Das wird eine wahre „Tour de Berlin“ in den nächsten Tagen. So viel Kunst war lange nicht: Zeitgleich zur Eröffnung der Berlin Biennale und des Gallery Weekends öffnen auch Museen, Privatsammlungen und Botschaften ihre Ausstellungen. Das Guggenheim kürt den Documenta-Künstler Roman Ondak zum Künstler des Jahres und in der Berlinischen Galerie bekommt Michael Sailstorfer den „Vattenfall Contemporary“ für seine munter motorisierten Bäume.
Am Donnerstagabend nun trudelten die ersten Sammler wie Galeristen in der Jüdischen Mädchenschule ein, um sich beim Cocktail atmosphärisch auf das Gallery Weekend einzustimmen.
Das Aus des Art Forums im vergangenen Jahr spülte dem Galeriemarathon noch einmal mehr Bedeutung zu. 51 Galerien nehmen dieses Mal teil, damit ist der exklusive Galerienverbund größer denn je. Neu ist auch die „Verjüngungskur“, eingeladen sind Galerien wie etwa Circus, Chert und Supportico Lopez, die erst bis zu fünf Jahre im Geschäft sind und jenseits des Establishment für frischen Wind, sage: für Experimentelles stehen, sich teilweise aus Projekträumen heraus entwickelt haben.
Fragt man unter den Galeristen, sind sich ausnahmsweise alle einmal einig: Das Gallery Weekend ist im achten Jahr eine Erfolgsgeschichte und längst der wichtigste Berliner Termin im Kalender. Jörg Johnen, 25 Jahre führte er eine Galerie in Köln, weiß genau, warum er vom Rhein an die Spree umgezogen ist. „Berlin ist einfach ein internationaler Schmelztiegel. Hier leben zwar noch nicht viele Sammler, aber alle kommen doch sowieso. Zwei bis drei Mal im Jahr sind sie hier, das reicht, um gute Kontakte zu pflegen“, findet er. „Hier gibt es einen wirklich lebendigen Austausch.“
Das Gallery Weekend bietet erstaunlich viel Hochkarätiges mit musealem Anspruch. Das Spektrum reicht von Zaha Hadid (Buchmann), Douglas Gordon (Niels Borch Jensen), Paul Graham (Carlier/Gebauer) bis zu Katharina Grosse (Johann König). Viele der Künstler sind in der Stadt: Land-Art-Ikone Richard Long (Galerie Konrad Fischer) wurde ebenso wie Jenny Holzer (Sprüth Magers) schon gesichtet. Regisseur und Großkünstler Julian Schnabel hängte höchstselbst seine opulenten Shiva-Bilder bei CFA auf, das Gedrängel wird groß werden.
Sicher, Schnabels kitschselige Tableaus sind nicht jedermanns Geschmack, sein Auftritt in Berlin aber wird wohl der Coup des Wochenendes. Aus Glasgow kommt der „amtierende“ Turner-Preisträger Martin Boyce, immerhin einer der bedeutendsten Kunstpreise. Bei Johnen in der Marienstraße leuchten nun asiatisch anmutende Lampions. Rot. Gelb. Grün. Von der Decke baumelnd, spenden sie subtiles Dämmerlicht. Von Weitem sieht die Installation aus wie ein begehbares Bild. Wie gemacht für eine Party. Auch daran wird es dem Gallery Weekend nicht fehlen.
Gallery Weekend: 27. bis 29. April. Heute von 18 bis 21 Uhr.




