5 Seconds of Summer

Für diese Band wollen Mädchen ihre Eltern verkaufen

Für 5 Seconds of Summer tun Teenie-Mädchen alles. Koste es was es wolle. Im Zweifel auch Mutter und Vater. Ein Konzertbesuch.

Michael Clifford, Frontmann von 5 Seconds Of Summer beim Konzert in der Mercedes-Benz-Arena

Michael Clifford, Frontmann von 5 Seconds Of Summer beim Konzert in der Mercedes-Benz-Arena

Foto: POP-EYE/Christian Behring / POP-EYE

Die hatten sich was vorgenommen. Vor fünf Jahren am College gegründet – damals nur mit Youtube-Videos und Coversongs – vor zwei Jahren dann die ersten eigenen Songs, ein paar Vorbandkonzerte, und jetzt die Mercedes-Benz Arena. Nur zur Erinnerung: Da passen 17.000 Menschen hinein, U2 und Adele treten hier auf. Jetzt eben auch 5 Seconds of Summer.

Die Boyband, die kaum jemand über 20 kennen dürfte, hat halt Ambitionen. Die vier Australier setzen auch auf ein bewährtes Prinzip. Teenies. Die kaufen ja nicht nur tausende Karten, sondern kreischen, lieben, weinen wie sonst wahrscheinlich nur ACDC-Fans, wenn die Altrocker es mal nach Deutschland schaffen. Trotzdem gelang es 5Sos, wie sie ganz neckisch von ihren Fans genannt werden, am Montag Abend nicht, die Halle zu füllen. Sie bleibt zur Hälfte leer, 5.000 sind nur gekommen, fast ausschließlich Mädels. Die kreischen dafür, als wäre jeder Platz in der Arena besetzt. Fast so wie damals bei Take That.

"I love you more than Pizza"

Schon bevor es los geht, wird sich langsam warm gequiekt. Die besten Freundinnen noch schnell gedrückt, ein paar Selfies geschossen, die Plakate schon in Position gebracht. „Michael, I love you more than Pizza and Free Wifi“ ist da zu lesen. Auf einem anderen steht „We´d sell our parents for you“. Das glaubt man den Plakathalterinnen sofort. Ein paar dieser Eltern, die zwar für die Band verkauft werden würden, heute aber ihre Kids begleiten müssen, sitzen ein bisschen müde dazwischen. Es wird nicht ihr Konzert. Sie haben hoffentlich Ohropax dabei. Denn die 5.000 Backfische in Jeans-Shorts und Tops, die langen Haare zu Zöpfen gebunden, die Augen weit aufgerissen, sehen ihre Idole und werden so laut brüllen, wie es irgendwie geht. Es geht sehr, sehr laut.

„Hey Everybody!" ist der erste Song des Abends. Einigen mag er bekannt vorkommen als der Titelsong des diesjährigen Dschungelcamps. „Hey everybody, We don't have to live this way“ singen die Vier da, jeder darf mal eine Zeile ins Mikro brüllen. Das dürfte vor allem den Dschungelbewohnern so aus der Seele gesprochen haben wie heute den Teenagern. Die singen so innbrünstig und textsicher mit, dass man selbst ins Mitsummen gerät. Spätestens beim „Oh, oh, oh, oh“, auf das es in fast jedem Refrain hinausläuft, grölt man mit den Teenies mit. Man will sich halt auch nicht als Oma genieren.

Bisschen Sonnyboy, bisschen Punk

Dabei geben die vier Australier ein echtes Boybandklischee: bisschen Sonnyboy, bisschen Punk, betont lässiges Grinsen, verstrubbelte Haare. Eigentlich nichts Neues, gab es schon vor zwanzig Jahren bei den Backstreet Boys oder eben Take That, zieht aber noch immer. 5 Seconds of Summer spielen aber auch Instrumente, sie singen nicht nur. Da ist zum einen Michael, offensichtlich der Punk in der Band – platinblonde Haarsprayhaare, Karo-Hemd, Piercing, Löcher in der Hose –, bei ihm schreien die Mädchen am lautesten. Auch wenn er gar nicht singt oder E-Gitarre spielt.

Er schaut nur lange genug aus seinen Kajalaugen ins Publikum, sein Gesicht wird ganz groß auf die Leinwände projiziert, bis jemand „I love you“ brüllt. Dann sind da noch der Bass-Spieler Calum – dunkler Teint, Schlafzimmerblick–, der Schlagzeuger Ashton – Grübchen, Locken, 1994 geboren und damit Ältester in der Band–, und Gitarrist Luke – Kettchen um den Hals, stahlblaue Augen. Für jeden Fan soll wohl etwas dabei sein. Ihr Musikstil: irgendwo zwischen Justin Bieber, blink-182 und One Direction.

Des Teenies Taschenlampe brennt

Zwischendurch gibt es immer mal wieder seichten Gitarrenpop. So eine Ballade ist „Amnesia“. 96 Millionen mal auf Youtube angeklickt, bejammern die Jungs da ein Beziehungsende. Da schalten die Teenies auch die Taschenlampenfunktion ihrer Smartphones an, die ganze Halle wedelt ekstatisch damit herum.

Vom britischen Musikmagazin New Musical Express wurde die Band in diesem Jahr, genau wie schon im vergangenen, als schlechteste Band ausgezeichnet. Damit sind sie sozusagen die Gewinner der Goldenen Himbeere der Musikbranche. Es scheint ihrem Schlag bei den Mädels nicht weiter im Weg zu stehen. Nach dem Konzert brechen die in Tränen aus, eines stürzt sich gar in die Arme ihres verdutzten Papas. Solche Fanemotionen sieht man nicht mehr so oft. Da kann man die halb leere Arena und die miesen Preise auch schnell vergessen.