Theatertreffen in Berlin

Zum Theatertreffen gibt es frisches Blut für die Hauptstadt

Die zehn Inszenierungen fürs Theatertreffen sind ausgewählt: Sechs Newcomer sind dabei. Berlin ist mit drei Aufführungen gut vertreten.

Stellt die Auswahl 2016 vor: Theatertreffen-Leiterin Yvonne Büdenhölzer im Haus der Berliner Festspiele

Stellt die Auswahl 2016 vor: Theatertreffen-Leiterin Yvonne Büdenhölzer im Haus der Berliner Festspiele

Foto: Britta Pedersen / dpa

In neun Theatern dürften am Mittwoch die Sektkorken geknallt haben, nachdem die Auswahl zum Berliner Theatertreffen verkündet worden war. Das ist vergleichbar mit der Oscar-Verleihung beim Film. Eine Einladung in die Hauptstadt steigert die Anerkennung des Theaters, den Marktwert und erleichtert wohl auch die Etatverhandlungen mit dem Geldgeber.

Unter den „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ aus dem deutschsprachigen Raum, so das interpretationsoffene Auswahlkriterium, kommen immerhin drei aus Berlin – das dürfte auch die Kulturpolitiker der Stadt freuen, sind doch die ewigen Konkurrenten aus München nur einmal und die aus Hamburg lediglich zweimal vertreten.

Frank Castorf ging leer aus

Auf kurze Wege dürfen sich freuen: Die Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz, die mit Herbert Fritschs Inszenierung „der die mann“, eine virtuose Sprechoper nach Texten von Konrad Bayer, eingeladen wurde. Das Deutsche Theater zeigt beim Festival, das am 6. Mai startet, „Väter und Söhne“. Anders als Fritsch, der in den vergangenen Jahren Dauergast beim Theatertreffen war, ist „Väter und Söhne“-Regisseurin Daniela Löffner zum ersten Mal vertreten. Als dritte Berliner Aufführung wurde „The Situation“ ausgewählt, ein gemeinsam von Regisseurin Yael Ronen und dem Ensemble am Maxim Gorki Theater entwickelter Abend, in dem unter anderem um Integration und Identität geht.

An diesem Votum der siebenköpfigen, mit Kritikern besetzten Jury kann man wenig aussetzen. Es sind drei Highlights der vergangenen zwölf Monate. Dass außerdem noch acht weitere Berliner Arbeiten, darunter Frank Castorfs „Die Brüder Karamasow“ und die Schaubühnen-Produktion „Nachtasyl“ (Regie: Michael Thalheimer) zur Diskussion standen, beruhigt. Weniger wohl die Schaubühne, die aus welchen Gründen auch immer schon länger nicht mehr eingeladen wurde. Genauer gesagt, seit zehn Jahren, seit „Hedda Gabler“ nicht mehr.

Schaut man sich etwas im Archiv des Theatertreffens um, fällt auf, dass eine Ibsen-Inszenierung an sich die Chance auf eine Auszeichnung erhöht. Das hat zwar bei Thomas Ostermeiers „Volksfeind“, mit der die Schaubühne seit einigen Jahren weltweit tourt, nicht geklappt. Aber mit „John Gabriel Borkman“ (Regie: Simon Stone, eine Koproduktion des Burgtheaters, der Wiener Festwochen und des Theaters Basel) und Stefan Puchers am Schauspielhaus Zürich herausgekommenen „Volksfeind“ haben es auch diesmal zwei Ibsen-Stücke in die Auswahl geschafft. „Überschreibungen“ zwar, wie Theatertreffen-Leiterin Yvonne Büdenhölzer bei der Pressekonferenz am Mittwoch bemerkte, aber Ibsen sei schon noch drin.

„Effi Briest“ mit anderem Text

Das diesjährige Festival ist eines der Newcomer: Neben Daniela Löffner und Simon Stone sind auch Doku-Spezialist Hans-Werner Kroesinger („Stolpersteine Staatstheater“, Staatstheater Karlsruhe), Anna-Sophie Mahler („Mittelreich“, Münchner Kammerspiele), Ersan Mondtag („Tyrannis“, Staatstheater Kassel) und Clemens Sienknecht („Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“, Deutsches Schauspielhaus Hamburg) zum ersten Mal zum Theatertreffen eingeladen worden. Das sieht schon nach einem Generationswechsel aus, gewissermaßen frisches Blut für Berlin.

Fehlt nur noch die zehnte Aufführung: „Schiff der Träume“ nach Fellinis gleichnamigen Film. Eine Inszenierung von Karin Beier, der Intendantin des Deutsches Schauspielhauses, die auch nach ihrem Wechsel von Köln nach Hamburg – und einem wegen technischer Probleme sehr verkorksten Saisonauftakt – zu den Lieblingen der Jury gehört.

Insgesamt hat die sich in den vergangenen zwölf Monaten 394 Inszenierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeschaut, also im Schnitt mehr als eine täglich. Diskutiert wurde am Montag von mittags bis abends, dann standen die zehn ausgewählten Arbeiten fest. Das Votum kann vom 6. bis 22. Mai 2016 begutachtet werden, der Spielplan wird am 8. April veröffentlicht. Die Karten fürs Berliner Theatertreffen sind erfahrungsgemäß sehr begehrt, der Vorverkauf beginnt am 16. April um 10 Uhr.