Es geht immer weiter! In einem Jahr, in dem sich ABBA nach 35 Jahren Trennung wiedervereinigt hat, mag man das gern glauben. Freilich muss man die zwei neuen Songs, die die legendäre Popband aufgenommen hat, erst noch abwarten. Und das sowas auch daneben gehen kann, demonstriert nun leider „Mamma mia! Here We Go Again!“, die Fortsetzung des zehn Jahre alten Kinohits.

Der basierte bekanntlich auf dem gleichnamigen Musical mit den ABBA-Songs. Und war Gute-Laune-Kino erster Güte. Was nicht nur an den un­kaputtbaren Melodien und schmissigen Choreographien lag, sondern auch daran, dass hier gleich zahlreiche Top-Stars sangen und das Tanzbein schwangen, was mal mehr (Meryl Streep), mal weniger (Pierce Brosnan) gelang.

Bei all dem Promi-Auftrieb überrascht es nicht wenig, dass man für Teil Zwei alle Stars wieder vor die Kamera bekam. Ein einzig Wiederseh’n und Wiederhör’n, mit ein paar ABBA-Songs, die im Musical noch nicht verwendet wurden, aber auch einigen, die schon in teil Eins erklangen. Nur eine wollte partout nicht mehr. Daran aber krankt der ganze Film: Denn diese eine war Meryl Streep – die Hauptdarstellerin.

Die drei hinterbliebenen Männer: Pierce Brosnan,  Stellan Skarsgard und Colin Firth (v.l.)
Die drei hinterbliebenen Männer: Pierce Brosnan, Stellan Skarsgard und Colin Firth (v.l.) © dpa | Universal Pictures

Ihre Donna ist in der Fortsetzung daher gestorben, Pierce Brosnan also Witwer und Amanda Seyfried die trauernde Tochter. Was den Spaß von Anfang an in trübes Moll kippt. Aber alles muss auch größer und fetter sein: Die Tochter führt nicht nur Muttis Hotel fort, sie modelt es in ein Luxushotel um und lädt Millionäre zur Einweihung ein. Alles zu Donnas Ehren. Aber die war ein Alt-Hippie in Latzhosen. Hätte ihr das wirklich gefallen?

Weil die Fortsetzung allzu dünne ist, wird sie, Sequel und Prequel zugleich, um die Vorgeschichte gestreckt: wie Donna sich 1979 gleich in drei Männer verliebte und auf die griechische Insel kam. Das ist deutlich weniger witzig. Weil hier die Parts von Brosnan, Stellan Skarsgård und Colin Firth von jungen, unbekannten Schauspielern gespielt werden. Und auch, weil man die Geschichte aus Teil Eins ja zur Genüge kennt.

Makabrer AUftritt: Sophie und der Geist ihrer Mutter (Meryl Streep)
Makabrer AUftritt: Sophie und der Geist ihrer Mutter (Meryl Streep) © dpa | -

Um dem Ganzen doch ein Krönchen aufzusetzen, wird, wo schon die Mutti fehlt, wenigstens eine Oma aufgefahren. Die wird sogar – großer Auftritt! – per Helikopter eingeflogen: Es ist Cher. Die hat 1987 in „Silkwood“ die beste Freundin von Meryl Streep gespielt und will heute mittels plastischer Chirurgie irgendwie immer noch so aussehen wie damals. Dass sie jetzt Streeps Mutter spielt, ist da eine kleine Besetzungsbosheit. Doch was ein Coup sein sollte, ist eher ein Choc: Eine 72-Jährige, die zu steinerner Jugend erstarrt ist und doch sichtlich kaum noch die Treppe runterkommt. So hüftlahm ist leider der ganze Film.

Aber Moment mal, werden Sie sagen: Ich hab’ Meryl Streep doch im Trailer gesehen. Und wirklich tritt sie schließlich doch einmal auf. Als guter Geist. Weil das Ganze ohne sie nicht funktioniert hätte. Dieser Kurzauftritt aber kann den Film nicht retten. Hoffen wir nur, dass das „Mamma Mia“-Revival kein böses Omen für das ABBA-Comeback bedeutet.