Bühne

„Jedermann“ mit neuem Text und anderer Melodie

Mit „jedermann (stirbt)“, einer Überschreibung des Hofmannsthal-Stücks durch Ferdinand Schmalz, werden die Autorentheatertage eröffnet.

 Alle schauen aus der Röhre: Sebastian Wendelin, Oliver Stokowski,  Elisabeth Augustin, Markus Hering, Markus Meyer  und  Mavie Hörbiger (v.l.) in „jedermann (stirbt)“

Alle schauen aus der Röhre: Sebastian Wendelin, Oliver Stokowski, Elisabeth Augustin, Markus Hering, Markus Meyer und Mavie Hörbiger (v.l.) in „jedermann (stirbt)“

Foto: Georg Soulek/Burgtheater

Berlin. „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“ – das Zitat stammt zwar aus Goethes „Faust“, scheint aber ein zen­traler Gedanke des Regieteams von „jedermann (stirbt)“ gewesen zu sein. Mit der gleichnamigen Burgtheater-Inszenierung von Stefan Bachmann wurden am Dienstagabend die diesjährigen Autorentheatertage des Deutschen Theaters eröffnet. Ein vielversprechender Auftakt.

Ein bisschen verwandt sind die Klassiker von Goethe und Hofmannsthal schon, dessen „Jedermann“ liegt der Überschreibung des österreichischen Dramatikers Ferdinand Schmalz zugrunde. In beiden Stücken tritt Gott persönlich auf und lässt sich auf einen Seelenstreit mit dem Teufel ein. „Deal“ würde man heute sagen. Für die moderne Variante des „Spiels vom Sterben des reichen Mannes“ hat Olaf Altmann eines seiner wunderbaren Bühnenbilder gebaut: Eine goldglänzende Wand verweigert die Bühnentiefe, im Zentrum ist eine drehbare Röhre angebracht, in die sich gelegentlich das ganze Ensemble quetscht. Das wird von Esther Geremus mit grün-gelb-ockerfarbenen Jacken und einem Dirndl, goldenen Lederhosen und blonden Perücken ausgestattet. Zum Schluss, wenn der Tod mit der glänzenden Sense kommt, um den reichen Mann abzuholen, sind die Kleidungsstücke und Haare, zum Anlass passend, schwarz.

Ferdinand Schmalz, ein Künstlername, geboren 1985 in Graz, in Wien lebend, zählt zu den großen Nachwuchsdramatiker-Hoffnungen. 2017 gewann er den Ingeborg-Bachmann-Preis. Durch seine kunstvolle, schwarzhumorig grundierte Sprache zieht sich der Wiener Schmäh.

Das „fickende geld“ vermehrt sich

So richtig genießen kann man seine Überschreibung erst, wenn man den etwas sperrigen, vom hohen Ton durchzogenen Originaltext schon mal auf einer Bühne gehört hat. Da treten bekanntlich nicht nur Tod und Teufel, sondern auch Spielleute, Knechte, Buben, junge Fräuleins, Glaube, Werke, Mönch und Engel auf. Schmalz hat das Personal ordentlich reduziert und als Ort der Handlung vorgegeben: „das stück spielt in keinem garten nahe wien, der von keinem zaun umgeben, in dem keine exotischen gewächse sich ranken...“ – klar, dass genau das Gegenteil von den Figuren im Stück behauptet wird. Jedermann macht bei Markus Hering einen auf dicker Macker, der sich durch seine Art des Investierens Seitensprünge und ein goldrauschendes Fest erlauben kann. Mögen die Banken auch marode sein und die Kredite faul: So lange „fickendes geld“ sich vermehrt, ist die Welt für ihn in Ordnung.

Seinen beiden von ihm finanziell abhängigen Vettern hält er genüsslich vor, dass dem Gläubiger bei Nicht­begleichung der Außenstände Fleisch aus dem Körper des Schuldners zusteht und lässt sie – knallchargenartig gespielt von Markus Meyer und Sebastian Wendelin – zappeln.

Regisseur Bachmann vertraut seinem bestens aufgelegten Ensemble, darunter auch Mavie Hörbiger und Oliver Stokowski, das mal chorisch spricht, mal fast musicalmäßig zur Livemusik singt. So kann es gern weitergehen bei den Autorentheatertagen.

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