Open-Air-Theater Berlin

Goethe, Lindgren, Shakespeare unter freiem Himmel

Im Monbijou Theater, im Naturpark Schöneberger Südgelände und in der Zitadelle Spandau werden leichte Klassiker aufgeführt.

Aufführung in Mitte: Das Monbijou Theater spielt im Sommer 2016 Stücke von Goethe und Shaespeare.

Aufführung in Mitte: Das Monbijou Theater spielt im Sommer 2016 Stücke von Goethe und Shaespeare.

Foto: Monbijou Theater/Bernd Schönberger

„Den Sommer, den muss jemand wecken“, singt Ida in der Produktion „Michel aus Lönneberga“ im Berliner Kindertheater nahe der Zitadelle Spandau. Bis jetzt hat das wohl niemand geschafft. Die Open-Air-Theater der Stadt zeigen jedoch auch bei herbstlichen Temperaturen ihr Programm. Wir stellen die sehenswerten Inszenierungen in der Stadt vor.

Monbijou Theater

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Stückes reicht die Schlange vor dem Monbijou Theater in Mitte einige Meter weit an der Tanzbar entlang. Die Tango tanzenden Pärchen sind eine gute Ablenkung und Einstimmung auf das Stück. Denn "Die Mitschuldigen" von Johann Wolfgang von Goethe erzählt von der Liebe. In gewisser Weise. Hauptfigur Söller lebt in diesem gemeinsam mit seiner Frau Sophie auf dem Wirtshof des Schwiegervaters. Die Ehe ist jedoch keine glückliche. Denn er ist spielsüchtig und dadurch hoch verschuldet. Sie schwärmt immer noch für ihre große Liebe Alcest. Als dieser aus dem Krieg zurückkommt und sie zu einer gemeinsamen Nacht überreden will, steckt Sophie in einem Dilemma. Söller unterdessen hat nur Alcests Vermögen im Sinn.

Die Inszenierung im Monbijou Theater zeichnet sich vor allem durch die fehlende vierte Wand aus. Das Publikum ist Teil des Stückes. So verteilt Söller gleich zu Beginn einige Bierflaschen unter den Gästen. Man ist ja schließlich im Wirtshaus. Von dem ernsten Goethe, den man aus Schultagen kennt, merkt man an diesem Abend kaum etwas. Vielmehr geht es um den Spaß. Das Publikum soll lachen. Und weil derbe Witze fast immer für einen Lacher sorgen, wird mit diesen nicht gespart.

"Die Mitschuldigen" im Monbijou Theater, Monbijoustraße 3b, bis 4. September,
19 oder 21 Uhr


Shakespeare Company

Die große Lokhalle mitten im Naturpark Schöneberger Südgelände wirkt auf den ersten Blick fehl am Platz. Man erwartet hier Bäume und unberührte Natur. Tatsächlich zeigt die Shakespeare Company auf der Freilichtbühne vor der Halle auch diesen Sommer die Klassiker des englischen Barden. "Macbeth!“ und "Was ihr wollt!“ dürfen dabei nicht fehlen. Die beiden Stücke könnten unterschiedlicher kaum sein. Mit "Macbeth!“ zeigte das Ensemble vergangene Woche eines der brutaleren Stücke William Shakespeares. In diesem tötet Macbeth den schottischen König, um selbst an die Macht zu kommen. Aufgrund der Paranoia, dass andere sein Geheimnis aufdecken, ermordet er auch mögliche Mitwisser und Konkurrenten. Einzig sein Rivale Macduff kann fliehen und plant, Macbeths Herrschaft zu beenden. Vor Beginn des Stückes warnen die Schauspieler die ersten beiden Reihen vor: hier kann das Theaterblut schon mal spritzen. Mal aus einer Wasserpistole, mal tauchen die Darsteller ihre Hände aber auch in einen Eimer davon ein.

Auf Blutvergießen verzichtet man hingegen in "Was ihr wollt!“. Hauptfigur Viola verkleidet sich in diesem Stück nach einem Schiffbruch als Mann. Sie lebt unter dem Namen Cesario auf der Insel Illyrien, um dem Herzog Orsino zu dienen. Es folgt eine Liebeskomödie voller Verwirrungen. Denn während sich Viola in den Herzog verliebt, schwärmt dessen Angebetete Olivia für Cesario alias Viola. Bemerkenswert in der Shakespeare Company sind vor allem die Stimmen der Darsteller. Denn ohne Mikrofon über eine vorbeifahrende S-Bahn zu sprechen erfordert ein beachtliches Stimmvolumen.

Auch die musikalische Untermalung der Stücke ist gelungen. Ziehharmonika, Geige und Chorgesang bestärken die lustigen Stellen. Gleichzeitig lockert die Musik die ernsteren Szenen etwas auf.

"Was ihr wollt" in der Shakespeare Company, Naturpark Schöneberger Südgelände,
16. bis 26. August, andere Vorstellungen bis 10. September, 19 oder 20 Uhr


Berliner Kinder Theater

Großstadt ist nicht der erste Begriff, der einem auf der Freilichtbühne nahe der Zitadelle Spandau einfällt. Vielmehr wirkt es wie ein Ausflug aufs Land. Dazu passend zeigt das Berliner Kinder Theater hier Astrid Lindgrens "Michel aus Lönneberga".

Die Geschichte von Michel aus dem schwedischen Ort Lönneberga, der ständig in Schwierigkeiten gerät und seiner Familie das Leben schwer macht, ist vielen Eltern wohl aus Kindheitstagen bekannt. So sind sie ebenso erfreut wie die Kinder, als die Titelmelodie der Fernsehserie aufgeführt wird. Ganz im Stile des Kasperletheaters wird mitgeklatscht und mitgerufen. Mit lautem „Hau Ruck“ wird Michel bei seiner Arbeit unterstützt. Highlight des Stückes: Michel betritt die Bühne auf einem echten Pferd. Zwar steht dieses nur wenige Minuten im Mittelpunkt und frisst ansonsten am Bühnenrand. Die Kinder finden es dennoch hörbar toll. Skurril wird es, als sie ihre Smartphones aus der Tasche holen, um Fotos vom Geschehen zu machen, spielt das Stück doch in einer Zeit ohne Handy und Internet und zelebriert das einfache Leben am Land.

Michel aus Lönneberga im Sommertheater des Berliner Kinder Theaters auf der
Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau,
Am Juliusturm 62, bis 11. September, 10.30, 15.30 oder 16 Uhr