Film

Wenn aus Spiel blutiger Ernst wird: "Game Night"

Gesellschaftsspiele erleben derzeit eine Renaissance, dies ist der Film zum Trend. Wobei das Spiel hier gehörig aus dem Ruder läuft.

Es sollte ein netter Spieleband werden. Max (Jason Bateman, 2.v.r.), Annie (Rachel McAdams, r.) mit ihren Freunden

Es sollte ein netter Spieleband werden. Max (Jason Bateman, 2.v.r.), Annie (Rachel McAdams, r.) mit ihren Freunden

Foto: - / dpa

Ob "Mensch ärger dich nicht" oder "Monopoly": Gesellschaftsspiele bieten Familien die Möglichkeit, sich gemeinsam die Zeit zu vertreiben. Mit ihnen lassen sich auch unterschwellige Konflikte untereinander spielerisch austragen und bestenfalls lösen.

In den letzten Jahren, wohl auch als Gegenbewegung zum üblichen Freizeitspaß in digitalen Welten, erlebt das Gesellschaftsspiel auch außerhalb von Familien eine Renaissance. Menschen um die 30 probieren im Freundeskreis das "Spiel des Jahres" aus, selbst in Kneipen stapeln sich neuerdings Brettspiele. "Game Night" ist nun sowas wie der Film zum Trend.

Das Ritual produziert schnell Außenseiter

Über ihre Leidenschaft fürs Spielen lernen sich Max (Jason Bateman) und Annie (Rachel McAdams) kennen und lieben. Bald lädt das solide verdienende Pärchen seinen festen Freundeskreis regelmäßig zum gemeinsamen Spielabend in ihr Mittelstandshäuschen ein. Doch schnell stellt sich heraus, dass dieses Ritual auch Außenseiter produziert. Der Nachbar Gary (Jesse Plemons), ein psychopathisch anmutender Polizist, wird etwa nicht mehr eingeladen, seit sich seine Freundin von ihm getrennt hat.

Max' neureicher Bruder Brooks (Kyle Chandler) lädt sich dagegen einfach selbst zum Mitspielen ein, was ihm aber in erster Linie dazu dient, sich seinem jüngeren Bruder gegenüber einmal mehr als der Überlegene zu produzieren. Und so kann er es auch nicht lassen, für den nächsten Spielabend zu sich nach Hause einzuladen.

Ein Spiel um Leben und Tod

Dort wartet dann ein aufwendig inszeniertes Live Alternate Reality Game auf Max, Annie und ihre Freunde. Brooks prahlt damit, echte Schauspieler als Gangster und FBI-Agenten engagiert zu haben, um einen Fall darzustellen, der gemeinsam gelöst werden muss. Prompt stürmen Einbrecher das Haus, entführen Brooks und die enthusiastischen Spieler brauchen eine Weile, bis sie begreifen, dass hier aus dem Spiel gerade ernste Realität geworden ist.

Tatsächlich hatte sich Brooks mit windigen Geschäften Feinde gemacht. Mit einem Mal geht es nicht mehr um ein harmloses Spiel oder darum, welcher Bruder der erfolgreichere ist. Es geht um Leben und Tod.

Das klingt etwas bemüht konstruiert und irgendwann gerät die nächste überraschende Wendung auch in Gefahr, den Geduldsfaden des Publikums zu überdehnen. Doch letztlich ist dem Regie-Duo John Francis Daley und Jonathan Goldstein, das schon mit dem Drehbuch von "Spider-Man: Homecoming" Aufmerksamkeit erregte, hier ein erstaunlicher Mix aus Komödie, deftigem Thriller und Gesellschaftssatire gelungen. Vom vergnügt aufspielenden Ensemble getragen, wird einer reichlich spießbürgerlichen Fassade mancher Kratzer zugefügt und letztlich auch der Zuschauer herausgefordert, seine vorschnell verteilten Sympathien ein ums andere Mal zu hinterfragen.

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