Anfangs ist man irritiert bei „Alki Alki“. Ganz selbstverständlich legen sich die beiden Männer zu der Frau. Und als die morgens aufsteht, knuddeln sie einfach allein weiter. Ist das eine Ménage à trois? Oder eine Freundschaft, die durch alle Stadien geht? Man muss aber nicht „The Sixth Sense“ gesehen zu haben, um bald zu ahnen, dass da was nicht stimmt. Und es den einen von beiden gar nicht gibt.
Flasche (Peter Trabner) ist nämlich die personifizierte Sucht des glücklosen Architekten Tobias (Heiko Pinkowski). Immer wenn er vom Job oder von den tobenden Kindern überfordert ist, zieht Flasche ihn in die Bars. Aber nur mit Flasche traut sich Tobias überhaupt, seine Frau zu verführen. Die beiden brauchen einander, gegenseitig. Die Sucht als bester Freund des Säufers.

Eine verblüffend einfache, aber wirkungsvolle Art, Sucht darzustellen – und künstlerisch anzugehen. Immer wieder gibt es Versuche, sie zu bekämpfen. Aber Flasche lässt sich nicht abschütteln. Selbst als er im See ertränkt wird, treibt er nur kurz auf dem Wasser.
Und sitzt schon wieder am Ufer. Schließlich begibt sich Tobias in ein Therapiezentrum, in dem allen Patienten eine böse Macht im Nacken sitzt. Die Sucht loszuwerden, so die klare Botschaft, ist nicht möglich. Man muss lernen, mit ihr zu leben.
Ganz biographischer Film
Axel Ranisch, der seine Produktionsfirma augenzwinkernd „Sehr gute Filme“ getauft hat, ist das Wunderkind des Berliner Underground. Bisher waren seine Filme stark biographisch gefärbt. Ob in „Dicke Mädchen“ oder „Ich fühl mich Disco“: Immer ging es um dickbäuchige Außenseiter, die ihren Platz im Leben erst finden müssen. Auch „Alki Alki“ ist biographisch geprägt.
Aber diesmal nicht durch den Regisseur, sondern durch Heiko Pinkowski und Peter Trabner, seine Leib- und Magendarsteller, die selber mal an der Flasche hingen. Und unbedingt einen Film machen wollten, um allen Mut zu machen, die dagegen ankämpfen, und sich bei denen zu bedanken, die ihnen dabei geholfen haben.
Das Wunderkind des Berliner Underground: Regisseur Axel Ranisch Krauthoefer
Ranisch wusste lange nicht, wie daraus ein Film werden sollte. Bis Trabner ihn auf die Idee brachte, die Sucht zu personifizieren. Damit war der Groschen gefallen. Ranisch belässt es aber nicht bei diesem einen kühnen Verfremdungseffekt.
Wie der Schlagersänger Christian Steiffen in „Ich fühl mich Disco“, kommentieren hier die Songs der Berliner Band Die Tentakel von Delphi das Geschehen, und Schauspieler Robert Gwisdek, der sich als Sänger dieser Formation Käpt’n Peng nennt, sitzt zuweilen mit einer Gitarre im Bild und macht sich, ganz Troubadour, seinen Reim auf die Geschicht’.

Für einen ironischen Gastauftritt konnte Ranisch darüber hinaus einen hochrangigen Fan gewinnen: Iris Berben wird ja sonst oft staatstragend besetzt, spielt hier aber genüsslich ihre frühen Comedy-Wurzeln aus.
Immer schön locker, mit Lust an der Improvisation und auch Mut zum Trash: Das ist Axel Ranischs Erfolgsrezept. Wenn man dafür auch noch Stars gewinnen kann, ohne in glatten Mainstream zu verfallen, dann nur immer weiter so!




