Tod mit 51

Theaterwelt trauert um Susanne Lothar

Kollegen und Freunde reagieren bestürzt auf den plötzlichen Tod der Schauspielerin. Susanne Lothar starb mit 51 Jahren in Berlin.

Mit dem Tod der Schauspielerin Susanne Lothar verliert Berlin nach Worten des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) eine Ausnahmekünstlerin. „Die Theaterstadt Berlin trauert um eine ungewöhnlich ausdrucksstarke Ausnahmekünstlerin“, erklärte Wowereit am Donnerstagabend in einer Mitteilung des Senats. „Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Susanne Lothar feierte auch auf Berliner Bühnen große Erfolge. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten.“

Die Schauspielerin starb im Alter von 51 Jahren, wie der Anwalt der Familie, Christian Schertz, am Mittwochabend in Berlin mitgeteilt hatte. Weitere Angaben machte er mit Hinweis auf die Privatsphäre der Familie nicht. Enge Kollegen reagierten mit Bestürzung auf die Todesnachricht und würdigten Susanne Lothar als Ausnahmeschauspielerin.

Lothar galt als vielseitige Charakterdarstellerin. Die zerbrechliche Wahl-Berlinerin war mit dem Schauspieler Ulrich Mühe verheiratet, der vor fünf Jahren, am 22. Juli 2007, im Alter von 54 Jahren an Krebs gestorben war.

Eine ihrer beeindruckendsten Rollen hatte Susanne Lothar in dem preisgekrönten Kinofilm „Das weiße Band“ des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. Sie spielte die Hebamme, die von dem Dorfarzt in eine entwürdigende Lebenssituation gedrängt wird. Weitere Filme mit Haneke waren „Das Schloss“ und „Die Klavierspielerin“.

Auch Haneke würdigte Susanne Lothar am Donnerstag als Ausnahmekünstlerin. „Ich kannte sonst kaum jemanden, der so eine mutige Schauspielerin war, die sich alles getraut hat“, sagte er in Wien. „Sie war eine Rarität und unersetzbar. Für den Film und das Theater ist das ein großer Verlust, eine Katastrophe.“

Mit Ulrich Mühe hatte Susanne Lothar zwei Kinder, Sophie Marie und Jakob. In Michael Hanekes beklemmender Gewaltstudie „Funny Games“ hatte sie an der Seite ihres Ehemannes gespielt. Haneke sagte: „Ich bin sehr traurig und erschrocken, auch weil ich damit überhaupt nicht gerechnet habe. Uli Mühe und sie waren ja meine beiden Haupt- und Lieblingsschauspieler und die wichtigsten Partner für mich im deutschsprachigen Raum. Das ist schon ein Schock.“

Schauspielerkollege Ulrich Tukur würdigte Lothar als große Theaterschauspielerin, die ihre „dunkle Energie“ auf der Bühne wunderbar habe umsetzen können. „Es war immer sehr viel Verzweiflung in dem, was sie gemacht hat“, sagte Tukur, der mit Lothar oft gemeinsam auf der Bühne gestanden hatte, im Deutschlandradio Kultur. „Auf der Bühne war sie toll, aber im Leben hat das nicht funktioniert.“

ARD zeigt „Polizeiruf“-Folge

Im Andenken an Susanne Lothar hat das Erste sein Fernsehprogramm geändert. Am heutigen Freitag (27. Juli, 22 Uhr) wird die „Polizeiruf 110“-Folge „Die Gurkenkönigin“ gezeigt, wie der Sender am Donnerstag in München mitteilte. In der im April 2012 erstmals ausgestrahlten Episode spielte die Darstellerin die Leiterin eines Familienunternehmens, auf die es ein vermeintlicher Vampir abgesehen hat.

„Susanne Lothar war eine Ausnahmeschauspielerin, vor der Kamera genauso wie auf der Bühne. Ihre Präsenz und ihr Können machten jeden Film zu etwas Besonderem, so auch den 'Polizeiruf 110' “, sagte Programmdirektor Volker Herres.

Die gebürtige Hamburgerin war sowohl Film- als auch Theaterschauspielerin, sie war am Burgtheater ebenso zu sehen wie im „Tatort“. Bereits für ihr Filmdebüt in Tankred Dorsts „Eisenhans“ (1983) hatte Lothar den Bundesfilmpreis erhalten. Mehrfach stand Lothar in Theaterarbeiten von Peter Zadek auf der Bühne. Berühmt wurde sie als Zadeks „Lulu“. Die 1988 am Schauspielhaus Hamburg entstandene Wedekind-Inszenierung sorgte dank Lothars exquisitem Spiel für Aufsehen. Das Fachblatt „Theater heute“ wählte sie 1988 zur „Schauspielerin des Jahres“.

Der Schweizer Regisseur Luc Bondy, der am Burgtheater Wien und am Schauspielhaus Zürich mit ihr zusammengearbeitet hatte, würdigte Lothar als große Künstlerin. „Sie war eine wirkliche Schauspielerin“, sagte Bondy am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Aber was sie spielte, „musste sie auch leben“. Das sei ganz selten bei Schauspielern: „Viele stellen her – und sie hat nicht hergestellt“.

Im vergangenen Jahr wirkte Lothar an der britischen Kinoproduktion „Anna Karenina“ mit Jude Law und Keira Knightley mit, die in diesem Herbst in die Kinos kommen soll.