Kulturmacher

Jeden Abend „Die drei ???“ in der Berliner Columbiahalle

Norbert Döpp-Veidt ist seit 2010 Geschäftsführer der Columbiahalle. Gerade wurde dort ausgiebig renoviert. Jetzt gibt es im Tempelhofer Rock-Saal Hörerlebnisse, die keiner erwartet hat.

Foto: Reto Klar

Tagsüber in Clubs oder Konzerthallen zu gehen, ist häufig eine eher grenzwertig schöne Erfahrung. Was nach einem guten Konzertabend am Ort des Geschehens übrig bleibt, ist meist der Geruch nach Rauch, Schweiß und Bier. Vieles klebt zudem auf dem Boden und sorgt für eine ganz eigene Bodenhaftung.

In der Columbiahalle, oder kurz C-Halle, riecht es an diesem Morgen dagegen nach nichts dergleichen. Frischer Wind weht herein, überall wird geräumt und gerückt und ein leichter Duft von Farbe hängt in der Luft. Norbert Döpp-Veidt steht in der Mitte der Halle und blickt sich um. Nicht, um zu kontrollieren. Er scheint zu wissen, dass alles läuft. Seit 2010 ist er Geschäftsführer der Columbiahalle am Columbiadamm gegenüber dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.

„Es ist unser jüngstes gemeinsames Kind“, sagt Döpp-Veidt und meint mit „unser“ sich und Axel Schulz. Die beiden kennen sich seit mehr als 20 Jahren. Jeder hat seine eigene Konzertagentur. Döpp-Veidt ist der Kopf von „Berlin Konzerte“, Schulz von „Loft Concerts“. Gemeinsam betreiben sie viele angesagte Berliner Veranstaltungsorte, zum Beispiel den Postbahnhof. Und eben die Columbiahalle. Schulz managt zudem Farin Urlaub und „Die Ärzte“.

Vom Turnsaal zur Konzerthalle

Musik gab es dort nicht immer. 1951 wurde der Gebäudekomplex gegenüber dem Flughafen als Freizeitgelände der US Air Force errichtet. Die Halle war als großzügige Sporthalle gedacht, das kleinere Gebäude nebenan – heute der C-Club – war ein Kino mit 400 Sitzplätzen.

Eröffnet wurde das damalige „Columbia Theatre“ mit dem Film „Captain Horatio Hornblower“. 1994 fiel der Gebäudekomplex nach Abzug der Alliierten an die Oberfinanzdirektion Berlin. Das Columbia Theatre wurde geschlossen. „1998 baute man das Kino um. Aus der Turnhalle machte man eine Konzerthalle“, sagt Döpp-Veidt. Aus dem Kino wurde in Kooperation mit dem Jugendsender „Radio Fritz“ das „Columbia Fritz“, der erste Radio-Club Berlins. Im Sommer 2004 verließ das „Columbia Fritz“ den C-Club und startete erneut als „Fritz-Club“ im Postbahnhof am Ostbahnhof.

Und damit sind wir wieder bei Norbert Döpp-Veidt. Der C-Club ist heute untervermietet und weiterhin ein Live-Club mit viel Rock. In der Columbiahalle findet jeder Musikstil seinen Platz, und jedes Publikum, was es sucht. „Bei uns kann jeder auf die Bühne oder in die Halle, bis auf Rechtsradikales oder Sex-Messen“, sagt Döpp-Veidt. Das Tagesgeschäft sind die Konzerte. 3500 Zuschauer finden dort Platz. Aber auch Galas, Events und Messen nutzen die Columbiahalle.

Wenn es nach den beiden Geschäftsführern geht, soll dies noch ausgebaut werden. Deswegen finden seit Monaten die umfangreichen Renovierungen statt. Grundrenovierung, könnte man sagen. „Die Bars, Toiletten, der Garten und die Garderoben sind neu. Frei nach dem Motto: Unser Haus soll schöner werden!“, sagt Döpp-Veidt.

„Bambi“-Bar in Jäger-Optik und Hörspiele

Alle Bars haben nun verschiedene Themen. Döpp-Veidts Lieblingsbar ist beispielsweise die „Bambi“-Bar mit Jäger-grüner Motiv-Tapete und Rehkopf. Und auch in den neuen Toiletten bekommen die Konzertgäste etwas auf die Ohren: Aus Lautsprechern laufen dort abwechselnd „Das Dschungelbuch“ und „Die drei ???“. Oder Märchen. Das ist mal ein anderes Klangerlebnis.

Der Gedanke hinter der Charmeoffensive der Hallenbetreiber: „Wenn wir 80 bis 90 Konzerte im Jahr haben“, so erklärt Norbert Döpp-Veidt, „warum soll die Halle dann an den restlichen Tagen im Jahr leer stehen?“.

Im Obergeschoss gibt es jetzt eine Lounge. Schick, schwarz, schön. Der perfekte Raum für Aftershow-Partys. Von dort aus kann man auch hinaustreten auf den Rang. „Das tolle an der Halle ist, dass man von allen Plätzen aus eine gute Sicht hat“, sagt Döpp-Veidt beim Rundumblick von dort oben. „Außerdem ist es einfach eine schöne Location mit einer guten Akustik.“

Er sagt das charmant, stolz und sachlich zugleich. Es geht hier nicht um ihn. Für ihn jedenfalls nicht. Es geht um die Halle. Und um die Musik.

Aber Musik gehört eben auch zu ihm, dem gebürtigen Hessen, dem studierten Volkswirt, dem großen Jazzfan. „Ich war früher DJ, habe in Musikkneipen aufgelegt und in Gießen Veranstaltungen in der Uni-Aula oder im Audimax organisiert“, sagt der 64-Jährige. „Drei- bis viermal im Jahr war ich dann in Berlin, gern im Quasimodo in Charlottenburg.“ Jazz, findet er, „gibt es hier viel zu wenig.“ Er meint die C-Halle.

Keine Wurst bei Morrissey

1983 suchte dann eine Berliner Konzertagentur jemanden für ein Rahmenprogramm. Norbert Döpp war offenbar der Richtige und betreute fortan Konzerte. 1988 startete er dann mit „Down Town“ seine erste eigene Konzertagentur. Rückblickend resümiert er: „Das war aber auch viel Glück. Hätte auch alles anders laufen können.“

Wer auf die Veranstaltungen der nächsten Wochen und Monate schaut, sieht große Namen und ausverkaufte Konzerte. Alles, was die Musiklandschaft zu bieten hat. Am 23. November kommt der einstige Sänger der „Smiths“, Morrissey. „Da dürfen wir keine Würste verkaufen“, sagt Norbert Döpp-Veidt. „Bei ihm gilt absolutes Fleischverbot.“ Am 9. Dezember spielen die 80er-Elektropopper Erasure. „In der Originalbesetzung – da freu ich mich sehr drauf“, sagt Döpp-Veidt.

Wer eine Konzerthalle sein Eigen nennt, könnte sich ja eigentlich auch mal einen Musiker wünschen. Wer wäre das bei ihm? Da entscheidet der Jazz-Liebhaber äußerst schnell, ganz privat und nicht wirtschaftlich: „Sonny Rollins!“

Am Ende des Rundgangs bleibt dann vor allem eines: Die Vorfreude auf das, was in der neuen Columbiahalle entstehen könnte.

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