Film

Körpertausch als Bilderrausch: „Your Name“

„Your Name“ aus Japan ist weltweit das erfolgreichste Anime. Bei uns ist es nur an zwei Tagen zu sehen. Man sollte es nicht verpassen.

Ein Mädchen auf dem Land hat genug von der Enge des dörflichen Lebens und sehnt sich nach dem Trubel einer großen Stadt. „Lass mich als Junge in Tokio aufwachen“, schreit sie eines Abends frustriert in die idyllische Landschaft. Denn davon hat sie geträumt: mit Freunden in Cafés herumsitzen, U-Bahnfahren, sich durch Fußgängermassen drängen. Und so verwirrend das war, so sehr hat sie die Abwechslung genossen. Doch dann mehren sich Hinweise, dass das gar kein Traum war, sondern dass Mitshua tatsächlich im Körper eines Jungen in Tokio namens Taki aufgewacht ist - und gleichzeitig Taki schon ganze Tage in ihrem Körper verbracht hat.

„Du warst gestern vollkommen verrückt!“, sagen Freunde ihr auf dem Schulweg. „Plötzlich wusstest du nicht mehr, wo dein Schließfach war“, werfen Kumpels Taki vor. Der Körpertausch findet offenbar nur tageweise und zufällig statt. Mitshua und Taki müssen Wege finden, das Chaos in den Griff zu bekommen.

Grandiose visuelle Gestaltung

Die Prämisse des Animefilms von Makoto Shinkai ruft förmlich nach einem Remake als US- „Romcom“. Die Zahlen sprechen für sich: „Your Name“ ist eine der größten Kassenhits in Japan und weltweit das erfolgreichste Anime aller Zeiten. Weshalb man die rare Gelegenheit nutzen sollte, den Film bei den einzigen Aufführungsterminen 11. und 14. Januar anzusehen. Denn genauso absehbar ist, was alles wegfallen wird im wahrscheinlichen Remake.

Da wäre zuvorderst die einmalige visuelle Gestaltung, die sich am Stil früherer handgezeichneter Animation orientiert, in der Stadt und Land gleichermaßen realistisch und zauberhaft erscheinen. Und da wäre der Charme einer Geschichte, die die üblichen Slapstick-Momente einer Körper- und Geschlechtertauschkomödie umgeht und stattdessen davon erzählt, wie Mitshua und Taki lernen, einander zu helfen in ihren gegensätzlichen Leben – und wie auf die Wei­se eine Freundschaft entsteht, die Sehnsucht nach mehr weckt.

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