Nach Wiedereröffnung

Eine Übergangssaison im Baustaub an der Staatsoper

Erst im Dezember konnte der reguläre Betrieb beginnen. Produktionen aus dem Schiller Theater müssen für das neue Haus angepasst werden.

Matthias Schulz ist Intendant der Staatsoper

Matthias Schulz ist Intendant der Staatsoper

Foto: Reto Klar

Berlin.  Staatsopern-Intendant Matthias Schulz betont bei jeder Gelegenheit, dass man sich gerade erst im achten Monat nach der Wiedereröffnung der Staatsoper befindet. Hinter all dem Opernglanz, den es allabendlich vorzuzeigen gilt, wenn sich der Bühnenvorhang öffnet, ist im Arbeitsalltag noch vieles aufzuräumen. Statt drei Jahre, wie ursprünglich geplant, musste das Ensemble sieben Jahre in der Ausweichspielstätte Schiller Theater bleiben. Und auch die Wiedereröffnung der sanierten Staatsoper Unter den Linden konnte nur in Raten geschehen: Nach der feierlichen Eröffnung am 3. Oktober 2017 wurde das Haus wieder geschlossen, erst im Dezember konnte der reguläre Spielbetrieb aufgenommen werden. Es bleibt eine Übergangssaison im Baustaub.

„Viele Produktionen kommen zurück aus dem Schiller Theater“, sagt Schulz, der seit April als Intendant firmiert. „Die Produktionen müssen an die technischen Bedingungen des sanierten Hauses angepasst werden. Ich denke, dass am Ende zwei Drittel der Produktionen in der Staatsoper wieder erlebbar sind. Es kommen aber auch Repertoire-Stücke zurück, die gar nicht im Schiller Theater gespielt werden konnten, wie Bizets ,Carmen‘ oder Debussys ,Pelleas und Melisande‘, was wir kürzlich wieder aufgenommen haben.“

Der Spielbetrieb wird Stück für Stück hochgefahren. „In diesem Jahr haben wir schon über 145 Vorstellungen im großen Saal. Dazu kommen die Konzerte der Staatskapelle Berlin“, sagt Schulz: „Es ist schwer, eine konkrete Vorstellungszahl zu nennen. Daniel Barenboim und mir ist es wichtig, dass man zwischen Repertoirevorstellungen und Neuproduktionen möglichst keinen Unterschied in der künstlerischen Qualität bemerkt. Das kostet extra Zeit. Wir glauben, dass sich der richtige Rhythmus in der Saison 2020/21 einpendeln wird.“

Für die Staatsoper sei es sehr wichtig, so Schulz, „auch als Innovationskraftwerk zu arbeiten. Eine Uraufführung pro Jahr trauen wir uns zu, aber das Angebot insgesamt muss immer eine gute Mischung bleiben.“ Im Zentrum stehen die Werke von Richard Wagner, Richard Strauss und natürlich Wolfgang Amadeus Mozart.

Die langen Jahre im kleineren Schiller Theater haben ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur im Künstlerischen, auch im Personellen. Viele Mitarbeiter kamen in der Zwischenzeit neu hinzu und kannten die alte Staatsoper überhaupt nicht mehr. „Im Vergleich zum Schiller Theater braucht man in der Staatsoper Unter den Linden schon ein paar Techniker mehr“, erklärt der Intendant. „Aber es sind gar nicht so viele, wie man denkt. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Aufgabenstellungen verschoben haben. Einige Techniker müssen geradezu einen neuen Beruf erlernen, die Aufgabe verschiebt sich mehr in Richtung Programmierung anstelle von reiner Muskelkraft. Oper ist heute auch eine Frage von Know-how.“

Historisches Zentrum Berlins „extrem wichtig“ für Staatsoper

Schulz war als Chef vom Mozarteum Salzburg nach Berlin gewechselt. Für die Marke seines neuen Hauses hat er klare Vorstellungen. „Was ich extrem wichtig finde für die Staatsoper, ist, dass sie sich im historischen Zentrums Berlin befindet. Der Ort spiegelt die Geschichte Preußens, der DDR wider und ist heute ein Zentrum Europas. Und obwohl es ein historischer Ort ist, geschieht rundherum alles neu. In dem Umfeld muss sich die Staatsoper positionieren. Das Haus verfügt über den Charme seiner 275-jährigen Geschichte, zugleich ist seine Technik hochmodern.“

Für die kommende Saison sind sieben Premieren, darunter zwei Uraufführungen angekündigt. Es gibt neue Formate wie die Barocktage im November und zugleich werden etablierte Formate wie die Festtage weitergeführt. „Es ist wichtig, dass die Oper zugänglich bleibt“, sagt Schulz: „Dazu gehört die ,Staatsoper für alle‘, zu der alljährlich Zehntausende auf den Bebelplatz kommen.“ Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit. Die Staatskapelle spielt am Sonnabend ab 12 Uhr unter Leitung Barenboims ein Open-Air-Konzert. Am Sonntag wird die Opernpremiere von Verdis „Macbeth“ aus dem Haus ab 18 Uhr live auf den Platz übertragen. Es ist ein Starauflauf mit Anna Netrebko und Placido Domingo.

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