Max-Schmeling-Halle

Die Beatsteaks feiern Riesenparty beim Heimspiel in Berlin

Die Beatsteaks aus Berlin in Berlin: Am zweiten Abend hintereinander hat die Band vor 9000 Fans in einer ausverkauften Max-Schmeling-Halle gespielt. Erst nach dreieinhalb Stunden war die Party vorbei.

Foto: Frank Hoensch / Redferns via Getty Images

Arnim Teutoburg-Weiß hat das Taxi genommen. Zur Max-Schmeling-Halle würde er gerne, so sagt er dem Taxifahrer. Dieser wiederholt: Schmeling-Halle? Und fragt: Wer spielt'n da? Und der Sänger der Beatsteaks antwortet, dass die Beatsteaks da spielen. Und der Taxifahrer nickt, kennt er, sagt er: Das ist doch so 'ne Krawallbande, wa? Wenig später, Max-Schmeling-Halle, innen. Ein weißer Vorhang hängt, davor bemüht sich ein Einheizer. Krawall, bitte? Nein, nein, nur La Ola.

Was animiert anfängt, geht animierter weiter. Eine Flagge mit einem sympathisch aussehenden Totenkopf schmückt die Bühne, und der, der eben noch im Taxi saß, singbrüllt in sein Mikro: „So kick it. So kick it.“ Der Song heißt „Monster“ und das Publikum begegnet ihm mit – Aha, also doch! - Krawall. Bengalische Feuer. Im Kreis Tanzen, im Tanz kreisen. Fäuste werfen, Flagge hissen. Rufen, singen, moshen. Trommeln, klopfen, treten. Dazu läuft mal Ska-Punk „Shiny Shoes“, mal Linie 1 „Hey Du“, mal Radio-Pop-Rock „Make A Wish“. Zwischendrin ruft Arnim Teutoburg-Weiß, der Linkshänder mit Hut und roten Turnschuhen, immer „C'mon“ und dann wieder: „C'mon“ und steht insgesamt mehr auf den Boxen, als auf der Bühne. Er derwischt von links nach rechts. Er meckert: Keine Handys benutzten bitteschön. Facebook erst recht nicht - und lobt – Berlin ist die schönste Stadt der Welt – und meckert und lobt und keiner – „C'mon“ – bleibt stehen.

Berliner Lokalmatadore auf dem Niveau vom 1. FC Union

Das Publikum wird zu einer einzigen Treibsandartigen Bewegung aus Köpfen, mit Trockeneisnebel und Luftschlagen beblasen. Eine große Party. Schweiß und Glück und Liebe. Die Beatsteaks sind Berliner Lokalmatadore, längst auf einem Niveau wie der 1. FC Union oder der Eishockey-Verein, der von seinen größten Fans noch immer „Dynamo“ genannt wird. Und so wie die Fans den Clubs die Niederlagen verzeihen, verzeihen die Berliner ihren Beatbuletten Songs wie „Automatic“. Da brennt zwar kein Feuer, da wird nicht auf die Bande getrommelt, aber da kann man ja immerhin mitklatschen. Über Kopf, oder vor der Brust. Die Totenkopf-Fahne nur, die wird eingeholt. Ein bunt leuchtender Lüster schmückt nun das Bühnengeschehen.

Familie, nennt Teutoburg-Weiß sein Publikum. Manchmal auch Nachbarn. Für niemanden wenigstens soll sein Heimspiel ohne Nachspiel bleiben, die Band kommt immer wieder, raus, zurück zur nächsten Zugabe, Zugabe, ein Mal, zwei, drei Mal, ein Police-Cover geht noch, vier Mal, fünf Mal. Nach dreieinhalb Stunden Party, stieg dann das Publikum ins Taxi, oder – „C'mon“ – in die Bahn.