Berlin-Konzert

Donovan findet auch angeschlagen noch sein Publikum

Der schottische Sänger Donovan ist auf Jubiläumtour. In Berlin bringt er seine langjährigen Fans trotz Zurückhaltung ins Schwelgen.

Donovans Tour führte ihn nun nach Berlin, weiter geht es auch in die USA

Donovans Tour führte ihn nun nach Berlin, weiter geht es auch in die USA

Foto: dpa Picture-Alliance / Dennis Van Tine/Geisler-Fotopres / picture alliance / Geisler-Fotop

Die hölzerne Flügeltür, die den Weg freimacht in die backsteinerne Passionskirche am Marheinekeplatz, wird zum Tor in eine andere Welt. Drinnen herrscht, wie es einem Gotteshaus gebührt, andächtige Erwartung. Rund 650 Besucher sind am Mittwochabend zur Erinnerung entschlossen, als der schottische Barde Donovan es sich vor dem Altar auf einem Podest gemütlich macht.

Er setzt sich auf einen ausgebreiteten Flokati-Teppich ins rot-blaue Dämmerlicht, greift seine grüne, mit einem Hirsch verzierte Gitarre und sorgt gleich mit den ersten gezupften Tönen für leuchtende Augen des Wiedererkennens. „Catch The Wind“ singt er mit etwas dünner Stimme. Es war 1965 seine erste Single. Sie machte den jungen Liedermacher aus dem schottischen Glasgow quasi über Nacht populär.

Poetische, positive, ja auch ein wenig kitschige Lieder

Donovan Philip Leitch, den alle nur als Donovan kennen, hat mit seinen frühen Folksongs die 60er-Jahre bis in die Siebziger hinein geprägt. Und eigentlich hat er diese Zeit, in der er auch virtuos mit Jazz und Psychedelic experimentierte, in der er Freundschaften mit den Beatles, den Stones und Jimi Hendrix pflegte, nie verlassen. Mit einer ausgedehnten Tournee feiert Donovan jetzt sein 50. Bühnenjubiläum. Im Mai wird er 70 Jahre alt.

Er wolle sich bei seinem Jubiläum vornehmlich Liedern seiner ersten beiden Platten, „What‘s Bin Did and What‘s Bin Hid“ und „Fairytale“, widmen, beide aus dem Jahr 1965. Beide voll mit Songs, die die Zeit überdauert haben. Poetische, positive, ja auch ein wenig kitschige Lieder, die den Soundtrack der Hippiejahre geprägt haben. „Colours“, das schlichte Liebeslied, mit dem er quasi seine Angebetete mit Worten koloriert, singt er gleich als zweites Stück.

Er brachte Paul McCartney den Fingerpicking-Stil bei

Er wirkt ein bisschen angeschlagen. Der Geschichtenerzähler, dem man zwischen den Songs so gern zuhört, ist etwas zurückhaltend an diesem Abend. „Remember The Alamo“ zerdehnt er mit vibrierender Stimme, bei „Little Tin Soldier“ hustet er in den Refrain. Bei „Josie“ schafft er es tatsächlich, dass das Publikum im Takt mitklatscht. Doch eigentlich hat dieses Lied sowas nicht verdient.

Donovan ist auch, das spürt man bei diesem Konzert immer wieder, ein exzellenter Gitarrist. Er war es, der John Lennon und Paul McCartney den Fingerpicking-Stil beigebracht hat, 1968 war das, als sie sich gemeinsam in Indien beim Maharishi Mahesh Yogi in Transzendentaler Meditation unterweisen ließen.

Doch hält er sich stets im Zaum, es sind die Lieder, die ihm wichtig sind. Auch wenn er sie, wie „Jennifer Juniper“, etwas angestrengt in den Saal manövriert. Und nach „There Is A Mountain“ und der jiddischen Ballade „Donna Donna“ ist erst einmal Pause.

Beim Finale singt die ganze Kirche

Gerne würde man von Donovan auch noch einmal so richtungsweisende frühe Ausbrüche wie etwa „Riki Tiki Tavi“ oder „Goo Goo Barabajagal“ hören, doch bedürfte es dazu schlicht einer Band. Das ist nur mit Folkklampfe nicht zu machen. Und so beschränkt er sich auch im zweiten Teil auf seine Folk-Hits. Wie den Anti-Kriegs-Song „Universal Soldier“, den er sich von seine kanadischen Kollegin Buffy Sainte-Marie ausgeliehen und zum Erfolg gebracht hat.

Er entstamme ja einer uralten Tradition, sagt er einmal. Er sei ein mit der Geschichte seiner Heimat verbundener Sänger. Und wie um das zu untermauern, hat er mit „Young But Daily Growing“ ein uraltes schottisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert im Repertoire, das die Jahre mit unterschiedlichen Songtiteln und über die Jahrhunderte variierten Textzeilen überdauert hat.

Der „Hurdy Gurdy Man“, ein Stück, das er aus Indien mitgebracht hat, wirkt ohne Band, ohne elektrische Gitarren und Vibratoeffekte sehr auf das Wesentliche beschränkt. Da klappt es mit „Atlantis“ zum Finale schon besser. Die ganze Kirche singt beim nicht enden wollenden Refrain „Way down below the ocean where I wanna be she may be” mit.

Geblieben sind die Erfolge der frühen Jahre.

Donovan hat immer wieder neue Platten aufgenommen. Darunter auch ein viel gelobtes Album mit Ausnahmeproduzent Rick Rubin. Doch geblieben sind die Erfolge der frühen Jahre. Er weiß das. Und er spielt sie nun ganz allein auf dunkler Bühne auf seiner Jubiläumstour, die ihn nach zehn Deutschland-Konzerten auch in die USA führen wird. Er findet immer noch sein Publikum. Es ist mit ihm gealtert. Es hält ihm die Treue. Die Neugier einer jungen Generation hält sich allerdings in Grenzen.

Zur einzigen Zugabe greift er mit kräftigem Anschlag noch einmal in die Gitarre. Das halluzinogene „Mellow Yellow“ ist auch so ein Ding aus einer anderen Welt, eine klassische Zeitreise in die Swinging Sixties, als man noch glaubte, man würde sein Bewusstsein schon erweitern, wenn man getrocknete Bananenschalen raucht. Der Applaus ist laut und dankbar, wird aber durch das eiligst eingeschaltete Saallicht schnell beendet.