfslehrer einer ziemlich schwierigen Klasse von Nachhol-Abiturienten. Wir haben den Schauspieler in Charlottenburg getroffen.

Herr Prahl, in „Extraklasse“ werden Sie unfreiwillig zum Hilfslehrer. Ist das ein bisschen „Fack ju, Göhte!“ für Erwachsene?

Axel Prahl: Das habe ich auch erst gedacht, als dieser Stoff an mich herangetragen wurde. Aber es ist schon etwas anderes, sonst hätte ich wohl nicht zugesagt. Bei uns sind die Schüler ja schon erwachsen. Und es geht deutlich mehr um Integration von Außenseitern, Leute, die schon mal gescheitert sind und es noch mal versuchen wollen. Die soziologische Gemengelage ist eine andere.

War das ein Sprung zurück in Ihre eigenen Anfänge? Sie haben Ihr Fachabitur ja auch nachgeholt.

Und ich habe dann auch auf Lehramt studiert. Mathematik und Musik. Da gab es also viele Schnittmengen mit meinem privaten Dasein. Und so konnte ich auch den einen oder anderen Hinweis auf die Entwicklung des Drehbuchs geben. Bis der Drehbuchautor irgendwann gesagt hat, jetzt reicht’s aber.

Und waren Sie dann auch als Lehrer tätig?

Es gab erste Unterrichtsproben, da habe ich schon relativ früh das Schulsystem von der praktischen Seite kennenlernen dürfen. Und dann doch auch früh gemerkt: Das ist nicht meine Welt. Diese Form von Hierarchie ist ja noch schlimmer als am Theater. Die Strukturen am Theater sind auch nicht lustig, aber da gibt’s immerhin noch Redefreiheit. Das erste Referendariatsjahr kann sich sehr viel schlechter auf die eigene persönliche Entwicklung auswirken.

Steckt in Ihnen eine pädagogische Ader?

Der Beruf des Lehrers ist in manchen Bereichen durchaus vergleichbar mit dem des Schauspielers. Man steht da vor Leuten, möchte einen Stoff vermitteln, und wenn es einem gelingt, das auf möglichst unterhaltsame Art herüberzubringen, dann ist das durchaus von Vorteil. Insofern würde ich annehmen, dass ich zumindest ein gewisses Talent hätte, zu unterrichten. Das Bedauerliche ist nur: Wenn ich mir meine ganzen Kommilitonen von damals anschaue, sind fast alle, die das Potenzial, interessant zu unterrichten, hatten, irgendwann abgesprungen. Und die, die durchgehalten haben und Lehrer wurden, waren eher die trockenen Akademiker, die das Lehramtsstudium als psychotherapeutische Maßnahme missverstanden haben, um sich selber weiterzuentwickeln.

Wie war das dann für Sie, für diesen Film wieder am Lehrerpult Platz zu nehmen?

Ach, so hoch möchte ich das nicht hängen. Es war ja nur ein Film. Ich war da eher ein Dompteur, meine „Schüler“ waren ja alles Kollegen, also auch Schauspieler. Aber den Moment kennt wohl jeder, der für ein Klassentreffen mal wieder in die alte Schule kommt und sich noch mal hinter eine Schulbank zwängt.

Ihre Klasse wird im Film zu einer kleinen gesellschaftlichen Utopie, wo alle zusammenstehen. Ist das ein Gesellschaftsbild, das Sie gern vermitteln wollen?

Unbedingt. Das ist ein schöner Traum. Ich wünschte, es wäre so. Und ich wünschte, dass zumindest ein Funken dessen überspringen könnte auf den einen oder anderen AfD-Wähler: Dass vermeintlich Fremde bei näherem Kennenlernen durchaus interessante Menschen sind, die unser Leben unter Umständen bereichern. Wir sollten versuchen, sie in unserer Gesellschaftsform zu integrieren. Wenn wir mit diesem Film einen kleinen Denkanstoß in diese Richtung geben, dann ist das gut.

Momentan sieht es eher gegenläufig aus: Die Gesellschaft spaltet sich.

Es ist momentan eine verfahrene Situation, aber nicht nur auf unser Land bezogen, das findet sich weltweit, mit dem Brexit, mit Trump, Erdogan, den ganzen Despoten, die plötzlich auf den Plan treten, und dem Rechtsruck in der gesamteuropäischen Gesellschaft. Das erschreckt mich alles. Wir waren schon mal deutlich weiter. Und es ist betrüblich festzustellen, wie das jetzt kippt. Aber ich bin Schauspieler, kein Politiker, und mag mich deshalb zu solchen Themen eigentlich nicht äußern. An der Stelle, wo es wirklich nötig wird, den Mund aufzumachen, mache ich ihn auf. Ansonsten sage ich nur: Geht zur Wahl!

Sie sind mit Jan Josef Liefers die Quotenkönige beim „Tatort“. Wie groß ist da der Erfolgsdruck, wenn Sie als alleiniger Star ein Werk wie „Extraklasse“ tragen müssen?

Klar, über große Strecken trage ich den Film, damit hat man auch eine Verantwortung. Die habe ich aber nach bestem Wissen und Gewissen versucht zu erfüllen. Mehr kann ich nicht tun. Auch ich bin nur ein Rädchen im Gesamtgetriebe. Und ein Film reißt bekanntlich immer an der schwächsten Stelle. Jetzt liegt es am Zuschauer, darüber zu befinden.

Sollte es aus welchen Gründen auch immer mit der Schauspielerei nicht mehr weitergehen, könnten Sie sich vorstellen, ans Lehrerpult zurückzukehren?

So abwegig ist der Gedanke nicht. Man sollte immer auf alles gefasst sein. Es kann ja auch immer passieren, dass man durch einen Unfall plötzlich im Rollstuhl sitzt. Ich blende auch den Tod nicht aus, damit setze ich mich auseinander. Insofern hätte ich auch kein Problem, mich ökonomisch wieder etwas herunterzuschmelzen. Aber Lehrer würde ich für mich doch ausschließen, damit würde ich mich in meinem Leben nicht mehr befassen wollen.

Sie ermitteln seit 2002 beim „Tatort“. Wie lange wollen Sie das noch tun?

Solange es uns noch Spaß macht. Und dem ist so. Was weniger Spaß macht, sind leider die Rahmenbedingungen, die meines Erachtens für ein solches Aushängeschild der ARD besser sein könnten.