Renaissance-Theater

Lachsalven und Tränchen beim Abschied von „Kunst“

Am Renaissance-Theater spielten Udo Samel, Peter Simonischek und Gerd Wameling zum 432. und allerletzten Male „Kunst“ .

Grandiose Besetzung: Gerd Wameling (v.l.), Peter Simonischek und Udo Samel brillieren am Renaissance-Theater

Grandiose Besetzung: Gerd Wameling (v.l.), Peter Simonischek und Udo Samel brillieren am Renaissance-Theater

Foto: Martin Walz

Berlin. Der Abend war seit langem heillos ausverkauft. Denn jeder will sie noch mal erleben: die drei Stars, die am ersten Septemberabend im Renaissance-Theater noch einmal, ein letztes Mal ihren Dauerbrenner „Kunst“ geben. Zum 432. Mal erklärt Udo Samel als Marc fassungslos, sein Freund Serge habe ein weißes Bild mit weißen Streifen gekauft. Für 200.000 Francs! Zum 432. Mal kann Gerd Wameling als Serge nicht fassen, dass Marc seinen Ankauf als „Scheiße“ bezeichnet. Zum 432. Mal versucht Peter Simonischek als Yvan zu vermitteln und macht alles nur noch schlimmer. Erst teilen sie nur verbal aus, dann werden sie auch handgreiflich. Dabei geht es bald gar nicht mehr um das Bild in Weiß, sondern um das Bild, das die drei Herren von sich selber haben.

Ein letztes Mal und dann nie mehr. Zumindest nicht in dieser grandiosen Besetzung. Das Trio macht Schluss. 1995 spielten Samel, Wameling und Simonischek die deutsche Erstaufführung von Yasmina Rezas Stück. Damals noch an ihrer Heimstatt, der Schaubühne. Wir haben es schon damals gesehen und können uns noch gut erinnern, wie ein lächerlicher Diskurs entbrannte, was Boulevard an der Schaubühne zu suchen habe und ob die gestandenen Mimen sich dafür nicht verschwendeten. Lange vergessen.

Yasmina Rezas Stück hat längst, auch die Autorin selbst den Siegeszug um die Welt angetreten. Auch das Berliner Ensemble hat eine eigene Inszenierung im Repertoire, aber lange nicht so prominent wie die Schaubühnen-Version. Als die Ära Peter Stein zu Ende ging, haben sich die meisten ihrer Stars von der Schaubühne abgewandt. Samel, Simonischek und Warmeling machten aber weiter „Kunst“.

Lachen mit Abschiedstränchen

Draußen, vorm Theater, hängt das Plakat aus dem Jahr 2000, als die drei erstmals am Renaissance-Theater „Kunst“ gaben, wo die Inszenierung von Felix Prader ebenfalls ein Dauerbrenner wurde. Drinnen sitzen die Pointen und die bösen Blicke wie eh und je. Die drei haben auch sichtlich Spaß dabei. Aber die Herren sind doch etwas älter geworden. Wie lange könnten sie noch über ihre Schwiegereltern klagen, wo sie alle schon im Rentenalter sind?

Wenn die Herren in die Knie gehen müssen, sorgt man sich etwas, ob sie wieder hochkommen. Und zumindest Udo Samel ist derart auseinandergegangen, dass sie jetzt gar nicht mehr zu dritt aufs immer schon schmale Sofa passen. Also macht man Schluss, solange es noch geht. Und unter die Tränen, die man lacht, mischt sich auch das eine oder andere Abschiedstränchen.

Bei letzten Vorstellungen bauen Darsteller sonst gern kleine Gags ein. Das verbieten sich die drei. Sie spielen professionell wie stets. Nicht mal der Satz „Dann sind wir jetzt am Ende unserer 25-jährigen Beziehung“ wird heute auf 23 umgemünzt. Aber die drei Schaubühnen-Legenden werden auch weiter gut Freund sein und brauchen dafür keine Bühne. Am Ende gibt es Standing Ovations für sie und den Regisseur, der auch noch mal gekommen ist. Dann aber applaudiert auch das Haus, auf seine Art. Das weiße Bild wird schwarz, und darauf blinkt ein Wort: „Danke“.