Bundesgesangswettbewerb

Berlin singt sich ins Finale

31 junge Musical-Darsteller haben es ins Finale des Bundesgesangswettbewerbs geschafft. Die meisten kommen aus Berlin.

Lisa Katharina Toh bei der Finalrunde zum Bundesgesangswettbewerb

Lisa Katharina Toh bei der Finalrunde zum Bundesgesangswettbewerb

Foto: Jörg Krauthöfer

Vor zwei Jahren hat sie es schon einmal ins Finale geschafft, jetzt steht Lisa Katharina Toh wieder kurz davor. Lampenfieber ist der 23-Jährigen nicht anzusehen, als sie den Konzertsaal der Universität der Künste betritt. „Es macht doch auch Spaß, endlich auf der Bühne zu stehen und zu zeigen, was man über Wochen geprobt hat“, sagt sie. Und das ist eine Menge. In Max Herres Popsong „Mit Dir“ zieht sie stimmlich jedes Register, in „Ich glaub’ ne Dame werd ich nie“ zeigt sie auch ihr großes schauspielerisches Talent. Und dann singt sie noch: „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ von Friedrich Hollaender. Was sie sich wünscht, ist leicht zu erahnen: beim Preisträgerkonzert dabei zu sein.

Eine Viertelstunde muss sie sich am Donnerstagnachmittag bei der Finalrunde des 44. Bundesgesangswettbewerbs der Jury präsentieren und dabei möglichst viele Facette ihres Könnens zeigen. Der Wettbewerb ist der größte seiner Art im deutschsprachigen Raum. Er findet jedes Jahr statt, abwechselnd mit dem Schwerpunkt Oper, Operette, Konzert oder Musical, Chanson. In diesem Jahr steht wieder Musical auf dem Programm. Die Berliner Morgenpost hat vier Berliner Kandidaten seit der Vorrunde begleitet. Drei von ihnen - neben Lisa Katharina Toh auch Dalma Viczina und Jan Rekeszus - haben es in die zweite Finalrunde geschafft.

Die Gewinner bekommen insgesamt ein Preisgeld von 50.900 Euro

Wer die Jury an diesem Donnerstag und Freitag überzeugt, ist beim Preisträgerkonzert am Montag im Friedrichstadt-Palast dabei. Der Erstplatzierte bekommt 5000 Euro. Insgesamt werden 50.900 Euro an die Gewinner vergeben. Außerdem haben sie gute Chancen auf ein Engagement oder ein Stipendium. Zu den Bühnen, die bei entsprechenden Vakanzen Auftrittsmöglichkeiten anbieten, gehören in Berlin die Komische und die Neuköllner Oper, das Renaissance-Theater und die Bar jeder Vernunft. Auch Stage Entertainment, Betreiberin der großen Musicalhäuser in Deutschland, bietet Nachwuchssängern des Wettbewerbs ein Sprungbrett.

Die vier Lieder, die Lisa Katharina Toh am Donnerstag singt, gehören zu einem 45-minütigen Programm, dass jeder Kandidat bei seiner Bewerbung einreichen musste. Daraus sucht die Jury, zu der Intendanten und Musicaldarsteller gehören, dann Stücke aus. Oft trifft sie eine Auswahl, die nicht schon 1000-fach auf der Bühne zu hören war.

Sieben der 13 Musical-Finalisten kommen aus Berlin

Insgesamt haben sich in diesem Jahr 180 Nachwuchssänger zwischen 16 und 30 Jahren, davon 29 aus Berlin, beworben. Die jüngeren treten beim Juniorenwettbewerb auf, ab 22 Jahren geht es in den Hauptwettbewerb. 31 Kandidaten haben es jetzt in der Kategorie Musical ins Finale geschafft, 13 stehen davon im Hauptwettbewerb, davon wiederum sieben aus Berlin. Sie alle studieren an der Universität der Künste, die einen eigenen Studiengang Musical und Show anbietet. Auch Dalma Viczina hat dort gerade ihr Studium abgeschlossen.

Die gebürtige Ungarin tritt am Donnerstag als letzte Kandidatin vor die Jury. „Ein furchtbar langer Tag“, sagt sie vor ihrem Auftritt. Am Vormittag hat sie noch mal Gesangsunterricht genommen, „um zur Ruhe zu kommen“, aber nach dem Mittagessen besteht der Tag für sie nur noch aus Warten. Zu früh will sie auch nicht beim Konzertsaal ankommen, um sich nicht von der Aufregung der anderen anstecken zu lassen oder dann die erleichterten Gesichter nach deren Auftritt zu sehen, während sie noch alles vor sich hat. Erst um 18.30 Uhr ist es endlich soweit.

Auftritt mit Schlabberpulli und ohne Schuhe

Sie startet mit dem gleichen Lied wie schon bei der Vorrunde: „König der Party“, doch diesmal in einer neuen Interpretation. Sie schlüpft in die Rolle einer schizophrenen Frau, die davon träumt, im Rampenlicht zu stehen. Während sie beim ersten Mal selbstbewusst in Ledermantel und roten Pumps auf der Bühne stand, betritt sie sie jetzt barfuß und hat über ihr schwarzes Kleid einen Schlabberpulli gezogen. „Ein riskanter Auftritt“, urteilt die 26-Jährige selbst, aber darum geht es ja gerade: Alles geben und auch mal ein Risiko eingehen. Schließlich will die Jury nicht nur sehen, wie die Bewerber singen. Szene und Tanz sind fast ebenso wichtig. Das zusammen macht ja auch erst die Bühnenpräsenz aus, auf die es beim Musical so sehr ankommt.

Das hat auch Jan Rekeszus verinnerlicht. Besonders bei seinem Auftritt zu „Mich umglitzert Gold“ aus Candide zeigt der 23-Jährige seine szenisches Talent. Er läuft und springt über die Bühne, wirft sich zu Boden, um im nächsten Moment aufzuspringen und sich zum Schluss auch noch eine Krone auf den Kopf zu setzen. Ein Spiel zwischen Ernst und Humor. So richtig zufrieden ist er nach seinem Auftritt aber nicht: „Hab ich mir anders vorgestellt.“ Zeit zum Nachdenken hat er aber nicht, er muss gleich weiter zur Neuköllner Oper, wo er zwei Stunden später in „Grimm“ auf der Bühne stehen muss.

An diesem Freitag Nachmittag werden die Preisträger verkündet, dann wissen auch Lisa Katharina Toh, Dalma Viczina und Jan Rekeszus, ob sie zu den Siegern gehören und dem Traum, bald auf einer großen Musicalbühne zu stehen, ein Stück näher gekommen sind.

Das Preisträgerkonzert findet am Montag, 7. Dezember, 19.30 Uhr, im Friedrichstadt-Palast statt. Tickets zwischen 15 bis 35 Euro (ermäßigt minus 25 Prozent) gibt es unter www.palast.berlin/gastspiele/bwbgesang2015.html, Tel. 23 26 23 26.