Polizeiruf 110

Jetzt ist es aber wirklich genug mit Schmücke und Schneider

Sie hätten gern noch weiter gemacht. Aber ihr 50. Fall ist der definitiv letzte „Polizeiruf 110“ für Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler.

Foto: Steffen Junghans / dpa

Schon immer hatten wir ja vermutet, dass mit diesen Typen aus der Mode-Branche etwas nicht stimmt: Das Geflöte und die Trösterei, die Durchhalteparolen und Motivierungssprüche, das ganze Getue und Gewese können die Tristesse des glamourösen Treibens nicht verbergen. Gott oder die Drehbuchautoren Hans Werner und Peter Gust erhalten uns die Vorurteile.

Im aktuellen Polizeiruf 110 „Laufsteg in den Tod“ spielt der putzige und bunt gekleidete Stylist Thomas Rath, bekannt durch die sogenannten Challenges bei Heidi Klum, den sinistren und bunt gekleideten Stylisten Jerome Bonnair. Mit Fliege, Schiebermütze und Brille, ein Doppelgänger des Sängers Elvis Costello, rüscht er die Models bei einem Model-Casting in der Provinz auf. Das Ehepaar Sylvia und Paolo Gregori (Sonja Kirchberger und David Rott) verspricht den hoffnungsfrohen Mädchen Paris - am Ende wird Tschechien daraus.

Flucht, Verschleppung, Prostitution

Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz) und Herbert Schneider (Wolfgang Winkler) werden zu dem Wettbewerb nach Ferropolis gerufen, wo ein Möchtegern-Model beim Fotografieren tot zusammengebrochen ist. Doch nicht Unterernährung, Kokain oder der Verzehr von Wattebäuschen hat die Arme dahingerafft, sondern Gift in der Wasserflasche, die außerdem vertauscht wurde.

Das sich abzeichnende Eifersuchtsdrama weitet sich zu einem Fall von Flucht, Verschleppung und Prostitution: Minderjährigen Mädchen, die von zu Hause ausreißen, wird eine Karriere als Model versprochen, woraufhin sie in eine Versklavung im verschwiegenen Bordell gezwungen werden. Sogar hungrige Schweine lassen die Schänder auf obstinate Schönheiten los, als wär‘s ein Film mit dem gruseligen Hannibal Lecter. Leider ist es der „Polizeiruf 110“.

Es ist nicht mehr ihre Zeit

Schmücke und Schneider, längst amtsmüde, tapern betulich auch durch ihren 50. und letzten Fall. Schneider spricht es selbst aus: Es ist nicht mehr ihre Zeit. Die Drahtzieher agieren übers Internet und liegen derweil in der Sonne, die Verbrechen sind virtuell geworden, Rasterfahndung überall. Da gelten der gesunde Menschenverstand und 40 Jahre Berufserfahrung nichts mehr! Herbert Schmücke findet im Finale sogar die verschleppte Tochter seiner ehemaligen Putzfrau wieder, und dann schippern die beiden Kommissare in den Ruhestand.

Wie man weiß, hätten die Schauspieler Schwarz und Winkler gern noch eine Weile länger „Einen Moment, bitte!“ gesagt und sich gegenseitig altväterlich geneckt. Aber es ist wirklich genug.

Polizeiruf 110: „Laufsteg in den Tod“, ARD, 3. März 2013, 20.15 Uhr