Potsdamer Platz

Intensiver, innovativer und moderner - Die Blue Man Group

Großes Update zum zehnjährigen Jubiläum der Blaumänner: Die neue Show der Blue Man Group im Stage Bluemax Theater trifft den Zeitgeist und verbindet New York mit Berlin. Premiere ist am 4. März.

Foto: Jakob Hoff

Drei Blaumänner haben die Hauptstadt erobert und residieren seit nun zehn Jahren am Potsdamer Platz. Ihr Schloss ist das Stage Bluemax Theater, in dem täglich extravagante Shows für Furore sorgen. Über drei Millionen Zuschauer ließen sich bereits auf eine außergewöhnliche Abenteuerreise mit der einzigartigen Blue Man Group ein. Sie erlebten Unvergleichliches und Unbeschreibliches.

Damit dies so bleibt, steht zum Jubiläum ein großes Update an. Intensiver, innovativer, wilder und kreativer soll die neue Entertainment-Mischung aus Musik, Technik und Comedy werden. So steht es geschrieben. Geplant ist die Premiere für den 4. März. Tobias Recken (45), Stage-Manager seit 16 Jahren, brachte die ersten Instruktionen aus New York mit. Blue Man Nadim Andre Helow (37) probt mit seinen Kollegen bereits für den neuen Auftritt. Zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, finden zum Interview zusammen.

Berliner Morgenpost: Zehn Jahre Blue Man Group in Berlin. Sie sind von Beginn an dabei. Wie fühlt sich das an, Herr Helow?

Nadim Andre Helow: Gut. Ich komme nicht jeden Tag hierher und habe die vergangenen zehn Jahre vor Augen. Aber die Show gehört mittlerweile zu meinem Leben und gleichzeitig auch zu den guten Dingen meines Lebens. Das hätte ich nie gedacht. Wissen Sie, ich bin da so reingerutscht. Ein paar Straßen weiter habe ich damals Musik studiert. Ich hatte den Orchesterstudiengang klassischer Schlagwerker und Perkussionist belegt. Die Blue Man Group wurde gegründet, und ich bewarb mich als Schlagzeuger. Nun stehe ich Abend für Abend als Blaumann auf der Bühne.

Wird der Job nicht zur Routine? Erzählen Sie eine Story, die Sie nicht vergessen können.

Helow: Routine ist nichts Schlechtes. Langeweile gibt es nicht, weil ich spüre, dass das Publikum uns sehen will, und so lasse ich mich von der Energie der Zuschauer mitreißen. Eine Story habe ich auch zu bieten. Bei einer Premiere in Stockholm lief alles schief. Ich stand auf einmal zweieinhalb Minuten alleine auf der Bühne. Sie glauben ja nicht, wie lang zweieinhalb Minuten vor 2000 Leuten sein können. Ich musste improvisieren und das außerhalb des üblichen Programms. Tja, es ist mir gelungen. Fragen Sie mich nicht, wie. Ich habe nicht viel gemacht. Einfach nur diesen ewigen Moment so wirken lassen und irgendwann mit dem Hintern gewackelt. Es hat gut funktioniert.

Herr Recken, Sie kommen gerade aus den USA zurück. Was bringen Sie an neuen Ideen mit?

Tobias Recken: Eine Menge! Die Ideen sind in den USA entwickelt worden. Nach den Pre-Vis habe ich das sogenannte Callerbuch geschrieben. Danach richte ich nun die neue Show aus. Als Manager agiere ich quasi wie ein Dirigent. Ich muss alles zusammenhalten: Technik, Ton, Licht. Ich gebe die Kommandos und habe den Hut auf. Jede Show ist anders, weil das Publikum unterschiedlich reagiert und dadurch Einfluss auf das Spiel der Blauen nimmt. So muss ich dafür sorgen, dass trotzdem alles reibungslos abläuft. Das Timing ist wesentlich und trägt zum Erfolg bei. Da geht es um Sekunden! Für die neue Show gibt es ein vollkommen neues Bühnenbild. Überdimensionale Touchscreens fahren von rechts nach links. Dadurch ergeben sich neue Spielmöglichkeiten. Zudem bedient jeder Blaue ein GiPad. Dadurch werden die Darsteller in die moderne Zeit transportiert. Sie halten dem Zuschauer den Spiegel vor und demonstrieren, wie sie sich die Menschen durch die Technik isolieren und wie sie wieder zur Gemeinschaft zurückfinden können.

