Hauptrolle Berlin

Wie Katja Riemann vor einem Polizisten die Fassung verlor

Im Zoo Palast stellt Katja Riemann ihren Film „Rosenstraße“ vor. Und erzählt, wie sie ein großer Preis auf falschem Fuß erwischte.

Katja Riemann mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Foyer des Zoo Palastes

Katja Riemann mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Foyer des Zoo Palastes

Foto: Jörg Krauthöfer

Katja Riemann ist stolz auf diesen Film. Weil er so eine irre Geschichte zu erzählen hat. Die vielleicht einzige Widerstands-Geschichte aus der Nazi-Zeit, die ein gutes Ende nahm: Wie sogenannte arische Frauen in Berlin 1943 für die Freilassung ihrer inhaftierten jüdischen Ehemänner protestierten, bis diese freikamen.

Katja Riemann liebt diesen Film auch aus einem anderen Grund: Weil sie so die Regisseurin Margarethe von Trotta kennenlernte, mit der sie seither noch zwei andere Filme gedreht hat und, wer weiß, vielleicht bald noch einen vierten. Deshalb kommt Katja Riemann gern in den Zoo Palast, um den Film „Rosenstraße“ vorzustellen. Der läuft am Dienstag Abend in der Reihe „Hauptrolle Berlin“, in der an jedem ersten Dienstag im Monat ein genuiner Berlin-Film gezeigt wird.

Die Schauspielerin hätte gern auch die Regisseurin an ihrer Seite, aber die muss sie entschuldigen. Und lässt das Publikum schön von ihr grüßen. „Ich habe heute noch mit ihr telefoniert. Sie klingt schrecklich. Aber sie gibt endlich zu, dass sie eine Bronchitis hat.“

Aber auch alleine steht die Schauspielerin Rede und Antwort. Erzählt, wie die Regisseurin Jahre lang um diesen Film kämpfen musste. Was für die Riemann vielleicht sogar ein Glück war – weil sonst vielleicht eine andere die Rolle bekommen hätte.

Morgens in die Nazizeit, abends in den Alltag

Wie macht man das, morgens auf Arbeit in die 40er-Jahre zu reisen und abends zurück in den Berliner Alltag, mögliche Zahnschmerzen der Tochter inklusive? Das, sagt sie, habe sie schon früh herausbekommen: sich eine Rolle nicht über Identifikation, sondern über Imagination zu erschließen. Da hilft es enorm, wenn man morgens in eine fertige Kulisse kommt, durch die man automatisch in die Rolle rutscht. Und abends auch wieder herauskommt.

Und dann erzählt Katja Riemann noch eine ganz irre Geschichte. Sie hatte den Film, 2003 war das, auf dem Filmfestival in Venedig vorgestellt. Sie war gerade wieder in Berlin, war mit ihrer Tochter Paula einkaufen und wollte zurück zu ihrem Auto in die Fasanenstraße. Das aber war nicht da.

Sie war völlig aufgelöst, das Auto musste gestohlen worden sein, sprach einen Polizisten an, der dort stand. Und bekam just in diesem Moment einen Anruf: Sie hat in Venedig den Preis als beste Schauspielerin gewonnen. Ihr erster internationaler Preis!

In dem Moment wurde ihr klar, warum hier ein Polizist stand, weil er das Jüdische Gemeindehaus bewachte, und dieses Haus das Pendant zu jenem Jüdischen Gemeindehaus ist, das damals in der Rosenstraße stand. Das sind so viele Zufälle, da muss man an Bestimmung glauben. Und das Auto hat sich dann auch noch eingefunden, es war nur 50 Meter weiter geparkt. Ein Happy End. Im Film. Und danach.

Als nächstes wird in der Reihe am 5. April „Mein Führer“ gezeigt. Zu Gast ist dann der Regisseur Dani Levy. Katja Riemann wirkt übrigens auch in diesem Film mit: als Eva Braun.