Sanierung

Berliner Staatsoper wird erneut um Millionen teurer

Noch immer ist die Staatsoper nicht fertig. Die Bauarbeiten verschlingen abermals mehr Geld. Normalbetrieb ist noch nicht möglich.

Am 3. Oktober 2017 wurde die Staatsoper Unter den Linden feierlich eröffnet – und danach wieder geschlossen. Es standen noch Arbeiten an

Am 3. Oktober 2017 wurde die Staatsoper Unter den Linden feierlich eröffnet – und danach wieder geschlossen. Es standen noch Arbeiten an

Foto: Sergej Glanze

Berlin.  Das Kartenbüro der Staatsoper Unter den Linden ist immer noch in einem Container ausgelagert. Erst ab der kommenden Spielzeit wird es wieder im Haus untergebracht sein. Auch die Bühnentechnik läuft noch nicht rund – es gibt nach wie vor Probleme mit dem Drehmechanismus. Und bezüglich der Obermaschinerie sollen in diesem Sommer noch einmal Techniker anrücken, um die Arbeiten an der Anlage endlich abzuschließen. Ab der nächsten Spielzeit ist sie dann in den Inszenierungen komplett verwendbar. Dass die Staatsoper Unter den Linden noch immer nicht gänzlich fertiggestellt ist, bleibt Besuchern und Musikern nicht verborgen. Berlins Haushältern auch nicht.

Weil Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sich Ende Mai in eine dreimonatige Auszeit in ihre Heimat, die Schweiz, verabschiedet hat, fiel ihrem Amtskollegen Sebastian Scheel (Linke), Staatssekretär für Wohnen, die unangenehme Aufgabe zu, den Abgeordneten im Hauptausschuss zur Kenntnis zu geben, dass die Problembaustelle Staatsoper Unter den Linden immer noch weitere Kosten verursacht. Und das, obwohl der Regelbetrieb seit einem guten halben Jahr, seit dem 7. Dezember 2017, läuft. Der Hauptausschuss nimmt „die Erhöhung der bisherigen Gesamtkosten von 400 Millionen Euro auf 439,5 Millionen Euro zustimmend zur Kenntnis“, heißt es in der Vorlage der Bauverwaltung mit der roten Nummer 1321, die Scheel den Parlamentariern am Mittwoch präsentierte.

440 Millionen Euro – und weitere Mehrkosten drohen

Ob es bei den erneuten Mehrkosten von gut 40 Millionen Euro bleibt, ist unwahrscheinlich: Weil viele Arbeiten noch nicht beendet sind und die Schlussabrechnung noch aussteht, ist mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen. „In der Ausschusssitzung hat uns Herr Scheel über noch nicht bestätigte Mehrkosten in Höhe von fünf Millionen Euro informiert, die seine Verwaltung für noch offene Fälle zurückstellen möchte“, sagte Sibylle Meister, FDP-Sprecherin für Finanzen, der Berliner Morgenpost am Sonntag. „Ob es bei dieser Summe bleibt, da setze ich ein großes Fragezeichen dahinter“, so die Sprecherin weiter.

Zur Erinnerung: Bei Sanierungsbeginn 2010 waren 242 Millionen Euro veranschlagt worden. In der Vorlage der Bauverwaltung wird nun akribisch aufgelistet, was alles dazu geführt hat, dass insgesamt drei „Ergänzungsunterlagen“ nötig waren, um die immer neue Kostensteigerungen abzubilden. So listet die Behörde auf, welche Faktoren dafür verantwortlich waren, dass zwei Jahre nach Baubeginn die Kosten um 54 Millionen Euro nach oben korrigiert werden mussten, 2014 dann um weitere 103,6 Millionen und in diesem Jahr dann schließlich noch einmal um 39,5 Millionen Euro. In der aktuellen, der dritten „Ergänzungsunterlage“ werden beispielsweise noch Mehrkosten für die „Abdichtung Oper“ in Höhe von 1,6 Millionen Euro angegeben, obwohl für diese 2012 bereits 4,7 und 2014 8,6 Millionen Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Planung aufgelaufen waren.