Was bedeutet das neue Konzept für die Crew?

Helow: Es gibt ein Update der Show. Das bedeutet für den Blue Man, dass er sich wieder auf eine neue Umgebung einstellen wird. Die Figur an sich aber bleibt gleich. Der Blaumann ist nach wie vor die Schlüsselperson. Sein archaisches, instinkthaftes Handeln weckt in dem Zuschauer tiefe Emotionen und führt ihn zurück zu seinen kindlichen Wurzeln. Er ist quasi ein Querdenker, der ganz eigene Zusammenhänge sieht und diese versinnbildlicht.

Was bewirkt die Maske?

Helow: Sie macht aus einem Menschen ein archaisches Wesen. Sie versetzt mich in einen anderen Aggregatzustand und hilft, eine neutrale Bindung zum Zuschauer aufzunehmen, die die meisten tief berührt. Manche halten das nicht aus. Viele suchen Halt bei ihren Sitznachbarn, wenn wir auf sie zukommen oder vergraben ihre Gesichter wie kleine Kinder.

Herr Recken, welche Voraussetzungen müssen die Männer für diese Show mitbringen? Was ist besonders wichtig?

Recken: Dies ist eine Form des Schauspiels, die nicht jeder kann. Die Schauspieler müssen sich zurücknehmen und trotzdem eine Präsenz haben. Sie müssen die Fähigkeit besitzen, auf der Bühne zu sein und nichts zu tun. Helow: Sagen wir es so: Nicht das Tun ist wichtig, sondern das Sein. Recken: So etwas kann man nicht lernen. Man merkt schon beim Casting, ob Leute das hinkriegen oder nicht. Das sieht man daran, wie sie interagieren. Die Blue Man Group müssen eine Einheit bilden und trotzdem muss jeder auch ein Individuum darstellen.

Helow: Die Synergie zwischen den Blaumännern und dem Publikum bringt die Show zum Leben.

Gibt es neue Herausforderungen?

Recken: Für mich gibt es viele neue Herausforderungen und die übertragen sich auch auf die Gruppe. In einer Szene bin ich musikalisch sehr abhängig von dem Spiel der Blaumänner und wäre aufgeschmissen, wenn es nicht harmonieren würde. Wir müssen wieder neu zusammenwachsen und miteinander agieren. Das macht unsere Zusammenarbeit interessanter.

Wie lange dauerte die Vorbereitung?

Recken: Angefangen haben wir vor einem halben Jahr. Die interessanteste Phase ging Mitte Dezember los. Jetzt ist das Bluemax Theater für die aufwendigen Umbauarbeiten für zwei Wochen geschlossen und die Blue Man Group probt derweil im Adagio.

Wie schaffen Sie es, die Zuschauer über eine so lange Zeit zu begeistern?

Recken: Ich glaube, wir schaffen es, weil wir – ohne Sprache – international sind. Die Figur, deren Charakter, die Musik sind zeitlos, und die Themen werden immer wieder in die neue Zeit transportiert. Nicht zu vergessen ist auch der Überraschungseffekt. Ich kann es nicht in zwei Sätzen beschreiben, was die Blue Man Group bedeutet. Wir machen alle einen verdammt guten Job!

Helow: Wir geben den Leuten das Gefühl, dass sie an einem Echtzeit-Erlebnis teilnehmen. Wir setzen uns unmittelbar mit dem Publikum auseinander. Ich stehe auf der Bühne und schaue dem Menschen in die Augen. Es gibt nur noch ihn und mich. Es findet eine wirkliche Begegnung zwischen zwei Wesen statt, die unter die Haut geht. Das sind sensible Augenblicke, die vergisst man nicht.

Die neue Blue Man Group soll ab März intensiv, feinsinnig und überraschend originell sein. Was bedeutet das im Detail?

Recken: Die Adjektive treffen wohl auch auf die alte Show zu. Was wirklich neu ist: Die Show wird zeitgemäßer und moderner. Viel mehr im Hier und Jetzt und näher am Zeitgeist. Lassen Sie sich überraschen.