Film

Heißer Sommer - "Anni Felici – Barfuß durchs Leben"

Dieser Film ist eine Aufarbeitung einer Kindheit in den wilden 60er- und 70er-Jahren, in der nicht alles so läuft, wie erträumt.

Neue Gefühle: Micaela Ramazotti mit Martina Gedeck

Neue Gefühle: Micaela Ramazotti mit Martina Gedeck

Foto: Camino Filmverleih / BM

Die Verarbeitung von Kindheiten der 60er- und 70er-Jahre ist fast schon ein eigenes Filmgenre geworden. Immer wieder geht es um das Überleben in Zeiten der sexuellen Liberalisierung, als Mütter sich emanzipierten, Väter oft durchdrehten und die neue antiautoritäre Erziehung ihre hässliche Kehrseite in übler Vernachlässigung zeigte.

All das kommt auch im neuen Film des Italieners Daniele Luchetti vor. Nur dass der Erzähler seines Films nicht etwa abrechnen will mit den Eltern, sondern sich mit geradezu kindlicher Wärme an sie erinnert.

Mehr als nur Modellstehen

Der Großteil des Geschehens spielt sich im Lauf eines Sommers ab. Dario, der Ich-Erzähler, und sein kleiner Bruder Paolo toben gern in der Werkstatt ihres Bildhauervaters Guido (Kim Rossi Stuart) herum. Zumal Guido so interessante Projekte verfolgt wie die nackten Körper seiner Studentinnen in Gips zu gießen. Wobei zwischen ihm und den Studentinnen mehr läuft als nur Modellstehen. Dabei ist seine Frau Serena (Micaela Ramazzotti) ohnehin eifersüchtig.

Als Guido mit einem Kunstprojekt in Mailand durchfällt, zieht er sich gekränkt in sich selbst zurück. Woraufhin Serena den Rat der befreundeten Galeristin Helke (Martina Gedeck ) befolgt und sich ihrerseits rar macht. Mit Helke und den Söhnen fährt sie in ein „feministisches Frauenlager“ nach Frankreich.

Stürmische Affairen zwischen Frauen

An einer Stelle geht der Plan auf: Guido vermisst seine Frau ungemein. An anderer Stelle verkehrt er sich ins Gegenteil: Serena vermisst Guido weniger als gedacht und eine stürmische Affäre mit Helke zeigt ihr, dass sie ihre eigenen Gefühle erst noch richtig kennen lernen muss.

Luchetti, der die Folgejahre von ’68 in „Mein Bruder ist ein Einzelkind“ schon mal komödiantisch aufs Korn nahm, erzählt hier eher konventionell. Aber seine großartigen Schauspieler und die große Sympathie für ihre Figuren lassen diesen Film angenehm aus der üblichen 68er-Schelte herausragen.

Drama , I 2015, 106 min., von Daniele Luchetti, mit Kim Rossi Stuart, Micaela Ramazotti, Martina Gedeck