Platzbenennung

Wie Berlin Herrn Moses und seine Gattin ehrt

Am 11. September wird der Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz vor der Akademie des Jüdischen Museums mit Musik und einer Lesung feierlich eingeweiht. Damit geht ein Streit um die Platzbenennung friedlich zuende.

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Auf den ersten Blick liest es sich wie eine Provinzposse: Um den bedeutenden jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn zu ehren, der bis 1786 in Berlin lebte, sollte eine kleiner Platz vor der neuen Akademie des Jüdischen Museums nach ihm benannt werden. So jedenfalls der Vorschlag des Stiftungsrats des Museums. Doch die Kreuzberger Grünen sperrten sich gegen den Plan. Nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung von 2005 müssen Straßen und Plätze zur Hälfte nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erfüllt ist, kommen keine männlichen Namen in Frage.

Nach langer Prinzipienreiterei einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss, nämlich den Wegbereiter der Aufklärung und seine Gattin gleichermaßen zu würdigen. So wird der Platz künftig den Namen Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz tragen. Und wenn man genauer nachdenkt, ist die Entscheidung gar nicht so unklug. Wer weiß, vielleicht sollte sie sogar Schule machen?

Was wäre, so lässt sich hypothetisch fragen, Herr Moses ohne seine Frau Fromet geworden? Die schöne Kaufmannstochter aus Hamburg, eine geborene Gugenheim, soll bei der ersten Begegnung im Frühjahr 1761 von Mendelssohns starker Wirbelsäulenverkrümmung sehr irritiert gewesen sein.

Gleichwohl muss es sich im Juni 1762 um eine zur damaligen Zeit noch ungewöhnliche Liebesheirat gehandelt haben. Dies geht jedenfalls aus den Briefen hervor, die sich Fromet und Moses mehr als ein Jahr lang zweimal wöchentlich schickten. Darin kritisiert Mendelssohn auch den traditionellen jüdischen Ehevertrag. Zehn Kinder brachte Fromet zur Welt, von denen drei Töchter und drei Söhne überlebten. Dass der Philosoph trotz der Kinderschar im Hause sich auf die geistige Arbeit konzentrieren konnte, ist sicher auch dem Einsatz der Ehefrau zu verdanken. Die Offenheit und das rege geistige Leben, das den gemeinsamen Haushalt auszeichnete, verweist bereits auf die spätere Berliner Salonkultur, die vor allem von jüdischen Bürgerinnen geprägt wurde.

Platzeinweihung mit Buchvorstellung

Am Donnerstag, dem 11. September, weiht Berlin den Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz ein. Eva Maria Thimme und Hermann Simon werden dabei aus dem neu erschienenen Buch „Moses Mendelssohn, Freunde, Feinde & Familie“ lesen.

Auf den Spuren der Familie Mendelssohn kann man vorher, am Sonntag, 7. September, wandeln: Die Studienexkursion im Rahmen der Jüdischen Kulturtage startet um 10 Uhr am Friedhof Große Hamburger Straße und führt zu insgesamt 26 Stationen. Letzte Station ist die Adresse Mehringdamm 21 (mit Führung und Konzert). Anmeldung hierfür unter reservierung@mendelssohn-remise.de oder unter Tel.: 030 81 70 47 26.

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