Das Programm nähert sich bereits dem Ende. Da hat der Berliner Sänger Klaus Hoffmann, der mit seinem Programm „Leise Zeichen“ gerade zurückgekehrt ist in die Bar jeder Vernunft, nach mehr als zwei Stunden voller bewegender Lieder und launiger Erzählungen eine späte Überraschung parat. Er bittet den griechischen Sänger Michail Sicas auf die Bühne und gemeinsam singen sie „Als wenn es gar nichts wär“ und „Morjen Berlin“. Der eine auf Deutsch, der andere auf Griechisch. Und durch die fremde Sprache entwickeln die Lieder ein völlig neues Eigenleben.

Sicas, der in der Schweiz lebende Sänger und Schauspieler, ist seit vielen Jahren ein großer Bewunderer von Klaus Hoffmann. Und ebenso lange beschäftigte ihn die Idee, Hoffmanns Lieder ins Griechische zu übertragen, was sich zunächst ob der so unterschiedlichen Sprachen als langwierige Unternehmung erwies. Im Herbst vergangenen Jahres aber nahm das ambitionierte Projekt Form an und mit „Se Arhaio Nero“ veröffentlichte Michail Sicas ein Album mit 13 Hoffmann-Liedern voll mediterraner Melancholie, darunter auch „Blinde Katharina“, das in seiner Version klingt, als wäre es schon immer ein Klassiker der griechischen Musik gewesen.

Warum er denn auf die Idee gekommen sei, ausgerechnet seine Lieder zu singen, will Hoffmann auf der Bühne wissen. Sicas antwortet, so wie für Hoffmann Jacques Brel zu einer Art Ziehvater geworden ist, sei Hoffmann für ihn, einen Vertreter der jüngeren Generation, zum großen Vorbild geworden. Bei „Als wenn es gar nichts wär“ wechseln sie sich gegenseitig bei den Strophen ab, meistern es auch, den Refrain zweisprachig zu singen. Eine faszinierende Kombination. Mächtig braust Applaus auf für diese ungewöhnliche Einlage, von der so mancher im Publikum gern noch mehr gehört hätte. Im Alleingang lenkt Klaus Hoffmann, wie stets hochversiert begleitet von Pianist Hawo Bleich, den Abend Richtung Finale.

Hoffmann setzt gefühlvolle Passagen gegen komödiantische Elemente

Mit dem treibenden „So lang her“, einer stakkatohaften Reminiszenz an die wilden Siebziger Jahre, hatte Hoffmann seine One-Man-Show eröffnet. Er erzählt viel vom Leben in Berlin, von seiner Jugend in den 50er-Jahren, vom Sturm und Drang der Sechziger - und vom Jacques Loussier-Konzert in der Berliner Philharmonie, stilecht untermalt von Pianist Hawo Bleich. Gern kokettiert der 65-Jährige mit seinem Alter, das man ihm natürlich längst nicht ansieht. Er plaudert pointiert, ironisch und in gespielter Schusseligkeit von den Zeiten, die seine Lieder geprägt haben.

Den „Kreuzberger Walzer“ singt er und „Weil Du nicht bist wie alle andern“, „Die Stadt hat heute dein Gesicht“ und natürlich „Blinde Katharina“. Aber auch „Lass mich bei dir sein“ von Hildegard Knef, „Sie“ von Charles Aznavour und „Amsterdam“ und „Frida“ von Jacques Brel. Dazu viele neue Lieder, wie das barjazzverliebte „Es regnet immer auf Sylt“ und das sehnsuchtsvolle „Ich hätte so gern diesen Walzer mit ihr getanzt“. Immer ist er ganz nah am Publikum, setzt geschickt gefühlvolle Passagen gegen komödiantische Elemente.

Das Publikum dankt mit regem Zwischenapplaus, singt bei manchen Refrains textsicher mit. Ein Vollblut-Entertainer, der es auch versteht, anfängliche Tücken der Bühnentechnik lässig ins Programm einzubinden. Und als sei das alles nicht genug, überrascht er dann auch noch mit Bühnengast Michail Sicas, allerdings nur an diesem Premierenabend. „Mein Weg“ gibt es, fast schon traditionell, als allerletzte Zugabe. Noch bis zum Sonntag kann man Klaus Hoffmanns „Leise Zeichen“ live in der Bar jeder Vernunft erleben.

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