Blitzdingsen! Ach, ginge das doch auch in Wirklichkeit. In den „Men in Black“-Filmen gibt es diesen schmalen Metallstab, in den die Menschen gucken müssen, dann wird ein Blitzlicht ausgelöst – und alle sind „neuralisiert“, das heißt, sie vergessen im Nu, wovon sie gerade Zeuge waren: dass wir nicht allein sind auf unserer Welt, sondern dass Aliens unter uns hausen.
Man stelle sich vor: So einen „Neuralisator“, so einen Gedächtnis-Löscher gäbe es auch im Kino. Man könnte immer wieder denselben Film drehen, mit den jeweils angesagten Stars und immer auf dem neuesten Stand der Effekte-Technik natürlich. Aber kein Zuschauer und schon gar kein Kritiker würde mäkeln, dass das ja nur ein billiges Remake, ein Aufguss oder, schlimmer noch, ein Plagiat sei. So aber muss sich die mit neuen Einfällen nicht immer reich gesegnete Filmindustrie auf die üblichen Tricks verlassen: Erfolge kopieren und Fortsetzungen drehen.
Von „Men in Black“ startet an diesem Donnerstag (24. Mai 2012) nun auch schon ein dritter Teil, diesmal selbstredend in 3D. Aber wie kann man die Geschichte noch weiterdrehen? Im ersten Teil warb Agent K (Tommy Lee Jones) einen jungen Polizisten (Will Smith) als Agent J für eine Geheimorganisation an, die die Aliens vor uns und uns vor den Aliens schützt. Am Ende ging der alte K in Rente – und ließ sich blitzdingsen.
In Teil Zwo ging es folgerichtig andersrum zu: Agent J warb nun K an, weil nur der eine alte Nuss knacken konnte. Und der wurde nun genauso in die fremde Materie eingelernt wie zuvor J. Barry Sonnenfeld, der mit diesen Filmen 1997 und 2002 wahre Blockbuster-Hits landete, wollte auch im dritten Teil den Geist der Filme wahren. Und der liegt nun mal nicht bei den Aliens, sondern in der Beziehung zwischen den Herren im schwarzen Anzug. Zehn Jahre nach Teil Zwo hat dasselbe Erfolgsteam eine Geschichte gestrickt, die der Reihe – vermeintlich – treu bleibt. Und doch alles verrät, was sie ausmacht.
Witz liegt nicht mehr im deutlichen Altersunterschied
Tommy Lee Jones kommt nämlich der Story ziemlich schnell abhanden. Weil ein superböser Außerirdischer einen Zeitsprung in die Vergangenheit macht und K tötet. Schwupps, wird der aus dem Film gelöscht, seine Wohnung ist plötzlich von einer Prekariatsfamilie bewohnt und in der Organisation kann sich niemand mehr an ihn erinnern. Außer (diese Unlogik wird nicht weiter erklärt) Agent J. Der wagt nun denselben Zeitsprung, um Agent K zu retten. Und begegnet – einer deutlich jüngeren Version von diesem.
Der Witz liegt also nicht mehr länger im deutlichen Altersunterschied zwischen J und K, sondern darin, wie sich der „neue“ Schauspieler, Josh Brolin, alle Gesten, Manieren und Manierismen von Tommy Lee Jones angeeignet hat, um als dessen jüngere Version glaubhaft bestehen zu können. Den Hauptpart aber übernimmt nun, klarer als in den ersten Teilen, Will Smith, der sich damit unkollegial in den Vordergrund drängt und seinen Ko-Star letztlich zum Nebendarsteller degradiert. Smith alias J landet im Jahr 1969, einer Zeit, in der irgendwie alle wie aus einer anderen Welt schienen. Man muss sich nur mal in der Factory von Andy Warhol umschauen, in die es den Agenten verschlägt. Und wirklich: So wie Michael Jackson sich in Teil Zwo als Alien entpuppte, wird hier Andy Warhol als Mann vom anderen Stern geoutet.
Ein hübscher Zug von Teil Drei ist es, auch die Aliens ein wenig altmodischer erscheinen zu lassen als sonst. Die machen offensichtlich dieselben Moden mit wie wir. Von Hippies, freier Liebe oder gar Rassenunruhen ist hier indes, wir befinden uns ja in einem Familienfilm, nicht allzu viel zu sehen. Will Smith wird einmal gesagt, mit seiner Hautfarbe käme er hier nicht weit. Mehr wird aus dem Konflikt nicht herausgeklopft. Thema verschenkt.
Alles ist letztlich nur Beiwerk für den wirklich spektakulären Showdown, der – nur darum befinden wir uns anno '69 – auf dem Kennedy Space Center in Florida stattfindet. 16. Juli, Mondlandung. Der Startschuss in die Zukunft! Und noch während Apollo 11 gezündet wird, kämpfen Gut und Böse auf der Saturn-V-Rakete um das Heil der Welt.
Die Idee mit der Mondlandung wäre ein Volltreffer gewesen. Hätte nicht erst vor kurzem ein kleiner, rotzfrecher Trashfilm namens „Iron Sky“ mit dem Mond weit mehr Schindluder getrieben – und auf dessen dunklen Seite eine Mondbasis erfunden, von der aus die Nazis die Welt zurückerobern wollen. Gegen die Alt- und All-Nazis dieses vergleichsweise kostengünstigen Werks wirken die Aliens des 30-mal teureren „MiB3“ doch recht unoriginell und altbacken. Da müssten sich die Männer in Schwarz eigentlich schwarz ärgern. Immerhin taucht am Ende Tommy Lee Jones wieder auf. Aber da ist der Film schon vorbei.


