Kommentar

MacGregor ist ein Glücksfall für das Berliner Humboldt-Forum

Neil MacGregor gibt eigens seinen Londoner Posten im British Museum auf, um nach Berlin zu wechseln. Ein Glücksfall, meint Gabriela Walde. Die Planung des Museums nimmt endlich Fahrt auf.

Foto: Foerderverein Berliner Schloss/eldaco

Dass Neil MacGregor in London seinen Traumposten im British Museum aufgibt und nach Berlin kommt, ist ein Glücksfall. Monatelang hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beharrlich um den „Sankt Neil“, wie ihn die Briten nennen, geworben. Selbst die Kanzlerin schaltete sich ein. Das zeigt einmal mehr die Fallhöhe dieser Personalie, die in Berlin in dieser Woche mit ungewöhnlicher Begeisterung aufgenommen wurde.

Der schottische Museumsexperte steht als Garant dafür, dass das Humboldt-Forum endlich einen Inhalt erhält. Ein Konzept und eine Struktur, die diesem Prestigeprojekt im Zentrum der Stadt auch gebühren. Bislang dümpelte die Planung des Weltmuseums trotz unzähliger Diskussionen und Forschungs-„Labs“ eher glücklos dahin, weit davon entfernt, eine breite Öffentlichkeit zu interessieren.

Allerdings kommt MacGregor nicht als alleiniger Intendant, ihm zur Seite stehen mit Stiftungspräsident Hermann Parzinger und dem Kunstwissenschaftler Horst Bredekamp zwei Berliner Statthalter mit ebenfalls höchster wissenschaftlicher Expertise. Wie sie die interne Machtbalance gestalten, bleibt abzuwarten. Die drei Männer kennen sich gut, schätzen sich und verfolgen ähnliche interdisziplinäre Ansätze. Ohne Frage, der Schotte mit der leisen Stimme aber wird über Deutschland hinaus der internationale Repräsentant, der Spiritus Rector. Sicher ist, dass kleinmütige Debatten unter dem neuen Schlossherren künftig im Keim erstickt werden.

Humboldt-Forum wird Bühne der Weltkulturen

MacGregor, 68, kommt zu Gute, dass er Deutschland kennt, diesem Land zugetan ist, er weiß um Berlin und die wechselvolle Geschichte der Metropole. Berlin also wird nicht zu kurz kommen. Er hat Deutsch studiert, spricht die Sprache und ist des Öfteren in der Stadt. Durch seine Kenntnis der früheren Weltmacht Britannia ist er mit dem Thema Kolonialismus vertraut, ein Wissen, das auch im Umgang mit den Berliner Sammlungen wertvoll ist.

Für ihn, Ende Sechzig, schließt sich in Berlin der Kreis einer glanzvollen Karriere. Das Humboldt-Forum soll eine Bühne der Weltkulturen werden – im modernen Gewand das humboldtsche Bildungsideal beschwören. MacGregor hat in zahlreichen Ausstellungen bewiesen, wie man anhand exemplarischer Objekte Kulturgeschichte erzählen kann, sie gleichzeitig auch für die Gegenwart öffnet. Und noch besser, er bewahrte sich einen wachsamen Blick auf „seine“ Museumsbesucher. Der Elfenbeinturm war nie seine Sache, genau das, wird dem Berliner Schloss gut tun.