Wenn Alison Moyet singt, hat man das Gefühl, sie stehe direkt neben einem. So voluminös, so umfangreich, so kraftvoll ist ihre Stimme. Das Konzert in Huxley’s Neue Welt am Montagabend ist ausverkauft. Schaut man sich um, sieht man vor allen Dingen Ü50er - die weibliche Fraktion trägt gerne Kurzhaarschnitt, während die männliche zu Brille und Bart tendiert. Es sind die Kinder der 80er.
Wenn man sonst in dieser Altersklasse gerne mal den von Olli Schulz definierten „Mutti-Dance“ sieht, der ein lustiges Auf- und Abwippen auf die Eins und Drei des Takts, mal nach links, mal nach rechts, beschreibt, dann wird man hier überrascht. Während die Männer nickend vor sich hin grinsen, tanzen die Damen miteinander, inklusive Ausfallschritt und „Bodyshake“ zu dem teils harten Techno-Beat.
Als Sängerin der Pop-Band Yazoo hatte Alison Moyet vor allen Dingen gemeinsam mit Ex-Depeche-Mode-Keyboarder Vince Clarke in den früheren Achtzigern ihren Erfolg. Das Debüt-Album erreichte Platin-Status in Großbritannien und den Staaten, das zweite Album „You And Me Both“ Gold in ihrer englischen Heimat.
Damals gab sie dem Synthie-Pop mit ihrer dunklen, außergewöhnlich tiefen Stimme die fehlende Wärme. Als das Duo sich wegen musikalischer Differenzen trennte, begann sie eine Solokarriere, die nun bereits seit mehr als 25 Jahren dauert und ihr den Ruf als eine der bedeutendsten Sängerinnen Großbritanniens verschafft hat.
Völlig zurecht, wie sie an diesem Abend unter Beweis stellt. Moyet im gleichen Atemzug mit Adele und Beyonce zu nennen, ist keinesfalls übertrieben, auch wenn sich das musikalische Arrangement der Drei deutlich unterscheidet.
Zurück in der Welt der Synthesizer
Nach Ausflügen in den Blues, dem Jazz und Pop, mit Wurzeln im Punk, ist sie nun wieder zurück in der Welt der Synthesizer. Inhaltlich beschäftigt sich Moyet in ihrem aktuellen Album „Other“ mit Legasthenie, Locked-In-Syndrom, Persephone, Hartnäckigkeit und dem Internet, wie sie erzählt. Obwohl ihre Songs modern interpretiert sind und vor allem von elektronischen Klängen getragen werden, schafft Moyet es, weder in der Achtziger-Jahre-Hitparade stecken zu bleiben, noch sich ein jugendliches Gewand überzuziehen, das an allen Ecken kneift. Im Gegenteil, ihr gelingt es, 2017 und 1984 – das Erscheinungsjahr des ersten Solo-Album „Alf“ - zu vereinen. Zu kühlen, elektronischen, mäandernden Sounds, schürt Alison Moyet mit der bluesigen Stimme und dem scheinbar welt-umarmenden-großen Vibrato die Emotionen.
„The Sharpest Cover“ beginnt mit verzerrter Gitarre, diesmal klingt Moyets Stimme kratzig, um dann mit einen wummernden Techno-Beat zu brechen. Der Klang ist so ausgefeilt und raumfüllend, dass man überrascht ist, wenn man auf der Bühne nur zwei Musiker neben der Britin sieht. Abwechselnd spielen John Garden und Shaun McGhee Synthesizer, Drums und Konzert-Gitarre, E-Gitarre, Bass und Piano. Bei „All Cried Out“ brilliert McGhee mit einem berührenden, starken Falsett. Für einen Song stiehlt der Mann im Pullunder Moyet die Show.
Mit ihrem größten Yazoo-Hit, „Don’t Go“, gibt Alison Moyet ihre letzte Zugabe. Nur der quäkende Synthesizer-Sound des Themass ist original erhalten geblieben und sorgt für hohen Wiedererkennungswert, der Rest wurde dem neuen Sound angepasst. Anhaltender Applaus würdigt den Auftritt der Britin.





