„Tatort”-Kommissar

Schauspieler Joachim Król ist ein Filmverrückter

Fernseh-Kommissar Joachim Król spricht über Krimis, Stummfilme und persönliche Wünsche. Und über den Ehrenkodex unter „Tatort“-Ermittlern.

Foto: Reto Klar

Im letzten Jahr wurden erstmals die Ufa-Filmnächte veranstaltet, damals im Park Sanssouci. In diesem Jahr finden sie auf dem Schinkelplatz statt. Am heutigen Donnerstag werden dort die beiden „Berlin-Sinfonien der Großstadt“ (1927/2002) gezeigt, Samstag der Agentenklassiker „Spione“ (1928) von Fritz Lang und am Freitag einer der beeindruckendsten Kriminalfilme des deutschen Stummfilms, „Asphalt“ (1929) von Joe May. In dieses Werk führt der Schauspieler Joachim Król ein, der bekanntlich selbst als Kommissar filmisch tätig ist. Morgenpost Online hat mit ihm gesprochen.

Morgenpost Online: Sie stellen am Freitag den Stummfilm „Asphalt“ vor. Wie ist man gerade auf Sie gekommen?

Joachim Król: Wahrscheinlich weil ich Fernsehkommissar bin und man sich damit ein gesteigertes Interesse verspricht. Ich bin der Einladung jedenfalls gern gefolgt. Weil diese Stummfilmreihe ja dabei ist, eine feste Einrichtung zu werden, und die Filme an einem schönen Berliner Platz Open-air gezeigt werden.

Morgenpost Online: Schauen Sie denn auch selbst Stummfilme?

Joachim Król: Ja. Wenn ich nicht sowieso schon da wäre, würde ich da auch sonst hingehen. Ich bin ein Filmverrückter, und das war ja die erste große Zeit des deutschen Films. Dieses Schneller, Höher, Weiter ist ein Irrtum unserer Zeit, das zeigt sich auch im Kino. Ich habe vor einer Woche den neuen „Batman“ gesehen, und der hat mich komplett kalt gelassen. Es ist eine große Qualität, wenn mit vermeintlich einfachsten Mitteln Seiten in uns angeschlagen werden, die universal verständlich sind. Und das ist eine hohe Qualität des Stummfilms.

Morgenpost Online: Würden Sie denn auch mal in einem Stummfilm mitwirken? Damit kann man ja heutzutage sogar wieder Oscars gewinnen.

Joachim Król: Ich würde mich einem solchen Experiment gerne mal unterziehen. Franka Potente hat das ja einmal mit „Der die Tollkirsche ausgräbt“ probiert. Leider hat sie mich nicht gefragt.

Morgenpost Online: Herr Król, Sie sind Fernsehkommissar, erst mit Brunetti, dann mit Lutter, jetzt im „Tatort“. Wie ist denn Ihr privates Verhältnis zum Krimi? Lesen Sie zuhause Kriminalromane, etwa vor dem Schlafengehen?

Joachim Król: Das habe ich nebenan, auf der anderen Bettseite. Meine Frau frisst die Dinger regelrecht. Ich verfolge natürlich diese Booms, jedes Jahr haut ja irgendein Verlag einen neuen Nesbø oder Larsson heraus. Und Donna Leon habe ich persönlich kennengelernt. Dieses Serielle ist natürlich gut fürs Geschäft, aber ich gehöre nicht zu denen, die das wirklich brauchen. Da gibt es ja einen regelrechten Suchtfaktor.

Morgenpost Online: Auch Donna Leon kannten Sie nur in Drehbuchform?

Joachim Król: Auch diese Bücher kannte ich durch meine Frau. Als das Angebot kam, hab ich die natürlich systematisch gelesen. Aber selbst Donna Leon hat mir gesagt: „Ich weiß, was Literatur ist. Ich schreib Krimis.“ Sie hat auch einen sehr pragmatischen Blick auf die Verfilmungen. Sie sagte: „Ich hab das verkauft, das gehört jetzt euch.“ Sie war nur einmal am Set – und hat nur eine einzige Kritik geäußert. Sie meinte, mein Vorgesetzter würde niemals eine solche Krawatte tragen.

Morgenpost Online: Und wie ist das im Fernsehen? Schauen Sie sich Krimis an?

Joachim Król: Ich habe da mittlerweile so eine professionelle Deformation. Besonders was die deutschen Produktionen angehen. Wir sagen ja immer, wir stehen in keiner Konkurrenz zueinander. Mich interessiert in erster Linie nur, wer macht was mit wem. Es ist ganz selten, dass mich eine Geschichte selbst packt. Aber ich habe viele Freunde im Ausland, die sagen mir, wie erfolgreich unsere Serien dort sind. Weil wir offensichtlich etwas gut machen. Und immer noch filmischer sind als vergleichbare Formate in anderen Ländern. Offensichtlich können wir das Genre sehr gut.

Morgenpost Online: Gibt es eigentlich einen Ehrenkodex unter „Tatort“-Kommissaren? Dass man sich nicht untereinander kritisiert, nicht übereinander spricht?

Joachim Król: Ich glaube, das ist unausgesprochen, ja. Im Grunde genommen arbeiten wir ja nur unter einem ARD-Dach, unter einem Logo, aber dann hört die Gemeinsamkeit auch schon auf. Schon Kommissare aus zwei Städten zusammenzubringen, ist gar nicht so einfach. Ich glaube aber, dass der Zuschauer das letztlich auch gar nicht will.

Morgenpost Online: Früher hatte man ja bei solchen Serienrollen Angst vor dem Schubladendenken. Der Derrick klebte ein Leben lang an Horst Tappert. Ist das heute anders?

Joachim Król: Naja, als ich in Venedig Brunetti drehte, habe ich gelernt, dass Derrick für die italienische Frau einen Traummann darstellt: verlässlich – und langweilig. Das war die Grundlage für den jahrelangen Erfolg.

Morgenpost Online: Auch Ulrike Folkerts macht heute kaum noch was anderes als „Tatort“.

Joachim Król: Ja, bevor ich beim „Tatort“ anfing, hatte ich auch Bedenken. Damit muss man rechnen. Auf der anderen Seite hat man die Garantie, zwei gutproduzierte 90-Minüter im Jahr zu drehen. Auf die man auch großen Einfluss hat. Und es ist auch nicht so, dass ich ein Übermaß von Drehbüchern auf dem Tisch liegen hätte, die mich wirklich vom Hocker reißen würde.

Morgenpost Online: Sie sind als Brunetti und als Lutter nach je drei Jahren ausgestiegen. Auch eine Möglichkeit, nicht in der Schublade zu enden?

Joachim Król: Nein. Bei Brunetti gab es einfach eine Interessenkollision. Ich hatte das Angebot für einen ungewöhnlichen Kinofilm. Den wollte ich unbedingt machen, aber das hat sich zeitlich überlagert. Die sagten entweder oder. Ich dachte, die lenken ein, haben sie aber nicht getan. Uwe Kockisch ist darüber sehr froh. Und „Lutter“ sollte mehr ins Milieu gehen, aber ich wollte, dass das mehr in die oberen Konzernetagen spielt.

Morgenpost Online: Haben Sie je mal überlegt, selbst ein Szenario zu entwerfen?

Joachim Król: Wenn mal eine gute Fee kommt und sagt, du hast drei Wünsche frei, dann würde ich sagen: Ich wäre gern ein guter Autor. Ich wäre gern ein guter Produzent. Und dann vielleicht Champagner oder ein Bier.