Bühne

Shermin Langhoff wird neue Chefin des Gorki Theaters

Eigentlich sollte Shermin Langhoff vom Ballhaus Naunynstraße nach Wien wechseln. Doch nun tritt sie zusammen mit Jens Hillje im Gorki an.

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Wenn man sieben Monate lang nach einer neuen Intendanz sucht und dann Zuhause fündig wird, ist das allemal überraschend. Weil man ja eine so naheliegende Lösung früher hätte präsentieren können. Das wäre für alle Beteiligten entspannter gewesen, denn ein Jahr Vorbereitungszeit für einen Neustart am Maxim Gorki Theater ist wenig.

Doch der Reihe nach: Shermin Langhoff, die derzeit das Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg leitet, soll an Berlins kleinstem Staatstheater Nachfolgerin von Intendant Armin Petras werden. Petras wechselt im Sommer 2013 ans Württembergische Staatstheater Stuttgart. Er nimmt seinen Geschäftsführer Klaus Dörr und viele Schauspieler mit. Langhoff muss nun in relativ kurzer Zeit ein neues Ensemble zusammenstellen, viele Akteure sind schon gebunden, denn zur übernächsten Theatersaison gibt es zahlreiche Neustarts. Beispielsweise in Hamburg, Köln, Leipzig, Weimar – und an allen Orten stehen die künftigen Chefs (und die meisten Ensemblemitglieder) längst fest.

Überraschend ist die Entscheidung für Shermin Langhoff auch deshalb, weil sie bereits für Wien zugesagt hatte. Dort plant man mit längerem Vorlauf (der Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann hat kürzlich bis 2019 unterschrieben), eigentlich sollte die derzeitige Leiterin des Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg 2014 zu den Wiener Festwochen wechseln. Das wurde vor ziemlich genau einem Jahr verkündet.

Früherer Schaubühnen-Chefdramaturg Jens Hillje kommt mit

Offenbar aber hatte sie in Wien noch nicht unterschrieben, ebenso wenig wie Jens Hillje. Gemeinsam mit dem früheren Chefdramaturgen der Schaubühne war sie im vergangenen Jahr auch als HAU-Intendantin im Gespräch. Die Verhandlungen sollen daran gescheitert sein, dass Kulturstaatssekretär André Schmitz ihr kein Ensemble zusagen wollte. Das hätte den Etat des HAU gesprengt. Nach Informationen von Morgenpost Online wechselt jetzt auch Hillje ans Gorki, das als Bühne mit einem festen Ensemble erhalten werden soll. Dass die beiden mehr Geld erhalten als Armin Petras, gilt als unwahrscheinlich. Die Unterfinanzierung des Hauses war ein Grund für Petras’ Weggang.

Die Wiener Festwochen teilten gestern mit, Langhoff habe ihr Engagement „aus persönlichen, familiären Gründen“ zurückgezogen. Sie hätte neben Markus Hinterhäuser, dem künftigen Intendanten, stellvertretende Intendantin und Chef8kuratorin werden sollen. Die Festwochen kämen Langhoffs Wunsch mit „großem Bedauern“ nach. Shermin Langhoff wurde 1969 im türkischen Bursa geboren und ist mit dem Regisseur Lukas Langhoff verheiratet. Sie leitet seit 2008 das Ballhaus Naunynstraße, hat ihrem Theater das Label „postmigrantisch“ gegeben.

Heute werden die beiden vom Kulturstaatssekretär am Maxim Gorki Theater vorgestellt. Vielleicht sollte Schmitz auf Nummer sicher gehen und sich vor der Präsentation den Vertrag unterschreiben lassen. Sonst könnte es ihm passieren, dass er bald schon wieder suchen muss. Und das könnte dann wirklich zu knapp werden.