Am 1. August wird Artur Brauner 100 Jahre alt. Was für ein Alter! „Atze“ Brauner, wie ihn die Berliner gern nennen, war lange einer der erfolgreichsten unabhängigen Filmproduzenten Europas. Eine Berliner Legende ist er obendrein. Und einer, der der Stadt die Treue hielt, als viele in den Westen abwanderten.

Zum Jubiläum startet nun die Astor Film Lounge eine große Werkschau, die schon am 26. Juli beginnt und bis November läuft: „100 Jahre Artur Brauner“. Mindestens einmal pro Woche, an wechselnden Tagen, aber immer um 18 Uhr, wird einer der vielen Filme gezeigt, die Brauner produziert hat. Klassiker, aber auch Werke, die lange nicht zu sehen waren und nun teils in neuen Kopien wiederzuentdecken sind.

Eröffnet die Reihe: „Old Shatterhand“ mit Pierre Brice und Lex Barker
Eröffnet die Reihe: „Old Shatterhand“ mit Pierre Brice und Lex Barker © © CCC Filmkunst GmbH | © CCC Filmkunst GmbH

Den Anfang macht „Old Shatterhand“, einer der vielen Karl May-Western mit Pierre Brice als Apachenhäuptling und Lex Barker als sein Greenhorn-Freund. Dabei waren die Karl-May-Filme eigentlich eine Erfindung von Horst Wendlandt und seiner Rialto. Brauner erwies sich aber als findiger Geschäftsmann, weil er sich sofort die Rechte an den May-Romanen sicherte, die noch frei waren – und auch die Schauspieler von der Konkurrenz gewinnen konnte, ohne die ein Winnetou-Film undenkbar gewesen wäre.

Am 2. August, also einen Tag nach dem 100. Geburtstag, folgt „Es geschah am helllichten Tag“, die beklemmende Dürrenmatt-Adaption mit Heinz Rühmann als Kommissar und Gert Fröbe in einer seiner dämonischsten Rollen als Kindermörder. Auch bei der x-ten Wiederholung im Fernsehen rieselt dem Schreiber dieser Zeilen an der immergleichen Stelle noch eine Gänsehaut über den Rücken. Wie viel stärker muss der Effekt auf großer Leinwand wirken.

Unheimlich: Gert Fröbe in „Es geschah am hellichten Tag“
Unheimlich: Gert Fröbe in „Es geschah am hellichten Tag“ © picture alliance / united archives | IFTN

Brauner ist stets doppelgleisig gefahren. Seinen Grundstock bildeten Unterhaltungsfilme und leichte Stoffe, „Tralala-Filme“, wie Brauner sie selbst einmal genannt hat – und die hier natürlich auch nicht fehlen dürfen. Musikfilme wie „Liebe, Tanz und 1000 Schlager“ (2.9.) mit Caterina Valente oder die Liebesromanze „Ein Engel auf Erden“ (14.8.) mit der jungen Romy Schneider. Brauner zeichnet aber auch für preisgekrönte Dramen verantwortlich wie „Am Tag, als der Regen kam“ (9.9.) oder die Hauptmann-Verfilmung „Die Ratten“ (18.11.) mit Maria Schell in einer ihrer stärksten Rollen.

Romy Schneiders letzter Film: „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ mit Michel Piccoli
Romy Schneiders letzter Film: „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ mit Michel Piccoli © picture alliance / United Archives/IFTN | United Archives/IFTN

Brauner hat Emigranten nach Deutschland zurückgeholt wie den großen Fritz Lang, der für die CCC seine letzten Filme „Der Tiger von Eschnapur“ (4.10.) und „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ (7.10.) gedreht hat. Brauner konnte Romy Schneider auch zu einem letzten Film in Deutschland überreden, „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ (22.8.), bei dem keiner ahnen konnte, dass sie die Premiere schon nicht mehr erleben würde.

Und dann hat Brauner sich immer wieder mit dem Holocaust auseinandergesetzt. Gleich die zweite Produktion des damals jüngsten deutschen Produzenten, „Morituri“ (20.9.), war 1948 der erste Film, der sich mit der Shoah befasste. Ihm sollten viele weitere folgen, Werke wie „Die weiße Rose“ (26.9.) oder „Hitlerjunge Salomon“ (24.10.), der sogar einen Golden Globe gewann. Filme wider das Vergessen, mit denen Brauner Deutschland einen Spiegel vorgehalten hat. Filme, die bleiben werden.

„100 Jahre Artur Brauner“ in der Astor Film Lounge. Filmreihe bis 18. November. Das Programm finden Sie unter https://berlin.astor-filmlounge.de/filmprogramm/film