Auf Sand gebaut

Sanierung der Museumsinsel wird teurer und dauert länger

Nach dem Flughafen-Debakel hakt es jetzt bei der Berliner Museumsinsel. Das Empfangsgebäude wird voraussichtlich erst im Jahr 2017 eröffnen.

Foto: Steffi Loos / dapd

Der Masterplan sei nicht in Gefahr, wird versichert. Die Museumsinsel soll 2025 fertig sein. Aber ein bisschen teurer wird das gesamte Sanierungsprojekt eben doch werden.

Längst geht man von einer Gesamtsumme um die 1,5 Milliarden Euro aus. Jetzt kommen Kostensteigerungen bei der Sanierung des Pergamonmuseums sowie voraussichtlich ein zweistelliger Millionenbetrag beim Neubau der James-Simon-Galerie hinzu. Die vom Architekten David Chipperfield hinentworfene Galerie mit Garderoben, Veranstaltungsflächen, Café und dem üblichen Bilderbücher-und-Tassen-Shop soll der neue Eingang in das Museumsinselreich werden.

Ein offenes Gesicht für die von außen grauen Museumsbauten ist geplant. Aber es gibt eklatante Verzögerungen. Die Grundsteinlegung wird auf Herbst verschoben, die Eröffnung mit drei Jahren Verspätung erst 2017 erwartet. Bis dahin kann, typisch Großbaustelle Berlin, noch einiges Unglaubliches passieren.

Preußens letzte Museumsburg

In der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Museumsinsel gehört, will man über das Thema gegenwärtig nicht viel sagen. Am 30. Januar wird es eine Pressekonferenz geben, auf der Präsident Hermann Parzinger Fragen dazu beantworten wird. Einer seiner Amtsvorgänger hat einmal scherzhaft die Stiftung als letzten Wurmfortsatz des Staates Preußen bezeichnet.

Er wollte eigentlich sagen, es ist ein kleines, feines Reich. Allerdings ist diese letzte prächtige Museumsburg Preußens auf Schlamm gebaut. Und um es gleich vorwegzunehmen: Offiziell ist die Eiszeit schuld – an der Baumisere.

„Das Baugrundstück für die James-Simon-Galerie wird von einer eiszeitlichen Auswaschung geprägt“, heißt es, „die sich vom Alten Museum bis unter das Pergamonmuseum hinzieht“. Ein tragfähiger Baugrund ist wegen dieser Kolklinse teils erst in 20 Metern zu erreichen. Obendrein steht das Grundwasser etwa zwei Meter unter der Geländeoberfläche.

Das Stichwort Grundwasser führt auf eine andere Spur, nämlich einige Hundert Meter weiter zur Staatsoper Unter den Linden. Dort stockt die Sanierung unter anderem wegen des drückenden Grundwassers und wegen in 17 Metern Tiefe aufgetauchter mittelalterlicher Holzpfähle, die heute die geplante Grundabdichtung behindern. Natürlich gab es auf der Museumsinsel wie an der Staatsoper Probebohrungen, aber merkwürdigerweise immer an falscher Stelle. Die Eiszeit war schlauer. Jetzt müssen hier wie da die Mehrkosten diskutiert werden.

Umzug der „Alten Meister“

Was die Museumsinsel, die Staatsoper und auch das Stadtschloss verbindet: Der Bund ist Hauptfinanzier der Berliner Kulturgroßbaustellen, möchte aber im Moment nicht wirklich darüber reden. Denn seit dem Flughafen-Desaster ist besser das Land Berlin der Dumme, wenn es um peinliche bis skandalöse Bauverzögerungen geht.

Obendrein hat die ganze Diskussion um den Umzug der „Alten Meister“ für viel Missstimmung im Kulturbetrieb gesorgt. Dabei fließen aus dem Bundeskulturetat 200 Millionen in die Sanierung der Staatsoper und indirekt weitere 20 Millionen in das abgetrennte Bühnenbild-Magazin, wo Stardirigent Daniel Barenboim eine Musikakademie für junge Musiker aus dem Nahen Osten einrichten wird.

Für das lange umkämpfte Stadtschloss sind 478 Millionen eingeplant. Die Unsicherheit liegt bei den privaten Spendern. 80 Millionen sind versprochen, gerade mal knapp fünf Millionen zusammen. Der Bund wird wohl am Ende nachlegen müssen. Den Museumsinsel-Ausbau finanziert der Bund gleich ganz allein.

„Chaos in der Planung“

Die Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede, von Hause aus Pianistin und kulturpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, sieht Risiken jenseits der üblichen Toleranzgrenzen.

„Die Menge der zu erwartenden Mehrkosten durch diverse Baumaßnahmen bei Kulturgebäuden in unserer Hauptstadt gibt Anlass zur Sorge vor einer Fortsetzung der Berliner ,Pleiten, Pech und Pannenserie’ bei Großbauprojekten“, sagt sie und listet eine Reihe von finanziellen Ungereimtheiten auf. Als Insiderin mutmaßt sie „Chaos in der Planung“ und fordert mehr Transparenz.

„Wir sind keine Propheten, wie sich die Baupreise entwickeln“, sagt Andreas Kübler vom zuständigen Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Er hat kein Problem damit, die Mehrkosten fürs Pergamonmuseum anschaulich zu erklären.

Schlammiger Baugrund

Sein Beispiel: Wenn jemand heute bei einem Maler für die Renovierung seines Wohnzimmers einen Kostenvoranschlag einholt und ihn dann 2025 beauftragt, es dafür zu tun, dann wird der Handwerker den Kopf schütteln. Der Preis für Farbe, Lohn und Fahrkosten wird dann höher sein. Ähnlich läuft es auch bei den Baufirmen. Die geplanten und bewilligten Kosten von 385 Millionen Euro stammen von Mai 2007 und können sich bis 2025 durch allgemeine Preissteigerungen noch erhöhen.

Was die Verzögerung bei der James-Simon-Galerie angeht, verweist Kübler auf den schlammigen Baugrund. Man habe von Anfang an mit Tauchern kalkuliert, aber die ursprünglich beauftragte Baufirma war „personell und technisch nicht in der Lage“, die Unterwasserarbeiten auszuführen.

Die 71 Millionen Euro werden jedenfalls nicht reichen, fast die Hälfte davon ist bereits aufgebraucht. Noch vor der eigentlichen Grundsteinlegung. Die fehlenden Mittel sind bereits beantragt.

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