Exilmuseum

Positives Echo auf Neubaubaupläne des Exilmuseums

Experten sehen den Standort Anhalter Bahnhof als große Chance. Der Mietvertrag für das Käthe-Kollwitz-Museum bleibt aber gekündigt.

Anhalter Bahnhof

Anhalter Bahnhof

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Die Idee der Stiftung Exilmuseum Berlin, für das geplante Museum einen Neubau am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg zu errichten, stößt auf breite Zustimmung. „Das ist ein ganz hervorragendes Projekt“, sagte Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, der Berliner Morgenpost. Es füge sich sehr gut in die kulturelle Landschaft dieses Stadtraumes ein.

In der Nachbarschaft sind bereits Topographie des Terrors, das Dokumentationszentrum der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ sowie der Martin-Gropius-Bau angesiedelt. Auch der Senat würde der Idee positiv gegenüberstehen, so Schmidt.

Das von einer bürgerschaftlichen Initiative getragene Exilmuseum könnte auf einer öffentlichen Freifläche zwischen dem Lilli-Henoch-Sportplatz und der Portal-Ruine des alten Anhalter Bahnhofs errichtet werden. Schmidts Verwaltung hat dazu bereits eine Änderung des Bebauungsplans erarbeitet, der nach den Sommerferien in Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung erörtert wird.

Projekt muss konkretisiert werden

Der Baustadtrat betonte aber, der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan sei „kein Freifahrtschein“ und nehme keine Entscheidung vorweg. Zudem müsse das Projekt auch hinsichtlich seiner Größe noch konkretisiert werden, zudem sei der Einfluss auf die denkmalgeschützte Portalruine zu prüfen.

„Ein Exilmuseum am Anhalter Bahnhof ist eine Riesenchance, nicht nur für Berlin sondern für die ganze deutsche Museumslandschaft“, sagte Daniel Wesener, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus. Bis es in Berlin Realität werden könne, bleibe noch viel zu tun, mahnte er. Der Erfolg werde unter anderem davon abhängen, wie transparent die Initiatoren ihr Museumsprojekt anlegen.

Die Berliner Kulturpolitik sei aber ebenfalls gefordert: „Die Erinnerung an die deutsche Exilgeschichte darf nicht alleine privatem Engagement überlassen sein, sondern ist eine öffentliche Aufgabe und verdient deshalb jede politische Unterstützung“, betonte Wesener.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte bereits im März betont, dass Berlin ein Exilmuseum „gut vertragen könnte“. Auch der Kultursenator geht davon aus, dass das Projekt öffentlicher Unterstützung bedarf. Zum Neubauprojekt am Anhalter Bahnhof war von Lederer zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Schicksale einzelner Menschen

Das Museum soll ein Ort sein, der den Inhalt des Wortes Exil begreifbar macht. Im Zentrum der Ausstellung sollen die Schicksale einzelner Menschen stehen, insbesondere derer, die Deutschland im Nationalsozialismus verlassen mussten. Dabei setzen die Initiatoren vor allem auf die mediale Vermittlung, auf Bilder, Töne, Texte, Filme sowie multimediale Rauminstallationen.

Zu den Protagonisten der Stiftung gehören der ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz, der Kunsthändler und Mitbegründer der Villa Grisebach, Bernd Schultz, der ehemalige Wissenschaftssenator Christoph Stölzl, Kulturförderer Peter Raue, Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sowie als Schirmherrin Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller.

Ursprünglich war geplant, das Exilmuseum in einer alten Villa an der Fasanenstraße in Charlottenburg unterzubringen. Deshalb wurde der Mietvertrag mit dem dort beheimateten, ebenfalls privaten, Käthe-Kollwitz-Museum gekündigt. Es soll Ende 2019 ausziehen.

Das Haus in Charlottenburg gehört der „Stiftung Bernd Schultz in Erinnerung an Hans Pels-Leusden“. Der Kunsthändler war Gründer des Kollwitz-Museums, seine Sammlung bildet die Basis der Ausstellung. Schultz und Pels-Leusden gehörten auch zu den Gründern des Auktionshauses Grisebach. Die Schultz-Stiftung verlangte vom Käthe-Kollwitz-Museum nur eine Miete unterhalb von sechs Euro pro Quadratmeter.

Die Kündigung war zunächst von Misstönen und einem monatelangen Hin und Her begleitet. Schließlich sicherten Senat und Abgeordnetenhaus im März dieses Jahres die Zukunft des Kollwitz-Museums. Es kann in eine landeseigene Immobilie am Spandauer Damm, gegenüber dem Schloss Charlottenburg, ziehen.

Bei Kündigung und Umzug soll es bleiben, auch wenn das Exilmuseum nun gar nicht in den Räumen an der Fasanenstraße eingerichtet wird. Diese sollen umgebaut und an eine Kulturinstitution, etwa einen Verlag, vermietet werden, sagte Bernd Schultz der Morgenpost. Die Einnahmen sollen in das Exilmuseum fließen.

Diepgen befürwortet die Pläne für Umzug und Neubau

Eberhard Diepgen, Vorstandsvorsitzender des Käthe-Kollwitz-Museums und ehemaliger Regierender Bürgermeister unterstützt sowohl den Umzug als auch die Pläne, für das Exilmuseum einen Neubau zu errichten. Die neuen Räume am Spandauer Damm seien besser geeignet, betonte Diepgen. Allerdings muss vor einem Einzug des Museums das jetzt dort untergebrachte Depot der Akademie der Künste ausgezogen sein. Dann muss renoviert und die Technik erneuert werden. Der Zeitplan ist eng.

Allerdings sagte Bernd Schultz im Gespräch mit der Morgenpost, er wolle niemanden zeitlich drängen. Der Neubau für das Exilmuseum sei ein auf fünf bis sieben Jahre angelegtes Projekt. Sollten die neuen Räume nicht am 31. Dezember 2019 bezugsfertig sein, besteht also gute Hoffnung auf einen Aufschub.

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