Musik-Festival

Diese „Lollapalooza“-Auftritte sollte man nicht verpassen

Am Wochenende treten im Treptower Park knapp 50 Bands auf vier Bühnen auf. Wir stellen ausgewählte Künstler vor, die sich lohnen.

Das Logo des Lollapalooza Festivals

Das Logo des Lollapalooza Festivals

Foto: Gregor Fischer / dpa

Am Wochenende findet zum zweiten Mal das amerikanische Festival „Lollapalooza“ in Berlin statt. 70.000 Menschen werden pro Tag im Treptower Park erwartet. Das Festival in Berlin folgt der Tradition des amerikanischen Vorbilds und ist eine Mischung aus Musik, Essen, Streetart und Mode. Die Anwohner protestieren gegen das Festival, befürchten sie doch, dass die Musik zu laut wird und der Tretpower Park unter den zahlreichen Besuchern leiden wird. Am künstlerischen Angebot gibt es weniger Kritik. Auf vier Bühnen spielen knapp 50 Künstler, wir stellen die vielversprechendsten Auftritte vor.

James Blake – Der Überflieger

James Blake ist ein Ausnahmekünstler. Er kombiniert Dubstep mit Versatzstücken aus Klassik und Pop, seine Musik hat so gar nichts mit gängiger Chartsmusik gemein. Oftmals erschließen sich die Melodien erst nach dem zweiten oder dritten Hören. Manch ein Kritiker widmete James Blake auch schon mal ein eigenes Genre: Den Post-Dubstep. 2016 veröffentlichte der Brite nun sein neues Album „The Colour is Anything“, das zusammen mit Produzent Rick Rubins entstand. Das Album, mit dem er auch in Berlin auftreten wird, hält, was es verspricht: triefendes Gefühlsopium, todtraurige Zeilen. James Blake entwickelt sich zum Wunderkind dieser Zeit.

New Order – Die Oldies

Fans und Kritiker hatten kaum noch damit gerechnet. Nach 10 Jahren veröffentlichten New Order 2015 ein neues Album, „Music Complete“. Der Sound klingt wie eine Zusammenfassung aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte. 1980 von Gillian Gilbert und den drei Überlebenden von Joy Division nach dem Freitod ihres Sängers Ian Curtis gegründet, hat die britische Band in den vergangenen Jahren die Brücke zwischen Post-Punk und Dance geschlagen, Musikgeschichte geschrieben und mit „Blue Monday“ die bis heute erfolgreichste Maxi-Single aller Zeiten veröffentlich. Zwischendurch trennte sich die Band, dann folgte die Wiedervereinigung, wenngleich ohne Bassist Peter Hook. 2012 beim Konzert im Tempodrom konnte Bernard Sumners Stimme nicht immer so hoch, wie sie wollte. Aber New Order haben schon immer über Rhythmus und Wiederholung funktioniert.

Aurora – Die Newcomerin

Die Singer-Songwriterin Aurora Aksnes schreibt Songs, seit sie neun Jahre alt ist und wuchs in den norwegischen Bergen auf. Ihre Musik ist gefühlvoll, beinahe düster. Bekannt wurde die 20-Jährige durch den Song „Running with the Wolves“, der Vodafones Hintergrundmusik wurde. Nach ihrem Auftritt beim CMJ Music Marathon 2013 nannte die „New York Times“ sie eine der „bemerkenswertesten Newcomer“. Jetzt ist sie mit einem neuen Album unterwegs, das sich zwischen den Kosmen des Indie und Mainstream bewegt. Während die Begleitung zwischen sanften, minimalistischen und opulenten Klängen wechselt, bleibt ihre Stimme hinreißend, schafft magische Momente.

Kings of Leon - Die Prinzen

14 Jahre lang reiste die Familie quer durch die USA, von Oklahoma City nach Memphis. Kirche prägte das Leben der Folowills. Dort sammelten sie auch ihre ersten musikalischen Erfahrungen, bis die Söhne eines Predigers, Caleb, Nathan, Jared und Cousin Matthew, sich 2000 entschlossen die Band Kings of Leon ins Leben zu rufen. Der Sound ist wuchtig, Rock’n’Roll mit Grunge-Elementen. Das Debütalbum „Youth and Young Manhood“ folgte drei Jahre später und wurde in England und Irland ein Riesenhit. Der „NME“ attestierte der Platte gar das Attribut „bestes Debüt der letzten 10 Jahre“. 2008 traten die Vier dann als Headliner beim Glastonbury Festival auf. Noch im gleichen Jahr erschien Only By The Night, das Album wurde mehrfach mit Platin ausgezeichnet, führte die Charts an. Am Freitag soll die neue Single, „Waste A Moment“ veröffentlicht werden. Das siebte Album soll im Oktober folgen, teilte die Band via Facebook mit. Man darf gespannt sein, inwiefern die Band ihrem jugendlichem Rock treu geblieben ist.

Radiohead - Die Unvergessenen

Sie führen das Line-up des diesjährigen Lollapalooza an. 1985 gegründet, schrieben Radiohead Erfolgsgeschichte mit einer Serie von Alben wie „OK Computer“, das als eines der besten Alben aller Zeiten gehandelt wird. Auch der Hit „Creep“ wird wohl unvergessen bleiben. Ihr aktuelles Album „A Moon Shaped Pool“ steht seit Frühling 2016 in den Läden. Die clevere Elektronik der letzten Jahre ist fast verschwunden, 2016 klingt Radiohead akustischer, klassischer, ruhiger. Besonders zum Ende der Platte hin. Der Auftritt beim Lollapalooza Festival wird Radioheads erster Auftritt hierzulande seit 2012 sein.

Beginner – Die Politischen

Aus der Deutsch-Rap-Szene sind sie nicht wegzudenken. Waren sie doch einst das Symbol für politischen Hip-Hop. Nachdem sie von 2004 bis 2011 ihre Live-Aktivitäten ruhen ließen, DJ Mad, Denyo und Eizi Eiz sich zwischendurch solo präsentierten, spielen „Beginner“ jetzt wieder gemeinsam. Auf ihrem neuen Album „Adcanced Chemistry“ finden sich Trap- und Cloud Rap-Einflüsse. Aber auch andere Genres haben den Sound mitgeprägt, von Pop bis Reggae. Dabei spulen sie – pflichtschuldig – einzelne politische Einzeiler ab.