„Noch Restleistungen erforderlich“

In der Anlage „Risikoanalyse“ ist ein erhöhtes Risiko für weitere Kostensteigerungen verzeichnet, denn „das Ausmaß und die notwendigen Aufwendungen, welche im Rahmen der Sanierung des Ringkanals entstehen, sind derzeit aufgrund der Unzugänglichkeit dieses unterirdischen, mit TGA-Kanälen“ (Technische Gebäude Ausrüstung, Anm. der Redaktion) „verbauten Bereichs im Detail nicht zu beziffern“. Ähnlich sieht es bei den Kosten für die Ausbaugewerke aus, die sich gegenüber den ursprünglichen Annahmen 2014 um 7,5 Millionen, 2018 dann um weitere 3,5 Millionen Euro steigerten. Das Risiko sei hier „etwas erhöht“, dass weitere Kosten drohen: „Bis zum Abschluss der Maßnahme sind noch Restleistungen erforderlich, deren Abarbeitung sich wahrscheinlich bis zum Ende des Jahres 2018 hinziehen wird.“

In der Mitteilung der Baubehörde wird als eine der Hauptursachen für die steigenden Baukosten der schlechte Zustand der historischen Bausubstanz genannt. Das Opernhaus war 1742 eröffnet, mehrfach zerstört, wiederaufgebaut und saniert worden. Während der Sanierungsarbeiten war man auf zahlreiche Schwierigkeiten gestoßen. 2011 wurde zunächst ein Tresorraum unter der Staatsoper gefunden, den man dort nicht vermutet hatte. Ein Jahr später stießen die Bauleute im Untergrund auf morsche Holzpfähle, die Umplanungen des Fundaments erforderten, was wiederum zu einer einjährigen Verzögerung führte. Insgesamt verlängerte sich die Sanierungsdauer von drei auf sieben Jahre.

Die wesentlichen Verteuerungen, die sich aus dem katastrophalen Bauablauf ergeben haben, waren bereits im 2015 eingesetzten parlamentarischen Untersuchungsausschuss über die „Ursachen, Konsequenzen und Verantwortung für die Kosten- und Terminüberschreitungen bei der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden“ aufgearbeitet worden, der Mitte 2016 seinen Abschlussbericht vorlegte.

Neben den bereits beschriebenen „Unwägbarkeiten des historischen Baubestandes führte insbesondere die 2014 eingetretene Insolvenz des bis dato tätigen Generalplanungsbüros für die technischen Anlagen zu so gravierenden Lücken im weiteren Planungsprozess, dass deren Folgen erst in der Ausführungsphase des komplexen technischen Innenausbaus in den Jahren 2016 und 2017 zu Tage traten“, heißt es in dem am Mittwoch vorgelegten Bericht.

Nach der Wiedereröffnung sofort wieder zu - für Bauarbeiten

Zu den darüber hinaus noch aufgetretenen Mehrkosten hat auch die Wiederöffnung der Staatsoper selbst beigetragen. Das Haus wurde dem Ensemble auf den letzten Drücker übergeben – und nur auf Raten. Denn nach der Wiedereröffnung am 3. Oktober 2017 wurde das Haus wieder geschlossen. Den regulären Spielbetrieb konnte die Staatsoper erst ab 7. Dezember aufnehmen. Aus dieser erneut verlängerten Bauzeit und den „Beschleunigungsmaßnahmen zur Sicherung des Fertigstellungstermins sowie für die Durchführung von Restleistungen“ werden Mehrkosten von 2,8 Millionen Euro angesetzt. „Die Eröffnung 2017 war jedoch alternativlos“, sagt der CDU-Haushaltsexperte Christian Goiny. Eine weitere einjährige Verzögerung hätte neue Kosten verursacht.

„Entscheidend ist, dass der Senat nun Konsequenzen aus dem Baudesaster für kommende Bauvorhaben zieht“, fordert Goiny. Denn die nächste Opernsanierung in Berlin steht bereits an. Die Generalsanierung der Komischen Oper in Mitte ist für die Zeit von 2022 bis 2027 geplant. „Jetzt kommt es darauf an, solche Großbauvorhaben besser vorzuplanen, die Kosten gleich zu Baubeginn ehrlich zu ermitteln und kostensteigernde Planungsänderungen im Bauablauf zu unterbinden“, sagt Goiny. Im vergangenen Jahr prognostizierte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) für die Komische Oper einen „Finanzierungsbedarf in Höhe von 200 Millionen Euro“.

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